Patagonia (Chile)

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Zurück nach Chile ging es mit einem Bus von El Calafate (ARG) direkt nach Puerto Natales. Sonntags fährt nur ein Unternehmen auf dieser Strecke. Ich tat also gut daran, mein Ticket schon bei der Ankunft in der Stadt am Vortag zu kaufen. An der Grenze gab es natürlich die beiden Stopps bei den Offiziellen. Dieses Mal habe ich dem chilenischen Beamten bei der Gepäckkontrolle einfach meinen Essensbeutel in die Hand gedrückt und gemeint: „Das sind all meine Gewürze und so. Was darf ich mitnehmen?“. Er hat ihn aufgemacht, reingeschaut und ihn mir einfach wieder in die Hand gedrückt. Es wäre wohl zu anstrengend oder zeitaufwendig gewesen, um zu checken, was nach den Einfuhrbestimmungen nun wirklich über die Grenze darf und was nicht. Direktheit siegt und so komme ich wieder mit all meinen pflanzlichen Produkten ins Land. Natürlich hatte ich kein frisches Obst, Gemüse, Milchprodukte oder Honig dabei (außer drei Knoblauchzehen in den Tiefen des Beutels *ups*). Damit hat man wirklich keine Chance.

In Puerto Natales gibt es ein großes Busterminal am östlichen Ende der Stadt. Von da aus sind es 15 bis 20 Gehminuten ins Zentrum. Dort hoffte ich auf ein Bett in einem Hostel, das mir empfohlen wurde. Doch es war bereits voll und so landete ich eine Tür weiter im Lili Patagónico‘s und war damit sehr glücklich, denn es ist eine super gemütliche Unterkunft mit zwei Dorms mit lauter Einzelbetten und noch ein paar privaten Räumen. Es gibt eine Küche mit großem Essbereich und super leckerem, umfangreichem Frühstück sowie ein Wohnzimmer mit Kaminfeuer. Die Wäsche bekommt man innerhalb weniger Stunden gewaschen und getrocknet. Außerdem bekommt man alle nötigen Infos zum Trekking in Torres del Paine, kann Touren buchen und Ausrüstung ausleihen.

Das Erratic Rock Hostel bietet jeden Tag einen „3 o‘clock talk“ zum Trekking in Torres del Paine an. (Achtung, neue Adresse, jedoch gleich zwei Blocks weiter in der gleichen Straße.) Das steuerte ich mit einen Umweg über den Supermarkt für ein bisschen frisches Obst und einem kleinen Streifzug durch die Straßen des Zentrums an. Dann genoss ich einen knapp eineinhalb Stunden dauernden, sehr informativen und kurzweiligen Vortrag. Eine Tasse Tee und neue Bekanntschaften gab‘s inklusive. Dennoch entschied ich, nicht gleich am nächsten Tag loszuziehen, sondern gönnte mir zwei gemütliche Tage in der Stadt. Zunächst musste ich mir darüber klar werden, welche Tour ich im Park gehen möchte. Ich war lange am Zweifeln wegen der Anzahl der Tage und Höhenmeter sowie der Verfassung meines Knies. Mit der Alpenverein aktiv-App schaute ich mir alle Einzeletappen genauer an, denn auf der Wanderkarte des Parks fehlen die genauen Höhenangaben, und entschied mich dann, den kompletten „Circuito Macizo Paine“ zu wagen. Ich reservierte die benötigten Campingplätze, versicherte mich bei CONAF, dass ich den bereits geschlossenen trotzdem nutzen darf, kaufte mein Busticket und lieh mir im Hostel einen wärmeren Schlafsack, weil ich kalte Nächte erwartete. Dann stellte ich mir mein Essen für den Trek zusammen, was sicher etwas seltsam aussah mit all den Ziplock-Beuteln, in denen ich meine Mahlzeiten zusammenmixte und genau portionierte. Das Rucksackpacken amüsierte einen nicht-Wanderer aus meinem Zimmer etwas. Wobei er neben Unverständnis auch ein bisschen beeindruckt darüber war, dass man freiwillig acht Tage lang durchs Nirgendwo stapft und im langsam anbrechenden Winter im Zelt schläft. Was ich in diesen acht Tagen im Parque Nacional Torres del Paine erleben durfte und was es über den Park sonst noch zu berichten gibt, erfahrt ihr in meinem Artikel darüber bzw. habt es schon längst gelesen.

