Reisen in Südamerika / Travelling in South America

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Das Reisen in Südamerika unterscheidet sich zunächst nicht wesentlich von dem in Zentralamerika (zu lesen in vorangegangenen Artikeln). Und doch gibt es natürlich auch hier nationale und regionale Unterschiede, auf die ich in all meinen Artikeln genauer eingegangen bin. Hier nun ein grober Umriss des südamerikanischen Kontinents in Sachen „Tourist sein“. Patagonien, das für mich eine fast komplett andere Welt darstellt, lasse ich hier außen vor.

Die spanischen Dialekte sind unglaublich vielfältig und ich brauchte manchmal ein paar Tage, bis ich damit zurecht kam. Je weiter südlich oder östlich man kommt, desto schwieriger. Mancherorts wird statt Spanisch eine indigene Sprache, wie zum Beispiel Quechua, gesprochen. Englischkenntnisse sind wenig verbreitet. Nur Tourguides, die es im Laufe der Zeit von Touristen gelernt haben, und viele Studenten in den großen Städten können damit dienen. Jedoch traf ich viele Reisende ohne Spanischkenntnisse, die sich trotzdem erfolgreich durchschlagen konnten. Ich persönlich hatte jedoch das Gefühl, dass ich mehr von Land und Leuten mitbekam, je besser mein Spanisch wurde und würde daher jedem raten, zumindest die Grundkenntnisse zu beherrschen. Man bekommt einfach mehr (Hintergrund-) Informationen und fühlt sich besser, wenn man viel versteht. Nicht alle Touren und Museen sind bilingual und letztlich freut sich jeder Einheimische über kleine Unterhaltungen in Landessprache.

Die Häuser der Städte sind aus Ziegeln gebaut oder betoniert. Manche sind bunt gestrichen, viele zeigen die nackten Ziegel. Gebaut wird generell eher verschachtelt und in allen möglichen und unmöglichen Ecken. Dabei sind Fenster, wenn vorhanden, nie wirklich dicht und im Erdgeschoss oft mit Gittern oder Rolltoren versehen. Es gibt unglaublich viele Dachterrassen zum Trocknen der Wäsche und in Unterkünften als Aufenthaltsbereich. Ich liebte den Blick über die Dächer der Städte oder die ruhigen, abgeschiedenen Oasen der Ruhe, denn das Leben in den Straßen ist laut und dreckig. Neben unzähligen Autos und deren abartig stinkenden Abgasen (Stuttgart hat kein Feinstaubproblem! *haha*) stehen überall Verkäufer, um einen wirklich alles Mögliche anzudrehen. Oft mit lärmender Musik oder Sirene und manchmal fast nicht abzuwimmeln. „No, gracias“ gehörte definitiv zu meinen häufigst genutzten Wörtern der Reise. Auch in den städtischen und regionalen Bussen wird vieles an den Mann und die Frau gebracht. Kauft man nicht auf der Straße, dann in den unzähligen kleinen Läden und Kiosks, nur in großen Städten gibt es auch Supermärkte. Diese sind der einzige Ort, an dem es nie Probleme mit dem Wechselgeld gibt und man mit Kreditkarte bezahlen kann. Überall sonst heißt es Bargeld dabeizuhaben, am besten in kleinen Scheinen oder Münzen. Sehr oft heißt es „no cambio“ oder der Ladenbesitzer verlässt sein Geschäft mit dem gerade ausgehändigten Schein, um es nebenan zu wechseln. Cool bleiben und bloß nicht weggehen, bis das Rückgeld kommt.

Der Transport funktioniert überall recht gut. Taxis gibt es wie Sand am Meer und viele können als „colectivos“ geteilt werden. Allerdings fahren sie dann erst ab, wenn sie voll sind, was manchmal etwas länger dauern kann und in anderen Fällen nur durch behauptendes Auftreten mit einem kleinen Bisschen Ellenbogeneinsatz möglich ist. In Städten gibt es größere und kleinere Buslinien. Viele können überall am Straßenrand angehalten werden und kosten fast nichts. Unter- und überirdisch verkehrende Bahnen sind selten (Buenos Aires, Medellín, Region Santiago de Chile, …) und ganz besonders sind die Seilbahnen in La Paz und Medellín, die die Wege über den Dächern der Stadt deutlich vereinfachen. Reisebusse verschiedenster Qualität gibt es auch überall und bringen einen von einer Stadt in die nächste. Ein paar wenige Euro mehr bezahlen und in kurvenreichen Gegenden auf Nachtfahrten verzichten, empfiehlt sich für mehr Sicherheit und Komfort. Mitunter fahren sie tagelang und in vielen Fällen ist es daher sinnvoll auch die Flugverbindungen zu nutzen, die innerhalb eines Landes nicht unbedingt teurer sind als eine zwanzig-stündige Busfahrt.

