Travelling in Patagonia (Chile & ARG)

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Unter Patagonien wird der südlichste Teil des südamerikanischen Kontinents zusammengefasst. Auf chilenischer Seite gehören die vier Regionen Los Ríos, Los Lagos, Aysén und Magallanes y Antárctica dazu, die argentinische Seite umfasst die fünf Provinzen Neuquén, Río Negro, Chubut, Santa Cruz und die subantarktische Inselgruppe Tierra del Fuego. Während auf chilenischer Seite das feucht-kühle Klima der Westanden herrscht, das für viel Grün und im nördlichen Teil für einen Kaltregenwald sorgt, beherrscht die trockene, steppenartige Hochebene der Pampa den argentinischen Teil. Außerdem befindet sich hier nach Grönland und der Antarktis die drittgrößte zusammenhängende Eisfläche der Welt, das chilenische Inlandeis Campo del Hielo Sur und viele weitere Gletscher. Während die Pampa überwiegend von Guanacos, Hasen und Schafen besiedelt ist, trifft man in den Bergen auf Huemules, Mäuse und Kondore. Die Fjorde und Meeresarme sind voller Vögel und die Chance Pinguine, Seelöwen und Wale zu sehen, ist groß. Hier dauerhaft lebende Menschen hingegen sind rar. Das riesige Gebiet beider Nationen ist unglaublich dünn besiedelt. In den Regionen Patagoniens geht es den Leuten generell recht gut bzw. besser als denen im Norden, auf Grund der unglaublichen Länge beider Länder und der dünnen Besiedelung im Süden, findet alles politische Treiben jedoch für und in den nördlichen Gebieten statt und der Süden steht gefühlt fast unabhängig für sich selbst ein. Zwischen Chile und Argentinien gab es im Laufe der Zeit viele Konflikte, Kriege und Grenzstreits. Heute ist die Lage zwar entschärft, dennoch spürt man manchmal eine Art Feindschaft und deutliche Abgrenzung zueinander. Lustiger Sidefact in Sachen Landkarte: Ein Teil des Grenzverlaufs im Campo del Hielo Sur ist nach wie vor nicht festgelegt und hat daher keine Grenzlinie eingezeichnet.

Je südlicher man kommt, desto mehr Fleisch wird gegessen. Neben den berühmten Angusrindern gehört auch Guanaco auf die Speisekarte. In den Küstenstädten wird natürlich zudem viel Fisch angeboten. Während die Argentinier das Trinken von Mate gerne für sich alleine beanspruchen, ist der Konsum auf chilenischer Seite – zumindest in und um Coyhaique – fast genauso hoch. Mein besonderes kulinarisches Highlight waren die vielen an zu Hause erinnernden und super leckeren Streuselkuchen mit verschiedenen Obstsorten. A propos, man kann die Grenze zwar beliebig oft in beide Richtungen passieren, jedoch muss man die strengen Einfuhrbedingungen nach Chile und im Falle Feuerlands auch nach Argentinien beachten. Alle tierischen und pflanzlichen Produkte sind betroffen. Und das Gepäck wird kontrolliert. Wenn man angibt, etwas dabei zu haben, darf man es jedoch oft mitnehmen, solange es sich nicht um frisches Obst, Gemüse, Honig, Fleisch oder Milchprodukte handelt. Wer nicht angibt, etwas mitzuführen und erwischt wird, zahlt mitunter beachtliche Summen (so wird zumindest gedroht).

In Wanderstiefeln und Outdoorklamotten fällt man nicht weiter auf, denn das ist hier einfach praktischer, weil warm und schnell trocknend. Das ist wichtig, denn es regnet immer wieder. Jedoch regnet es sich nicht ein, denn der Wind treibt die Wolken auch wieder weg. Regenbögen stehen an der Tagesordnung und das Farbspiel ist oft unglaublich intensiv. Leider sieht man das auf den Fotos oft gar nicht so krass, wie es in Wirklichkeit ist. Fürs Campen bedeutet es jedoch auch, dass man eine gute Ausrüstung braucht. Steht das Zelt nicht mehr richtig, oder fehlen Schnüre, um es gewissenhaft spannen zu können, fliegt es durchaus (fast) weg. Je später im Sommer/Herbst und je höher das Gelände, desto kälter sind die Nächte bereits im März. Ich hatte meistens viel Glück mit den Bedingungen und kam mit der kleinsten und billigsten Variante an Zelt gut zurecht. Meine Leggins und Jacke aus Fleece waren aber unabdingbar.