In Puerto Natales kann ich noch folgende Empfehlungen aussprechen: Das Mittagsmenü im El Bote mit allem Drum und Dran für 4.000 CLP, kleinere, aber ebenfalls leckere Portionen salzige oder süße Crêpes in der Crepería Café & Té, gefühlt einfach alles in der Chocolatería Patagonia Dulce (Mehrere Leute testeten sich mehrere Tage kreuz und quer durch die Karte und es gab ein munteres beieinander Probieren.) und die Empanadas der San Fabián Panadería & Pastelería. Das alles probierte ich jedoch nicht nur in den Tagen vor dem Trekking, sondern auch an zwei weiteren danach. Ich fühlte mich in der Stadt und im Hostal sehr wohl und war außerdem viel zu müde, um gleich weiterzureisen. Ich genoss das Faulsein und stundenlanges Quatschen mit ein paar der lieben Menschen, die ich auf dem „W“ im Nationalpark kennengelernt habe. Manchmal ist es unglaublich wichtig, Leute zu treffen, mit denen man sich sehr wohl fühlt, um den Smalltalk in tiefgründigere Gespräche zu verwandeln. Danke dafür! 🙂 Ganz nebenbei musste ich auch meine Sachen wieder aufräumen, also den Rucksack wieder umpacken, waschen und natürlich den langen Text über den Trek schreiben, Fotos und Videos sichten und schlafen, lange frühstücken, Kinder der Hostalbesitzer bespaßen, …

Irgendwann zog ich dann aber doch weiter. Ohne vorher ein Ticket zu kaufen, stiefelte ich zum Busbahnhof, denn die Busse nach Punta Arenas fahren täglich mehrmals (8.000 CLP). Drei Stunden hatte ich Zeit, vor mich hin zu dösen, Podcasts zu hören und zu versuchen, aus dem Fenster zu schauen. Weil die Busscheiben generell immer beschlagen sind, scheiterte ich an diesem Punkt jedoch wie so oft. Was ich trotzdem wahrnehmen konnte, war der Wuchs der Bäume – waagerecht, mit dem Wind. Sonst dominierte das gelbe Gras der recht flachen Pampa, wir passierten Schafe und ein paar Laufvögel (Ob die wirklich von hier sind?) und mehrere Regenschauer. Das Busterminal von Bus-Sur liegt in Punta Arenas super zentral, was sehr praktisch ist, wenn man keine Unterkunft gebucht hat. Ich fand ein Bett im preiswerten Hostal Ayelen gleich um die Ecke des Busunternehmens. Danach schlenderte ich durch die Stadt. Ich wollte mir Informationen zur Möglichen Weiterreise und zu Ausflugszielen einholen, doch weil Sonntag war, war alles geschlossen. Zum Glück sind Aussichtspunkte, Architektur und Strandpromenaden durchgehend geöffnet und Seevögel wie Kormorane und Albatrosse haben auch keine Öffnungszeiten. 😉 Im Supermarkt traf ich dann noch auf die beiden niederländischen Radfahrer meines ersten (wandernden) Grenzübergangs von Chile nach Argentinien. Welch eine Überraschung und Freude beiderseits! Am nächsten Tag war ich dann erfolgreicher. Es gibt ein Tourismusbüro auf der Plaza de Armas und das Büro von Sernatur mit noch besseren Infos gleich über die Kreuzung in der selben Straße. Beide versicherten mir, dass ich keine Chance haben werde, Ende April noch hitchhikend durch Feuerland zu kommen. Dafür konnten sie mir bestätigen, was auch die Google-Rezensionen aussagten bezüglich der Agenturen, die Ausflüge zu den Pinguinkolonien anbieten. Ich klapperte einige ab, verglich und entschied mich am Ende für die ohne Google-Bewertungen, aber mit dem absolut besten Preis. Manchmal muss man etwas wagen und siehe da, die bestbewerteste Agentur der Stadt führte die Tour durch. Am Ende der Nebensaison wechseln sich die Anbieter scheinbar ab und schieben sich gegenseitig die Kunden zu, da es sich sonst nicht mehr lohnen würde, überhaupt Touren anzubieten. Außerdem besuchte ich dann noch den Friedhof mit eindrucksvollen Familiengruften und das Café Montt, dessen Service mich erst nicht vom Hocker gehauen hat, dann aber mit dem süßen Kuchenteller punkten konnte. Und so endete meine Zeit in Patagonien schließlich.

 

— English version —

To go back to Chile I took a bus from El Calafate (ARG) to Puerto Natales. On sundays just one of the companies run buses, so it has been wise to buy my ticket when I arrived at the terminal the day before. It is a direct connection with two stops at the migration offices at the border. This time I handed my food bag over to the Chilean official saying something like: “These are all my herbs and stuff. What am I allowed to take with me?“ He opened it, had a quick glance and gave it back to me. In that way I managed to bring all my food into Chile again. Sure, I didn‘t have any fresh fruit and veggies or dairy products. That‘s strictly forbidden to take. Later I found three small pieces of garlic inside the bag… *haha*

All the buses arrive at the bus terminal at the eastern end of Puerto Natales. It is 15 to 20 minutes to walk to the town centre. There I hoped to get a bed in a hostel I was recommended by other travellers. But it was fully booked and so I ended next door at Lili Patagónico‘s and I loved that place. It has two dorms and several private rooms, a huge kitchen and dining area with delicious breakfast and a comfy living room with a fireplace. Laundry is done within a few hours and they know all about trekking in Torres del Paine, offer trips and equipment to rent.