Der Straßenverkehr ist geprägt durch das Ignorieren oder schlicht nicht Vorhandensein von Regeln. Auf dem Land gibt es empfohlene Geschwindigkeitslimits und in Städten werden zum Teil Verkehrspolizisten eingesetzt, um die Leute dazu zu bringen, die Ampeln zu beachten, oder um diese erst recht außer Acht zu lassen. In Autos und Bussen sowie auf Motorrädern und Fahrrädern finden hier generell sehr viel mehr Personen Platz als bei uns. Angeschnallt ist maximal der Fahrer, der Rest wird gestapelt. Am beeindruckendsten sind kleine Kinder, die auf den Lenker gestützt mitfahren, während Gleichaltrige in Europa noch nicht einmal sicher laufen können. Generell gibt es viel mehr Kinder, die allesamt deutlich selbstständiger sind als bei uns. Als Fußgänger schaut man am besten, wie es die anderen machen. Während man in Ecuador sozusagen Vorfahrt hat (nicht wirklich, aber der Autofahrer trägt im Falle eines Unfalls die Schuld), steht man in Bolivien ganz am Ende der Rangliste. Straßen und Wege teilt man sich dabei generell mit vielen Hunden (aufdringlich aber nicht aggressiv) und Hühnern, seltener Truthähnen und anderem Getier. In einigen Ländern und Regionen liegt zudem unglaublich viel Müll herum und man sollte stets darauf achten, wohin man tritt, denn Absätze, endenden Gehwege und offene Schächte sind keine Seltenheit.

Auf der Suche nach einer Unterkunft wird man überall fündig. Selbst in kleineren Dörfern gibt es immer eine Pension („hospedaje“, „hostal“) oder sogar ein Hotel oder Hostel. Campingplätze gibt es in touristisch angehauchten Gegenden auch genügend. Die Preise unterscheiden sich nach Qualität oder Region maßgeblich. Einen guten Vergleich mit entsprechenden Bewertungen bietet sicherlich booking.com, auch wenn man dann nicht darüber bucht, sondern vor Ort direkt nachfragt. Die meisten Unterkünfte haben Strom und fließend (Warm-) Wasser und es gibt immer weniger Elektroboiler direkt am Duschkopf und Toiletten, die ich mit einem Wassereimer spülen musste, gab es nur in den abgelegenen Ecken. Überall gilt: Das Klopapier wird nicht in die Toilette, sondern in den Mülleimer geworfen. Vieler Orts muss man es auch selbst dabei haben, oder ein paar Centavos dafür bezahlen. Wenn Frühstück angeboten wird, ist das meist weißer Toast mit Marmelade oder kleine, frittierte Empanadas und nicht wirklich sättigend, doch auf den Märkten kann man sich wunderbar mit herrlich leckerem Obst und Säften (Achtung, in Ecuador und einigen anderen Regionen werden diese zusätzlich mit Zucker gesüßt!) versorgen.

Auch sonst ist das Essen auf den Märkten meist äußerst lecker und sehr preiswert. Die hygienischen Bedingungen sind allerdings alles andere als den europäischen Standards angepasst. Wer damit Probleme hat, sollte auf die teureren „Touristen“-Restaurants zurückgreifen oder selbst kochen, wenn möglich. Dabei gilt jedoch wiederum, dass man in vielen Gebieten das Leitungswasser nicht trinken und nicht zum Abwaschen von Obst und Gemüse verwenden soll. Ich selbst habe das weitgehend ignoriert und hatte keine Probleme. Wer sicher gehen will, kauft nur Obst, das geschält werden muss und kocht Gemüse anständig durch. Selbes gilt für Fleisch. Wenn man auswärts isst, bekommt man Hähnchen oder komplett durchgekochtes/-gebratenes und daher oft sehr zähes Fleisch. Vegetarisch zu leben funktioniert oft nur, wenn man selbst kocht, denn auch in Südamerika gilt wie in Zentralamerika das Hähnchen sowie Meeresfrüchte und Fisch seltsamer Weise nicht als Fleisch. Gekocht wird übrigens überall auf dem Gasherd. In den Hostels sind viele mehr schlecht als recht und selbst Kochen macht nicht immer unbedingt Spaß.

