Los Lagos & Carretera Austral part 1 (Chile)

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Chile ist bezüglich der Nord-Süd-Ausdehnung ein unglaublich großes Land. Um intensiv komplett von oben nach unten durchzureisen, bräuchte ich wahrscheinlich mehr als zwei Monate. Da mir aber noch ein paar weitere Ziele vorschweben, überbrückte ich noch einmal eine gute Strecke per Flugzeug. Von Santiago de Chile aus flog ich für wenig Geld mit LATAM nach Puerto Montt. Im Landeanflug war die Aussicht auf den Lago Llanquihue sowie den Vulkan Osorno im Sonnenuntergang unbeschreiblich schön. Dummerweise kam ich so spät an, dass keine Busse mehr nach Puerto Varas fuhren, was mein erstes Ziel in der Region Los Lagos sein sollte. Aber ich bekam ohne Probleme ein Taxi (15.000 CLP), inklusive einiger geschichtlicher Hintergründe und Informationen zur Region vom Fahrer Javier. Im Hostel Vermont bekam ich dann sowohl vom Besitzer als auch von meinen Zimmergenossen noch mehr und zum Teil richtig ausführliche Infos, wie ich den nächsten Tag angemessen verbringen kann, der dann wie folgt aussah:

Nach einem gemütlichen Frühstück startete ich meinen Wandertag. Regelmäßig unregelmäßig verlassen die kleinen Busse das regionale Terminal und bringen einen für 2.000 CLP zu den Stromschnellen Saltos de Petrohué (4.000 CLP) oder für 2.500 CLP den Rest über Schotterpiste zurücklegend nach Petrohué. Dort meldete ich mich beim Parkwächter für beide möglichen Wanderungen vor Ort an. Das ist wie in vielen Parks obligatorisch und natürlich trägt man sich beim Verlassen wieder aus. Er war erst überrascht, schätzte dann aber sehr gut ein, dass ich dafür etwa sechs Stunden bräuchte. Es war unerwartet heiß und die Wege über Sand und Lavagestein waren recht anstrengend. Dennoch war ich quasi ruckzuck von Meereshöhe zum höchsten Punkt des Passes auf knapp über 1000m gekraxelt und genoss den Blick über den Lago Todos los Santos sowie den Vulkan Osorno. Ich verliebte mich auf Anhieb in den Süden Chiles und ignorierte den Biss der Pferdebremse sowie den beginnenden kleinen Sonnenbrand. Nach dem Abstieg verlängerte ich die Tour um einen Rundweg durch den lichten Wald zu einer kleinen Bucht mit schönem Strand (und sehr vielen Wespen), wo ich mich kurz im See abkühlte. Entlang dessen Ufer ging es dann zurück zum Bus. Das kleine Petrohué hat neben diesen beiden Wanderwegen und den Stränden einen Bootsanleger und Transfer ans andere Ende des Sees sowie einen kleinen Kiosk mit WC (400 CLP) und einem Tourenabieter. Zurück in Puerto Varas schlenderte ich noch kurz durch das Städtchen, doch trotz seiner Schönheit und Gemütlichkeit blieb ich nur für diese eine Nacht.

