Tierra del Fuego (Chile & ARG)

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Ich hab‘s geschafft! Ich war in bzw. auf Feuerland! La Tierra del Fuego ist eine Inselgruppe mit chilenischem und argentinischen Teilen, die die südlichste Spitze Südamerikas bildet. Dort, wo die unglaublich lange Bergkette der Anden im Meer verschwindet, wo antarktische Meeressäuger und ganz eigene Vogelarten zu Hause sind und wo im April schon alles winterfest gemacht wird, hatte ich ein Gefühl, als wäre ich endlich angekommen. Ganz im Gegenteil wohl zu den Piraten wenige Jahrhunderte zuvor, denn diesen harten Kerlen war das Klima zu kalt, weswegen sie sich trotz idealer Bedingungen für Schiffsüberfälle am Beagle Kanal, lieber wieder in der Karibik niederließen. (Das ist die amüsanteste Information, die ich im Museum in Ushuaia gelernt habe.)

Weil Ende April keine Touristen mehr unterwegs sind und die Strecken, um die es ging, auch nicht von Einheimischen befahren werden, scheiterte ich am Versuch per Anhalter über die Inseln Feuerlands zu kommen. Also buchte ich eine Tour bereits von Punta Arenas aus (Turismo Patagonia Full / Turismo Fin del Mundo). Auf Feuerland selbst ist selbst das nicht mehr möglich. Im Sonnenaufgang ging es also zur Fähre, die mich in zweistündiger Fahrt mit Wind um die Nase, Möwen über dem Kopf und Seelöwen im Wasser über die Magellanstraße nach Porvenir brachte, wo ich erstmals die Tierra del Fuego betrat. Das Städtchen bietet nicht viel, aber einen Park mit ein paar Holzstatuen von Ureinwohnern sowie einer kleinen Informationstafel darüber. Außerdem besuchte ich das kleine Museum mit der Stadtgeschichte zur ersten Bevölkerung und Einwanderung von Jugoslawen im letzten Jahrhundert. Am Wasser steht diesbezüglich ein großes Denkmal.

Danach ging es über eine Schotterpiste viele Kilometer zum Parque Pengüino Rey, meinem Hauptziel der chilenischen Seite Feuerlands. Die 70 bis 80 Tiere umfassende Kolonie der Königspinguine ist die einzige, die auf dem südamerikanischen Kontinent zu finden sind. Alle anderen leben auf den Inseln zwischen Südamerika und der Antarktis. Hier wirken sie zunächst etwas fehl am Platz, weil sie nicht auf Eis und Schnee, sondern – zumindest ein knappes halbes Jahr – auf Gras stehen. Man bekommt eine kleine Einführung über die Pinguinarten und diese speziell, dann darf man einen kurzen Weg bis zu einer Bretterwand gehen. Durch breite Schlitze und mit Hilfe von zwei Fernrohren kann man dann die Tiere beobachten, ohne sie zu stören. Mit dem Fernglas versuchte ich meine Fotos zu vergrößern und natürlich durfte das Video zu den lustigen Gesängen der Pinguine nicht fehlen. Doch den Rest der Zeit nutzte ich, um sie einfach zu beobachten. Die Jungtiere, die kugelrund und kakaobraun sind, sehen irgendwie gar nicht nach Pinguin aus. Die Erwachsenen jedoch sind wunderschön. Es hat sich gelohnt, diese Kolonie zu besuchen. Die mehrere Tausend Magellanpinguine umfassende Kolonie Feuerlands ist einige Tage zuvor bereits ausgewandert und eh nicht mehr zu sehen. Alles richtig gemacht.

Unterwegs bremste der Fahrer immer wieder für Guanacos, was mir die Möglichkeit gab, auch welche vor die Kamera zu bekommen. Nachdem ich bei den Vicuñas in Bolivien gescheitert war, freute ich mich über die ebenfalls wilden, deutlich größeren Verwandten. Außerdem bekam ich ein paar Flamingos sowie die Enten- und Gansarten, die es nur hier gibt, zu Gesicht. Irgendwann war es im kleinen Bus fürchterlich Staubig, obwohl kein Fester offen war. Die gegen den Unterboden schlagenden Steine waren zum Teil auch erschreckend laut und beängstigend. Doch der Blick aus dem Fenster lenkte ab. Der Himmel war durch unterschiedliche Wolkenschichten bunt gefärbt, das Meer fast schwarz und vor diesem Hintergrund leuchtete das Gras der Pampa noch intensiver als sonst. Wir passierten viele Schafherden. Ich lernte, dass es hier drei verschiedene Arten gibt. Merinoschafe für Wolle, eine weitere für ebendies und eine dritte für Fleisch. Die Guanacos springen munter über deren Weidezäune und weiden mit ihnen. Ein kurzer Stopp wurde in Cerro Sombrero eingelegt, der ersten Siedlung zur Förderung von Öl der Inselgruppe. Als kleiner Schmunzler musste dann natürlich noch das Straßenschild mit dem „Ende der Welt“ gemacht werden.