At the Erratic Rock Hostel a 3 o‘clock talk about Torres del Paine and the trekking there is held every day. After a short walk around the area and some fresh fruit from the supermarket I arrived in their new place (same street, two blocks further away). In one and a half hours I learned a lot about the camp grounds and parts of the trail. Besides I met some people and got a cup of tea (free coffee as well). Anyways I decided to take my time in town to think of my options and get prepared. Because of the bad physical conditions of my knees/leg I was unsure about the number of days I should (not) hike. But in the end I decided to take the risk and made the reservations for the whole „Circuito Macizo Paine“. At CONAF I asked for permission to use the already closed first campsites, then bought my bus ticket and borrowed a warmer sleeping bag from the hostal, because I was afraid of really cold nights and staying outside for eight or more days of hiking it is very important to have some proper night‘s sleep. Afterwards I prepared my food in zip lock bags and armed my backpack. One of my room mates – a non-hiker – was impressed by the idea of trekking and carrying all the camping gear and food for more than a week. You can read about what it finally was like to hike the so called “O“ in Parque Nacional Torres del Paine in my article (if you haven‘t done it yet).

Afterwards I spent another two days in Puerto Natales with washing, cleaning, relaxing and with friends I made on the “W“ in the park. Besides the fact that we had lovely food and hot chocolate I pretty much liked the profound conversations we had. While travelling alone it is important to skip the smalltalk sometimes and it is very special if you‘re surrounded by people you feel comfortable with. Thanks for that! 🙂 In town I can recommend the following places: The restaurant El Bote has a lunch menu including everything for 4.000 CLP, next door at the Crepería Café & Té you can enjoy nice salty and sweet variations of crêpes, it felt like absolutely everything in the chocolatería Patagonia Dulce is absolutely delicious (Several people including myself tried different things on different days and were all delighted.) and the empanadas at San Fabián Panadería & Pastelería are one of the best I‘ve ever had. For all of those nice food places and the good place to stay I pretty much enjoyed that town, though it is more expensive than others.

But somehow everything needs to go on and so I left for Punta Arenas. There are several buses a day (8.000 CLP) and so I just went to the terminal and bought a ticket for the next one half an hour later. The ride was three hours and I used that time for being lazy, listening to some podcasts and trying to look out of the window – they are always blurred by transpiration. But what I could see was the trees growing vertical with the wind, a lot of yellow grassland and some sheep. The bus terminal of Bus-Sur is located in the centre of Punta Arenas. I got a bed in Hostal Ayelen right around the corner and had some first strolls around town. I wanted to inform myself about travelling to Tierra del Fuego and seeing the penguins, but it was Sunday and every tourist information office and the agencies were closed. Lucky me lookouts and beaches are not and sea birds don‘t have opening hours either. 😉 In the supermarked – open on sundays – I met the two cyclists from the Netherlands with whom I crossed the boarder from Chile to Argentina. What a coincidence! And the very next day I could finally start my research. Both, the Tourist Information at Plaza de Armas and Sernatur one block further up the street told me that there are no cars on the next island of Tierra del Fuego to hitch-hike with. End of April is the end of low season and it is really hard to get around to places of interest because they are outside of any town or road the locals use. But the people from Sernatur could give some advice which travel agencies were recommended by other tourists and after checking on some of them I got a good offer for a daytrip to see the king‘s penguins and some interesting places. What the agencies do in the end of april is running the tours on different days and hand over the clients to the others. So I ended up booking with the cheapest in town but driving with the best rated on google and tripadvisor. Perfect! In between that long day of planning I had some delicious cake at Café Montt (the service was bad first but they caught me with my name on the plate) and went to the cementry with huge family graves. And that‘s how my time in Patagonia came to an end.

Maren

- Lehrerin auf Abwegen - Der Sommer wird für mich von August 2017 bis August 2018 anhalten, weil ich ein sog. Sabbatjahr einschiebe, um endlich das Reiseziel Südamerika anzusteuern. Was sollte da näherliegen, als in Nordamerika anzufangen, um über Zentralamerika den Süden zu erreichen? ;)

2 Gedanken zu „Patagonia (Chile)

  1. Prima Bericht mal wieder. Danke dafür. Freue mich schon auf Deine Wiederkehr.

    Sag‘ mal. Bei aller Schönheit der Landschaft in Patagonien, ist das nicht trist gegenüber den vorherigen Gegenden? Und jetzt auch noch zu kalt?

    LG
    Frank

    1. Danke. 🙂
      Ich finde nicht, dass es trist ist. Ich liebe Berge und Schnee und kann heutzutage echt damit leben, nicht in jedes Wasser zu springen. *hihi* Die Wüstenregionen fand ich definitiv anstrengender und weniger schön. Außerdem ist Patagonien so groß, dass es verschiedene Landschaftsstriche gibt, nicht nur der große Unterschied zwischen chilenischer und argentinischer Seite. Dazu mehr im nächsten Beitrag.

      Liebe Grüße,
      Maren

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