Parque Nacional Los Glaciares (Argentinien)

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Ich erreichte Ende März El Chaltén, das von manchen noch etwas verkannte Wanderparadies der argentinischen Seite Patagoniens. Es ist ein kleines, schönes Städtchen, komplett auf Tourismus ausgelegt, aber noch nicht überlaufen – zumindest nicht am Ende der Saison. Sehr passend gewählt wird es die „Wanderhauptstadt Argentiniens“ genannt, denn es starten und enden zig unterschiedlich lange und schwierige Wanderrouten direkt in der Stadt. Bei Ankunft per Bus, bekommt man eine kleine Karte mit den Wegen und dazugehörigen Daten sowie eine kleine Einführung, wie man sich in der Natur zu verhalten hat. Sehr schade, dass man das immer noch überall braucht, denn so Dinge wie den Müll mit zurück in den Mülleimer zu nehmen und die Wege nicht zu verlassen, sollten doch eigentlich selbstverständlich sein, oder? Da ich nach meinem Grenzübergang in wandernder Form vom Lago Desierto aus anreiste, kam ich nicht in den Genuss dieses Vortrags der Touristeninformation am Busbahnhof.

Leider kam ich die ersten Tage auch in absolut keinen Wandergenuss. Beim Entlangwandern am See begann mein Knie wieder Probleme zu bereiten und ich versuchte mein Gewicht samt des schweren Rucksacks mit dem Rest meiner Beine auszugleichen. Das endete auf Grund der steilen Abstiege in einer mächtigen Entzündung meiner Sehnen und ich konnte keinen Meter mehr schmerzfrei gehen. Also testete ich ein argentinisches Diclofenc-Präparat und gefühlt jedes Café der Stadt mit deren Kuchenauswahl und heiße Schokoladen oder wahlweise Milchshakes, um mich bei Laune zu halten, scheiterte am durchgehend schlechten WiFi, las ein ganzes Buch und gönnte mir sogar zwei Stunden im Spa mit Kältetherapie, Massage und Schaumbad. Sonst saß ich im so genannten Park, wo ich Sonne und Wind genießen konnte, den Hunden zuschaute und an Ostern ein Autotreff für Abwechslung sorgte. A propos Ostern… Es gibt nur einen einzigen kleinen Supermarkt (Nähe Busterminal), in dem man Eier bekommt. Von den Leuten in meinen drei Hostels ließ ich mir abends von den verschiedenen Touren berichten. Warum drei Hostels? Das erste verließ ich, nachdem ich beklaut wurde, das zweite war zwar billig und gehört zu einem super leckeren Restaurant, war aber äußerst unheimlich und im dritten ließ ich mich dann endlich entspannt und bereit für die ersten Wanderungen nieder.

Für selbige besorgte ich mir Wanderstöcke und trainierte von nun an den Einsatz dieser auf allen Belägen und in allen (Nicht-) Gefällen. Beim DAV ausleihen hat seither gereicht, aber wenn man muss, reist man auch ans andere Ende der Welt um sich ein Paar von Leki zu kaufen. *haha* Die erste Tour ging ich direkt von der Tür des Hostels aus zum Mirador Cerro Torre, wo ich zwar einen Wasserfall, aber nicht den berühmten zweiten Gipfel der Region sehen konnte. Der zweite Teil war der Weg bis zur Laguna Torre, wo ich vor lauter Wolken immer noch keinen Gipfel, jedoch ein paar schwimmende Gletschereisberge erblickte. Ein Weitergehen zum nächsten Aussichtspunkt Maestri war unmöglich, weil es so stürmte, dass man sich nicht mehr auf dem Weg halten konnte. Es ist interessant zu sehen, wie ein großer Mann vom Wind einfach so um ein bis zwei Meter versetzt wird. Für mein Bein, war der Rückweg dann aber auch ohne den Ausguck (ohne Aussicht) lange genug. Zudem begann es in Strömen zu regnen. In der Nacht erwachte mein sich super gut verstehende Mädelszimmer dann geschlossen auf Grund so starker Sturmböen, dass man glaubte, selbst im Haus nicht sicher zu sein. Wir beruhigten uns jedoch mit der Tatsache, dass es im Winter noch viel stärker stürmt und die Häuser daher wohl schon halten werden. Willkommen in Patagonien! 😉