Am nächsten Tag stand dann die Busfahrt nach Ushuaia auf dem Programmpunkt. Zunächst einmal fuhr ich mit einem Bus von Punta Arenas über die bereits bekannte Strecke mit kleinem Fährübergang nach San Sebastián, wo die Grenze zu Argentinien passiert wird. Dieses Mal auch hier mit Einfuhrverbot von tierischen und pflanzlichen Produkten. Das war mir neu, also musste ich super schnell mein Obst und Gemüse aufessen. Zum Glück ist die Schlange einer gesamten Busladung voller Menschen lange genug, um ausreichend Zeit dafür zu haben. Die Busse fahren in der Hauptsaison beinahe täglich, in der Nebensaison jedoch nur noch zweimal die Woche. Da muss man bei der Planung schon etwas aufpassen. Das Busunternehmen Pacheco stellt für die drei Stunden Fahrt sogar Kaffee und Kekse sowie später Kekse und Saft für jeden bereit. In Río Grande musste ich dann in einen zweiten Bus umsteigen bzw. erst einmal eine Stunde auf diesen warten. Nach weiteren drei Stunden, aber ohne Snacks, sondern mit Wildunfall mit einer der riesigen Gänsen, die die gesamte Frontscheibe des Busses zerstörte und der Bus im Umkehrschluss die Gans, erreichte ich Ushuaia. Unterwegs änderte sich in der einbrechenden Nacht das Landschaftsbild. Die Pampa verschwand und die Straße traf auf die letzten Ausläufer der Andengebirgskette. Damit einher gingen wieder türkise Seen und kahle, mit Flechten behangene Bäume. Schade, dass ich dann nichts mehr sehen konnte.

Ich checkte im Hostel Antarctica ein und informierte mich gleich über die lohnenswertesten Unternehmungen. Da ich mich etwas verspätete hatte, blieben mir nur zwei volle Tage in und um die Stadt. Schnell war klar, der Nationalpark ist hier die teuerste und am wenigsten beeindruckendste Variante. Also teilte ich mir am nächsten Morgen mit Diego aus Buenos Aires ein Taxi zum Rande der Stadt und machte mich zunächst im Matsch und später im Schnee auf den Weg zur Laguna de los Témpanos. Wir wurden gewarnt, dass die Markierungen äußerst klein und kaum zu entdecken sind und tatsächlich passierte uns das, was wir vermeiden wollten, wir verloren den Wanderweg im Schnee. Wir folgten den GPS-Daten in meiner Alpvereinsapp, doch dieser Weg existiert nicht mehr und endete in einer Felswand. Wir mussten umkehren und von der letzten sichtbaren Markierung den richtigen Weg suchen. Ich entdeckte ihn schließlich und wir erreichten die Lagune mit Blick auf den Glaciar Vinciguerra. Der Schnee verzauberte die Landschaft und der kleine Bergsee wirkte mit seiner Eisschicht wie im Märchen. Leider war sie noch zu dünn, um darauf gehen zu können – natürlich hab ich‘s getestet. Wir entkamen auf dem Rückweg der kleinen Gruppe Israelis und zwei von drei Hunden aus dem Wohnviertel, in dem der Wanderweg startete, und waren froh über die wieder eingekehrte Ruhe. Den Abend verbrachten wir im Museo Maritimo y del Presidio de Ushuaia. Es beinhaltet nicht nur die Abteilung für Maritimes, sondern auch eine Ausstellung über die Antarktis und die Gefängnisse der Welt und Feuerland als Gefängniskolonie selbst. Die ganze Anlage ist nämlich ein alter Gefängnisbau. In einer der Toiletten sieht man sogar noch das originale Pinkelloch. Ein Trakt ist zudem im Originalzustand erhalten geblieben. Fast alles ist super interessant und zum Glück darf man einen Tag später mit dem selben Ticket noch einmal hinein, was ich dann auch tat.