Zum Thema Sicherheit – wie immer – noch zum Schluss ein paar Worte. Ich habe mich auf dem Land generell sehr sicher und wohl gefühlt. Große Städte sind da natürlich etwas anderes, aber das ist auch in der westlichen Welt so. Meine Faustregel war: Fühle ich mich in einer Situation nicht wohl, verlasse ich sie schnellstmöglich. Ich war nach 21 Uhr nicht mehr alleine auf der Straße, in manchen Städten auch deutlich früher nicht mehr. Ich hatte meinen Rucksack in Bussen und Bahnen immer auf meinem Schoß oder nach vorne auf geschnallt und hatte Kreditkarten, Reisepass, Smartphone und höhere Bargeldsummen immer im Hüftbeutel unter meinen Klamotten. Einen kleinen Geldbeutel mit umgerechnet circa 20 Euro hatte ich in der Hosentasche, zusammen mit einem alten Handy. Wäre ich irgendwann ausgeraubt worden, hätte ich dies sofort herausgerückt. Ich fuhr, wenn ich mir eines hab rufen lassen, auch alleine Taxi und nutzte den städtischen Nahverkehr und Nachtbusse ohne Bedenken. Man kann sich ja direkt hinter den Fahrer setzten, wenn man sich etwas unsicher ist. Beim Gepäck hatte ich manchmal Bedenken, weil man nicht dazu sieht, wenn es irgendwo in den vielen Klappen eines Busses verstaut ist. Meistens gibt es jedoch einen Kontrollzettel, mit dem man es dann wieder bekommt. Auch ohne hat es immer funktioniert. Tatsächlich wurde ich nur ein einziges Mal beklaut, und das war durch andere Reisende in einem Hostel. Möchte man das verhindern, muss man Einzelzimmer buchen. Ich hatte aber nie das Gefühl, dass das nötig ist und konnte auch in großen Schlafsälen gut schlafen. Die Unterkünfte haben oft eine 24-Stunden Rezeption und abgeschlossene Eingangstüren. Seltenst kann man ungesehen hinein- oder hinausgelangen. Hier kann man auch immer nachfragen, wo man sich sicher aufhalten oder gut essen gehen kann sowie Busverbindungen erfragen oder private Shuttles buchen. Überwiegend geht das auch, soweit ich das mitbekommen habe, mit (schlechtem) Englisch.

 

 

— English version —

Travelling in South America is not that different to Central America (see earlier articles). But there are local and regional differences I already described in the specific articles. This one is more general about being a tourist on the continent (without Brazil). Patagonia seems like a completely different world and is not included here.

Spanish dialects vary from country to country and I often needed some days to get used to them. The more south-east I went, the more difficult it has been to understand locals. Only some of them talk English – mostly guides and university students – and some not even Spanish (native languages like Quechua). I met lots of travellers without any Spanish skills, but in my opinion it’s more fun to be able to talk a little and understand it. I got a lot more information (not every museum is bilingual) and locals are really happy and helpful if you can talk to them properly.

Houses in the cities are built with bricks or with concrete walls. Some of them are painted colourful, others blank. Generally people built their homes in every possible spot, narrow corners, high rocks, in between other buildings. Windows and shops on the ground floor have bars and rolling gates. Lots of houses have rooftop terraces to hang clothes or – mostly in hostels – as living rooms or chill out areas. I loved to stay above the city, away from the crowded streets. They are noisy and dirty, too many cars, too much sounds and vendors everywhere. “No, gracias”, was the sentence I used most while staying in Latin America. Even in buses everything is sold. If you don’t buy things in the streets or in local markets, you can use the endless number of small shops and kiosks. Bigger towns and cities have supermarkets. They are the only place where there are never ever problems with change. Everywhere else you need to wait for your money and discuss about it not being available. Keep calm and wait for your change even if the owner rushes out to get it next door.