Für 900 CLP brachte mich ein weiterer kleiner Bus nach Puerto Montt, von Einheimischen auch zynisch „Muerto Montt“ – totes Montt – genannt. Es liegt nicht idyllisch am See, von Vulkanen flankiert, sondern eher praktisch am Fjord zum Meer hin und bietet neben etwas Industrie hauptsächlich die Möglichkeit mit Bussen und Fähren andere Ziele anzusteuern. Von hier aus gelangt man zum Beispiel mit der Fähre in vier Tagen nach Puerto Natales in Patagonien (Navimag, min. 450 USD) oder auf die Insel Chiloé, die auch mein nächster Punkt auf der Karte sein sollte. Doch weil sich die geplante Weiterreise von dort auf Grund der nur einmal von der Insel ins südlicher gelegene Chaitén verkehrende Fähre sehr verzögert hätte, entschied ich mich spontan, die Insel auszulassen und stattdessen ein Kombiticket für Bus und Fähren gen Süden zu lösen. Für mein Vorhaben, die Carretera Austral, wie die Ruta 7 genannt wird, entlang zu reisen, brauchte ich jedoch noch ein Zelt, Schlafsack und Isomatte sowie eine Regenhose, denn von nun an sollte das Wetter durch Regen und starken Wind bestimmt sein und ich werde nicht immer unbedingt wissen, wie weit ich an den einzelnen Tagen kommen werde. In der Nebensaison verkehren Busse und Fähren nur sehr unregelmäßig. Deshalb will ich auch das hier übliche (und sichere!) Trampen in Angriff nehmen und muss damit rechnen, auch mal an einem Ort festzustecken. Ich bekam alles recht preiswert beim chilenischen Outdoor-Ausrüster Doite und einem weiteren Laden mit Sommerschlussverkauf in der Mall Paseo Costanero, dem Shoppingcenter. Spontan dazu gab es auch eine sehr billige SIM-Karte von entel, doch ohne die Hilfe und die Ausweisnummer eines Hostelmitbewohners (Das Hostel La Huerta ist tatsächlich wie eine WG, in der ich den super verregneten Resttag und Abend mit kochen, essen und quatschen verbrachte.) hätte ich diese nicht in Gang bekommen.

Um 7 Uhr in der Früh verließ ich dann mit Hannes, der sich mir spontan anschloss, das Hostel sowie im völlig überfüllten Reisebus von kemel die Stadt und verbrachte die nächsten zehn Stunden schlafend im Bus und staunend auf den Decks der drei Fähren, die nötig sind, um die Strecke nach Chaitén zu bewältigen (Kombiticket 20.000 CLP). Dabei sah ich nicht nur Seelöwen und Vögel sowie sehr an Norwegen erinnernde Landschaftszüge, sondern auch die ersten Pinguine. Beim Verlassen der letzten Fähre in Caleta Gonzalo beginnt der Parque Nacional Pumalín, ein Gebiet bestimmt durch Kaltregenwald und Vulkane. Einer dieser Vulkane sorgte 2008 für Überschwemmungen, die die Kleinstadt Chaitén beinahe vernichtete. Doch trotz der Bemühungen der Regierung die Menschen ins etwas nördlichere Santa Barbara umzusiedeln, harrten diese eisern aus, bis die Infrastruktur wieder hergestellt war. Heute ist Chaitén Ausgangspunkt für Wanderungen und Gletscherexkursionen. Hannes und ich entschieden uns für den längeren Wanderweg von der Ruta 7 zum unteren Ende einer der Gletscherzungen des Volcán Michimahuida. Begleitet wurden wir noch von Bertrand und zusammen warteten wir am Morgen vergeblich auf einen der angeblich in die Richtung fahrenden Busse. Wir kamen dann schließlich per Anhalter am Startpunkt des Wanderweges an. Zehn Kilometer ging es dann auf engstem Trampelpfad durch den dichten Wald aus Farnen, Mosen und Pflanzen mit riesigen Blättern. Wir wurden dabei klatschnass und wünschten uns mehrmals eine Machete. Die letzten zwei Kilometer stieg der Weg dann deutlich an und über Lavagestein erreichten wird die Gletscherzunge. Kalter Wind fegt einem entgegen, aber es ist viel zu spannend, um sich vom Frieren ablenken zu lassen. Auf dem Rückweg begann es zu regnen, aber die neue Regenhose tut ihren Dienst. Wir schafften es genau zu der Zeit zurück an der Straße zu sein, als die Autos von der Fähre vorbeikamen. Doch wir standen eine ganze Weile im strömenden Regen, bis sich der letzte LKW-Fahrer schließlich hilfsbereit zeigte und uns mit zurück nach Chaitén nahm. Andernfalls hätten wir fast 30km dahin zurück gehen müssen. Glück gehabt! Alternativ kann man sich im Ort auch den Transfer mit einer der Transport- und Ausflugsunternehmen zu buchen – wenn sie denn erreichbar sind. Die Büros sind eigentlich immer leer, daher ist es besser, anzurufen. Doch das hätte uns 8.000 CLP pro Nase gekostet (bei min. 6 Personen) und er schien uns übertrieben. Das Schöne: Für den Pumalín Park bezahlt man keine Gebühren und somit hatten wir einen sehr sparsamen Tag. 😉