Zuvor verbrachte ich aber auch den zweiten Tag natürlich wandernd. Vom Hostel aus ging ich einmal quer durch die Stadt, um dort den Aufstieg ins kleine Skigebiet zu machen. Es ist lustig, eine Skipiste zu bewandern. Da es fleißig schneite, reichte der Schnee fast schon für Wintersport. Ich marschierte durch den immer tiefer werdenden Schnee munter bergan und war die erste und alleine am Gletscher Martial. Das Wetter wurde immer besser und so hatte ich auf dem Rückweg beste Sicht auf den Beagle Kanal, den dahinter liegenden chilenischen Teil der Insel Navarino und Kap Horn und die Stadt Ushuaia. Ich machte noch einen Abstecher zum Mirador Filo und hoffte, dass der Weg mich auf einen anderen zurück in die Stadt bringen würde. Doch er endete leider und so musste ich beinahe den selben Weg zurückgehen. Kleinere Alternativen gab es zum Glück jedoch und weil es nun recht warm zu werden schien, kam ich schneefrei im Tal an und schloss einen gemütlichen Stadtbummel und Gang am Hafen entlang an meine Wanderung an.

Ja, und dann war schon wieder ein Tag vorbei und ein ganzer Reiseabschnitt. Mit dem Taxi, denn es fahren tatsächlich keine Busse, fuhr ich zum Flughafen, der im Kanal auf einer Landzunge liegt. Beim Betreten des Flughafens und Einloggens ins Internet bekam ich die Mail der Fluggesellschaft, dass sich mein Flug um eineinhalb Stunden verzögert. Bei der Gepäckaufgabe wurde mir das dann noch einmal bestätigt. Angeblich ein schweres Unwetter über Buenos Aires, was einen Anflug dort unmöglich macht. Also verbrachte ich noch einmal etwas Zeit in der schwächer werdenden Sonne, mit Blick auf die Stadt und Tagebuch auf dem Schoß. Ich hatte Kopfschmerzen, mir war schlecht und ich war unendlich müde und als ich dann tatsächlich mit dem Flugzeug in die Wolken entschwebte und sich mir ein atemberaubender Blick über den Beagle Kanal und Feuerland bot, war ich unendlich traurig, diesen Landstrich verlassen zu müssen. Doch ich drehte der im antarktischen Ozean verschwindenden Andengebirgskette tatsächlich den Rücken zu und flog gen Norden.

 

— English version —

I made it! I have been in or on the Tierra del Fuego, the land of fire. This group of islands with both, Argentinean and Chilean parts build the most southern end of South America. Where the unbelievable long mountain range of the Andes escape into the Antarctic Sea, where sea mammals and very special types of birds call it a home and where in the end of April everything starts to be prepared for winter, I had the feeling of having finally arrived in the right spot. Completely different to the pirates who went back to the Caribbean because the climate was to hard for them in the Beagle Canal, though it is perfect for entering ships. (This was the funniest bit of information I learnt in the museum in Ushuaia.)

Due to the very small number of tourists travelling on the islands in April and because of the fact that spots of interest are not on the route of residents, I could not hitch-hike this time. I ended up booking a tour from Punta Arenas (Turismo Patagonia Full / Turismo Fin del Mundo). On the Tierra del Fuego itself this is not possible. With sunrise the small bus went to the ferry and after two hours of crossing the Strait of Magallan we reached the small town Porvenir. I was standing on deck the whole time, wind in my hair, sea gulls above my head and sea lions I the water next to the ferry. The first stop was at a small park with sculptures of native people and a small information sign. Afterwards we visited a museum about the town’s history and the first immigrants from Jugoslavia in the end of the last century. In this regard a huge memorial was built next to the shores.

Afterwards we drove lots of kilometres on gravel roads to my true destination of the whole trip: the Parque Pengüino Rey. The colony of 70 to 80 penguins is the only one living constantly on the South American continent and not as all of the others on the small islands between the mainland and the Antarctica. They kind of seem wrong in place standing on grass instead of ice, but winter is coming very soon. Our group got some really good facts about the King Penguins and especially this kind of beautiful looking ones. A path leads to a wooden wall with wide holes to look through. For that people can watch the animals without disturbing them. Two telescopes and my own binoculars helped to take some pictures. The rest of the time I enjoyed watching and listening to them. The cacao brown young animals do not look very penguin like but somehow really cute. It has been worth the money and time to come to that place. The thousands of Magallan Penguins have left their Island Magdalena some days ago and moved to another place. So we could not visit them. But I have seen some of this kind in the fjords of Patagonia. earlier