Das Einzige, das man dann noch braucht, ist etwas mehr Geld als in anderen Teilen Südamerikas, denn die Unterkünfte und das Essen – vor allem Obst und Gemüse, das importiert wird – sind deutlich teurer. Schließlich ist ein Batzen Gelassenheit unabdingbar. Doch diese stellt sich bei den meisten irgendwann von selbst ein. Denn hier gibt es kaum Handyempfang oder funktionierendes WiFi, die Informationen für Reisende sind neben den Hochburgen Puerto Montt, Puerto Natales und El Chaltén rar bis widersprüchlich und Busse fahren in vielen Gebieten selten, unregelmäßig und trotz Fahrplan manchmal nach eigenem Zeitverständnis. Auch Trampen kann mitunter für lange Wartezeiten sorgen, im strömenden Regen unter das kleine Dach einer Bushaltestelle gezwängt. Und wenn man dann endlich in einem Gefährt sitzt, geht es auch nur langsam voran, denn die Straßen sind meistens nicht asphaltiert. Das Vorankommen findet überwiegend auf Schotterpisten statt. Die Steine prasseln so stark gegen den Unterboden, dass man am Anfang jedes Mal erschrickt. Es gibt empfohlene Tempolimits, an die sich außer Touristen in Mietwagen jedoch keiner hält, und man muss immer damit rechnen, dass Guanacos, Hunde oder auch mal etwas Besonderes wie Truthähne auf der Straße stehen. Viele haben generell Ersatzreifen und Ersatzteile dabei, denn wenn man eine Panne hat, heißt das nicht, dass innerhalb kurzer Zeit jemand vorbeikommt, der helfen kann, oder dass man ein Handysignal empfängt, um Hilfe anzufordern. Weiter südlich wurde es irgendwann schwierig bis unmöglich am Straßenrand aufgesammelt zu werden, weil kaum noch Verkehr war. Vor allem zu manchem touristischen Flecken, an die sich keine Einheimischen verirren, kommt man in der Nebensaison bzw. in der zweiten Aprilhälfte, wenn alles beginnt zu schließen und winterfest zu machen, nur noch mit geführten Touren, die dann auf Mai eingestellt werden.

Für mich war Patagonien das Ziel meiner gesamten Reise, ich habe mich lange darauf gefreut und habe mir schließlich zwei Monate Zeit gelassen, es zu erkunden. Wehmütig habe ich den südlichsten Süden, den ich wohl je erreichen werde, dann wieder verlassen. Doch was bedeutet es emotional, dort unterwegs zu sein?
Wer den Geruch nach beginnendem Winter nicht mag, wer mit Bergen und Wandern nichts anfangen kann und wer gutes Wetter nur unter der Kategorie „kurze Hosen, Bikini, Flipflops“ versteht, ist in Patagonien – vor allem außerhalb der Monate Januar und Februar – sicherlich falsch. Für mich aber war es die vielleicht beste Entscheidung meiner gesamten Reise, die Carretera Austral entlangzureisen und mich dann im Zickzack bis Feuerland durchzuschlagen. Immer wieder befand ich mich an Orten, an denen ich mich niederlassen könnte und freiwillig dem Regen oder Schnee und dem starken Wind sowie den wenig sommerlichen Temperaturen im Großteil des Jahres trotzen würde. Die Landschaft ist unbeschreiblich schön, so rau sie auch sein mag. Schneebedeckte Berge mit schroffem Fels, die in tiefgrünen Wäldern oder goldenen Steppen münden und durch beeindruckende Wasserfälle unterbrochen werden, bevor sie in türkisfarbenen Seen münden. Das Meer ist nah, man trifft in den Fjorden Delfine, Seelöwen und Pinguine sowie hölzerne Fischerboote. Die Städtchen und Dörfer sind klein, aber gemütlich und mir gefallen die vielen Holzhäuser, die mich an Skandinavien erinnern. Die wenigen Menschen sind generell eher hilfsbereiter und netter zueinander, was auch auf die Reisenden abfärbt. Türen stehen für jeden offen, man muss Dinge nicht wegschließen und wenn man etwas verliert bekommt man es zurückgebracht. Man gibt sich gegenseitig Tipps und wünscht sich gutes Wetter. All das nimmt den Druck, ständig auf der Hut sein zu müssen und alles im Auge zu haben. Weniger Druck bedeutet weniger Stress und man fühlt sich rundum besser. Diese Sicherheit bedeutet für mich Freiheit, denn so lässt sich wiederum die Natur intensiv erleben und genießen, denn dafür ist man ja hergekommen. Und das würde ich jeder Zeit wieder tun!