Für die zweite Tour der Zurückhaltung nahm ich einen Bus, der mich am Hostel abholte und bis zum Punkt El Pilar brachte (Zona Austral, 200 ARS), von wo aus es gemütlich am Fluss entlang und durch den Wald ging, mit wunderbarem Blick auf den Gletscher Piedras Blancas („Gletscher weiße Beine“) und dessen Lagune, bevor ich das Camp Poincenot am Río Blanco („Weißer Fluss“) unterhalb des Cerro Fitz Roy erreichte. Ich war vernünftig genug, mir den Aufstieg zur Laguna de los Tres („Laguna der Drei“) und dadurch vor allem den sehr steilen Abstieg zu sparen und wanderte weiter in Richtung Stadt. Weil das Wetter traumhaft schön war und mir auf dem Hauptweg eindeutig zu viele Menschen entgegenkamen, drehte ich kurzer Hand rechts ab und ging einen einsameren Weg entlang der zwei Lagunen Madre und Hija („Lagunen Mutter und Tochter“) noch einmal in Richtung Mirador Cerro Tore, um mein Glück, den zweiten berühmten Gipfel hier zu sehen, noch einmal herauszufordern. Und siehe da, sobald ich den Wald im nächsten Tal verließ, bot sich mir ein atemberaubend schöner Anblick der Felsnadel. Nach einer friedlichen Mittagspause mit Traumblick und absoluter Stille, ging es auf bekanntem Weg zurück zum Hostel.

Nach erneutem Wettercheck war klar, meinen Versuch, den Paso del Viento zu erreichen, musste ich doch früher als geplant starten – nämlich bereits am nächsten Morgen! Ohne Tag der Erholung begann ich also mein nächstes Trekking-Abenteuer, welches es HIER zu lesen gibt. Leider war die Unternehmung nicht von Erfolg gekürt, denn auf Grund starken Windes und dichten Schneefalls, musste ich kurz vor dem höchsten Punkt des Passes umkehren. Einen zweiten Versuch startete ich nicht, obwohl es einer meiner größten Wünsche war, auf einen Teil des drittgrößten Eisfeldes der Welt – Campo Hielo Patagónico Sur (12.500km² chilenisch-argentinisches Inlandeis) – zu blicken. Mir müssen wohl die vielen kleineren Gletscher und Ausläufer reichen. Ich verbrachte noch eine letzte Nacht im Hostel Kaiken in El Chaltén und nahm am nächsten Tag den Bus gen Süden. Eine Erkältung, die abends noch einsetzte und das lädierte Bein wollten dieses Mal nicht trampen. Außerdem traf ich an der Straße Leute, die bereits mehrere Stunden warteten auf ein haltendes Auto.

Auf all meinen Touren um El Chaltén genoss ich vor allem das Farbspiel des Herbstlaubes vor dem Hintergrund scharfer Felsen und hellblau schimmernden Gletschern. Wenn man sich abseits der Hauptrouten bewegt und erst im April hier aufschlägt, kann man immer wieder unglaubliche Ruhe erleben. Manchmal hört man den Wind oder einen Bachlauf, doch an anderen Stellen, nur die eigenen Schritte. Alles ist unglaublich intensiv. An alle Camper noch der Hinweis, dass das Essen in geschlossenen Beuteln in Bäume gehängt werden muss, weil sich sonst die Mäuse darüber hermachen – ich dachte immer die können klettern?! Das Zelt sollte man auch unbedingt komplett schließen. Die Ausrüstung für sämtliche Trekking- und Kletterunternehmungen bekommt man recht preiswert bei Patagonia Hikes zu leihen oder normal teuer zu kaufen. Es gibt aber auch weitere Wander- und Klettersportausrüster in der Stadt.

Einer der Busse (mehrere Unternehmer, dreimal täglich, 450 ARS + 15 ARS Terminalgebühr) brachte mich nach gefühlt einer kleinen Ewigkeit in El Chaltén innerhalb von drei Stunden nach El Calafate. Unterwegs gab es noch einmal ein paar Blicke gen der berühmten Gipfel und dann viel gelbes Gras der Pampa und darauf weidenden Guanacos sowie runden Steinen, die die Gletscher irgendwann einmal hier zurückließen. Wir passierten kilometerlange Weidezäune und die beiden Seen Viedma und Anrgentino. Außerdem gab es einen Halt am Parador La Leona. El Calafate ist nicht so schnuckelig schön und malerisch gelegen wie El Chaltén. Es ist größer, mit Flughafen und mehr Einkaufsmöglichkeiten etc. Es gibt sogar einen Bäcker mit Brezeln und Apfelstrudel. Empfehlen kann ich das neu eröffnete Folk Hostel mit super leckerem Frühstück. Außerdem liegt El Calafate natürlich günstig, um zum Einen den einzigen auf der Welt noch nicht schrumpfenden Gletscher Perito Moreno (Busse für 600 ARS Hin- und Rückfahrt, Eintritt 500 ARS; Hitchhiken war in meinem Fall möglich) zu besuchen und um weiter nach Süden / wieder zurück nach Chile zu gelangen. Das tat ich gen Puerto Natales auch per Bus (590 ARS, 4 Stunden bis zur Grenze, 1 weitere danach; Achtung Einfuhrbestimmungen Lebensmittel!).

 

— English version —

Maren

- Lehrerin auf Abwegen - Der Sommer wird für mich von August 2017 bis August 2018 anhalten, weil ich ein sog. Sabbatjahr einschiebe, um endlich das Reiseziel Südamerika anzusteuern. Was sollte da näherliegen, als in Nordamerika anzufangen, um über Zentralamerika den Süden zu erreichen? ;)

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