On the road the driver had to hit the brakes several times for Guanacos. It has been the first time I came close enough to take pictures of the bigger and also free relatives of the Vicuñas I’ve seen in Bolivia. Besides I spotted flamingos, ducks and geese which live just on this islands. Somehow the dust of the road found its way into the car and the stones hit the car’s body so hard it was incredibly loud. But the view out of the window provided distraction. The sky was full of different layers of clouds, some white others dark grey and sometimes a little bit of blue sky came through. It made the yellow grass of the Pampa shine even brighter than usual. We came by a lot of sheep. There are herds of three different kinds: Merino and a second one for the wool and a third for the meat. The Guanacos jump over the fences to join them eating the fresh grass. We had a short stop at Cerro Sombrero where the first extraction of oil took place that caused the region wealth. In the end we stopped in the middle of nowhere to take a picture of the street sign with the name “End of the World”, the official name of the road there.

The very next day I had a bus transfer to Ushuaia. Buses stop running frequently in April and you need to take care of the dates if you don’t want to get stuck in one place. The first hours I drove with Pacheco from Punta Arenas. In the morning coffee and cookies were provided, later juice and an energy bar. We had to stop twice at the boarder in San Sebastián. This time the Argentinean officials checked on our luggage as well. I did not know that it is prohibited to bring fresh food and so I had to quickly eat my fruit and veggies. The waiting line of the bus passengers was long enough to finish before it has been my turn. In Río Grande I needed to change buses and for that I waited more than an hour for the second one. Another three hours later – without snacks but with a crash with one of those huge geese that broke the whole front window – I reached Ushuaia. Landscape changed again, the Andes came back and with them turquoise lakes and bare trees full of lichens. Night came far too fast to see a lot of it but I was looking forward to the next days.

I got a bed at Hostel Antarctica and with that information about the most worthwhile things to do in the two full days I had. I run a little out of time because of being stuck in Punta Arenas, but the weather was supposed to be super good these days and I was sure about achieve a lot. And so I did. I skipped the National Park which is the most expensive and less impressive part to do around Ushuaia. The first day I had a spare taxi ride tout of town with Diego from Buenos Aires. We hiked through lots of mud and snow to the Laguna de los Témpanos. The hostel staff warned us to make sure to never loose the very small marks of the trail, but one point we did. We followed my GPS tracks in my app but this path ended in a wall of rocks and it was too dangerous because of a lot of snow. So we turned around to the last mark and finally I found the right way. We reached the lake with a perfect view of Glacier Vinciguerra. The snow made the landscape really beautiful and the ice surface on the lake gave it a look like in a fairy tale. Sadly it has been too thin to walk on it – sure I tried first. On our way back we escaped a group of Israelis and two of three dogs accompanying them from town and once again enjoyed the silence of the mountains. We spent the evening in the Museo Maritimo y del Presidio de Ushuaia which offers exhibitions about the sea, the Antarctica and the prison in which it is located. There has been colonies of prisoners all over the islands of the area earlier. One of the sections is held like it has been originally. The museum contains so much interesting stuff that I was glad to be able to come back the very next day with the same ticket.

But before I did that I spent this second day hiking again. I walked to the other end of town and climbed up into the small skiing area. It was kind of funny to walk up the ski run. It was snowing a lot so it has been almost enough for winter sports. I happily climbed further up to the Glaciar Marcial. I have been the first that day and was alone. The moment I started my way back down weather changed and I had a perfect view of Beagle Canal, the other, Chilean side of Isla Navarino and Cap Horn and Ushuaia itself. I walked a small detour to Mirador Filo and hoped for the path to lead me back to town, but it ended and so I needed to turn around and walk down almost the same way I came up. It became kind of warm and so I strolled along the piers and through town for another while.

Well, and so another day ended and with that a whole passage of my journey. The next morning I took a taxi to the airport because there are no buses running. The airport is located on a spit of land into the canal. Arriving there and logging into the WiFi I got an email that my flight is delayed for one and a half hours because of some bad weather around Buenos Aires. At the baggage drop this fact got confirmed and so I went out again, walked around the parking lots and enjoyed the weak sun and the views above the water and to town. I had a bad headache, felt sick and was terribly tired and as I finally left rising higher and higher with the plane and seeing the Beagle Canal and the mountains from above I was indescribable sad to leave that area. But I turned my back to the Andes which disappear in the Antarctic Sea and left with the direction to the north.

Maren

- Lehrerin auf Abwegen - Der Sommer wird für mich von August 2017 bis August 2018 anhalten, weil ich ein sog. Sabbatjahr einschiebe, um endlich das Reiseziel Südamerika anzusteuern. Was sollte da näherliegen, als in Nordamerika anzufangen, um über Zentralamerika den Süden zu erreichen? ;)

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