 

— English version —

Patagonia is the most southern part of the South American continent. On the Chilean side it includes the four regions Los Ríos, Los Lagos, Aysén and Magallanes y Antárctica, the Argentinean side consists of the five provinces Neuquén, Río Negro, Chubut, Santa Cruz and the subantarctic group of islands Tierra del Fuego. While the Chilean side is characterized by the wet and cool climate of the Western Andes which causes lots of green and a cold rainforest in the north, the dry and steppe like plateau of the Pampa is found in Argentina. Besides Patagonia has the third biggest ice fields after Greenland and the Antarctica, the Chilean inland ice called Campo del Hielo Sur and a lot more glaciers on both sides. In the Pampa you can find Guanacos, rabbits and sheep. The inhabitants of the mountains are huemules, mice and condors. In the fjords and bays of the sea finally the chances are high to see penguins, sea lions and whales. Human residents instead are rare. The huge area in both nations is sparely populated. Politics in those two large nations are made in and for the northern parts, but the people down here kind of manage theirselves and live in good conditions and wealth. There has been a lot of conflicts, wars and fights about the boarder between Chile and Argentina. Nowadays everything is calm but you can feel the antipathy between them and there is still one part of the frontier unmarked in the maps because of them not being able to come to a conclusion.

The more south you get, the more meat is eaten. Besides the famous angus beef, guanaco is on the menu – but very expensive. In the coastal areas lot of seafood is offered as well. The Argentineans think they are the only ones drinking mate (special strong herbal tea), but on the Chilean side – first of all in Coyhaique – they do as well. My personal highlight of taste were all those delicious crumble cakes with different fruit. Talking about that, there is one very important thing for crossing the boarders. You can go from one nation to the other as often as you wish, but mind the things you‘re not allowed to bring. You need to declare any product of plant or animal and if you don‘t they make you pay a lot (is what they say). Luggage is checked every time coming to Chile or the Argentinean part of Tierra del Fuego. Strictly forbidden are fresh fruit and veggies, honey, meat or any diary product.

Wearing hiking boots and outdoor clothes is nothing special and very helpful because they are warm and dry fast. It rains often but never a whole day for the wind which blows away the clouds as it brings them. For that rainbows can be seen almost every day and the nature‘s colours are incredibly strong. Sadly it sometimes cannot be seen on the pictures as clear as in real life. For going out camping in that conditions it is important to have proper equipment. If the tent is in no good shape and isn‘t set up correctly it might fly away. The later in summer/autumn and the higher in altitude, the colder are the nights even in March. I was lucky with the conditions most of the times and was fine in my cheap single tent. But without my fleece leggins and jacket I would have been lost.

The only thing you need besides that is a little bit more money than in the rest of South America because accommodation and food – first of all fruit and vegetables – are more expensive. Besides you need to have serenity. It comes to most of the travellers automatically because there is no choice to change anything. What I mean? No services, no signal, no wifi, a lack of information for tourists (just in Puerto Montt, Puerto Natales and El Chaltén, where the most people go to, it is suficient) and buses that run barely or at another time than announced in the schedules. Hitch-hiking as well can be a problem if there are too many others waiting for a ride or no cars at all. And even if you get a ride it sometimes takes hours to reach the next town. Most of the streets are gravel roads and the stones hit the cars so hard it frightens you in the beginning. There are advices for speed limits but just tourists in rental cars stick to them. Very often animals are in the streets and if you have a break down nobody is there to help. For that many people have extra wheels and parts with them. End of April there are hardly any cars on the roads because the inhabitants don‘t drive to the points of interest for tourists and everything shuts down for winter, tourist agencies and their tours as well.

For me Patagonia was the most important destination of my journey and I was looking forward to be there for a long time. Finally I enjoyed two months of travelling in the properly most southern area I‘ve reached in my lifetime. But what does it mean emotionally to be there?
For those who don‘t like the sense of winter, mountains and hiking and for those who think good weather conditions are „shorts, bikini and sandals“: Stay away! For me it has been the best decision so far to hitchhike along the whole Carretera Austral and afterwards zickzack down to Tierra del Fuego. I often reached places I thought I would be able to live there for a while, no matter that there are strong winds, rain and snow and cold temperatures for most time of the year. The landscapes beauty is incredible, though it contains of rough rocks, snowy mountains and steppe. But there are deep green forests and crystal clear turquoise lakes as well. The sea is near, wooden boats and houses look really nice and remind of Scandinavia. The few number of people living there is – in general – more kindly, helpful and relaxed. It is transfered to travellers as well. Doors are open, there‘s no need to lock away belongings and if something gets lost, someone is going to bring it back to you. Everyone shares experiences, tips and information and you wish each other a save journey and good weather conditions. This takes away the pressure of being aware of bad things happening all the time and ends in less stressful time in a relaxed atmosphere of security. For me it meant freedom and I was able to enjoy nature intensively. In the end that‘s what you come to Patagonia for and I personally would always return!

Maren

- Lehrerin auf Abwegen - Der Sommer wird für mich von August 2017 bis August 2018 anhalten, weil ich ein sog. Sabbatjahr einschiebe, um endlich das Reiseziel Südamerika anzusteuern. Was sollte da näherliegen, als in Nordamerika anzufangen, um über Zentralamerika den Süden zu erreichen? ;)

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