Transport is pretty good all over the continent. Uncountable taxis and so called “colectivos” – which leave as soon as they are full (Sometimes you need to wait, other times elbows are used.) – smaller local buses and big coaches run almost everywhere. Small and long buses run along several lines in capitals and bigger cities. A few of them even have a subway system, like Buenos Aires, Medellín or the region of Santiago de Chile. Very special are the cable cars in La Paz and Medellín to “fly” above houses and mountains. Coaches link towns and regions in different qualities. I would always choose to pay a little bit more to have a save trip, first of all at night or in the mountains. Some directions are full day or several day drives and it is often cheaper to take one of the national flights.

Traffic is different to Europe or North Amercia. It seem like there are no rules at all. Sometimes speed limits are just suggested or not even existing. People ignore traffic lights and cities need special police officers to help out. Cars, buses and motorbike are fuller than allowed, seat belts are hardly ever used. Very impressive are young children who are carried while driving or who are standing on the bikes holding to the handles in an age in which Europeans cannot even walk properly. Kids in general are more independent. While walking in the streets you need to be very careful everywhere. While Ecuador has the law of drivers being to blame in the case of an accident, pedestrians have no rights at all in other countries. Worst is Bolivia. Animals like hundreds of dogs (come close, but not aggressive), chicken and others share the streets and paths as well. Keep your eyes open for trash, steps and deep holes in streets and on walkways, it can be dangerous.

Searching for accommodation is easy. Even in the smallest villages I got a room in some “hospedaje” or “hostal”. Towns and Cities have so many different hotels, hostels and apartments on booking.com as well to book in advance, if necessary. In national parks and touristic areas I often chose camp sites as well as beds in dorms. The difference of all kind of accommodations is the prize and quality which both depend on the region and month. It worked out for me to trust other traveller’s recommendations and comments on booking.com. Most houses have electricity and (hot) water. Sometimes – in the mountains and poorer areas – toilets are flushed with a water bucket. Toilet paper needs to be thrown in the bin everywhere. Taking some with you is always a good idea. Just bus terminals sell some sheets for a few centavos. Breakfast means toast with jam or tiny, fried empanadas and coffee. It’s not enough for the day, but local markets offer a bunch of fresh fruit, veggies and local dishes. (Take care in Ecuador where fresh juices come with a loooot of extra sugar!) The markets are always a good option to get food. I loved to buy veggies to cook by myself and I tried the lunch menus to get the local taste. Small restaurants offer the same. It is not as clean as we know but I had no problems at all. If you want to be “safe”, choose more expensive and modern restaurants for tourists with international kitchen. Same with the tab water. Where locals drink it, I did as well. If not, I bought bottles. It is recommended to cook the vegetables very good and eat just fruit which need to be peeled. I ignored that rule for foreigners, but I never bought meat and cheese from the markets, because of them not having any cooling system. Eating vegetarian is somehow challenging. Usually chicken is declared to be vegetarian because it is literally no meat. People in general don’t understand the argument about it and it is better to tell them you don’t like meat and you don’t like chicken.

Talking about safety seems always to be important. This is how I experienced South America: I felt fine and safe all over. Big cities can be scary from time to time and I didn’t like to walk by myself in empty streets or after sunset. But I think it is not specially Latin America but every city in the world. My own rule was to leave situations in which I didn’t feel comfortable immediately. I took cabs – even when I was alone and my hostel called one for me – and public transport without problems. My backpack was transported in the back of the buses without seeing them very often, but I kept all my valuables with me all the time. I also kept my credit cards, passport and smartphone in a money belt under my clothes and just about 25 USD in my pocket. I never got robbed in the streets, just one other person in a hostel’s dorm stole my charger. Accommodations have 24h-receptions, locked doors and windows, safes or lockers and luggage rooms. The staff always knows where to go or stay away and sometimes offer door to door shuttles. English speaking travellers get enough information from hostel staff as well, but not in all of the “hospedajes”.

Maren

- Lehrerin auf Abwegen - Der Sommer wird für mich von August 2017 bis August 2018 anhalten, weil ich ein sog. Sabbatjahr einschiebe, um endlich das Reiseziel Südamerika anzusteuern. Was sollte da näherliegen, als in Nordamerika anzufangen, um über Zentralamerika den Süden zu erreichen? ;)

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