 

— English version —

From north to south Chile is a very long country. To visit everything intensively I would need several months. But I‘d like to see some other areas of South America as well and for that I skipped another Chilean part and flew quite cheap with LATAM from Santiago de Chile to Puerto Montt. Through my plane‘s window I had first views of Lago Llanquihue and Vulkan Osorno during sunset – incredibly beautiful! I arrived a little bit too late to catch a bus to Puerto Varas which was supposed to be my next destination. But I got a taxi (15.000 CLP) and lots of information about the region, people and history from the driver Javier inclusive. Those were completed by the owner and other travellers at the Hostal Vermont.

After a nice breakfast with lots of chats offering more options and information I took one of the local buses to Petrohué (2.5000 CLP), passing the Saltos de Petrohué (bus 2.000, entrance 4.000 CLP). To enter the National Park you need to sign in at the administration office and sign out when coming back, of course, but there is no entrance fee. I wanted to do both possible treks so the ranger guessed it would take me six hours. I did it in that time, climbed up to see the volcano and did a loop on the bottom, including a bath in the Lago Todos los Santos. I fell in love with Chile‘s south immediately and for that I managed to ignore the horse flies though I got bitten by one. On the lake‘s shore a lot of wasps can be annoying. Besides those two trails Putrohué offers transfer by boat to the other side of the lake, a small cafeteria with restrooms (400 CLP) and a tour agency. I drove back to Puerto Varas, walked in the streets but though it is quite nice I left the next day.

I took another local bus to Puerto Montt (900 CLP). Locals call it „Muerto Montt“ – dead Montt. It has nothing nice and beautiful, just transport to Isla Chiloé or Puerto Natales (Navimag, 450 USD min.), industry and a huge shopping mall which is perfect to get ready for trips to the south. That‘s what I did. I bought a tent, mattress and sleeping bag (Doite has a store in the Mall Paseo Costanero and it has been end of summer sales) to be free while driving down the Carretera Austral how the Ruta 7 is called. There are no daily running buses and while hitch-hiking you never know where you will be the end of the day. But with the camping equipment and a Chilean SIM card (entel, you need RUT or passport number) I felt ready.

So I left the very rainy town at 7am with Hannes, who spontaneously decided to join me for the first part of the Carretera. We bought combi tickets for a bus (kemel, 20.000 CLP) and the three ferries crossing parts of the fjord. I slept in the bus and didn‘t mention wind and rain on the ferries but kept watching everything around. I fell in love with the landscape immediately and was delighted to see the first penguins. Leaving the last ferry at Caleta Gonzalo you enter the National Park Pumalín, a region of cold rainforest and vulcanos. One of these caused a flood in 2008 almost destroying the small town Chaitén. The government tried to move the people to Santa Barbara a little bit north, but the inhabitants managed to stay until everything was rebuilt. Today Chaitén is the base for volcano and glacier excursions. It still rained – or again – so climbing Volcán Chaitén seemed to be senseless. For that we decided to do a longer hike from the Carretera Austral to the Glacier of Volcán Michimahuida. We met Bertrand in the hostel who had the same plan an so went off the three of us. We wanted to catch a bus with the direction Puerto Montt to get to the starting point, but all the information we got were wrong and we ended up hitch-hiking. The trek leads through forest for the first 10km. We sometimes wished we had a machete and got very wet. The last 2km are about climbing up to the end of the glacier. Cold winds tried to stop us but it has been too interesting to turn around before reaching the ice. On the way back ich started to rain again and we hurried to catch the cars passing by from the ferry to Chaitén. But none of them came to a halt for us until the very last truck was friendly enough to take us. If not we would have walked for another 30km back to town… An alternative to do it like we did is to book the transfer or a tour with one of the agencies, but that is expensive. The good thing: Pumalín Park has no entry fee, so we had a quite cheap day. 😉

2 Gedanken zu „Los Lagos & Carretera Austral part 1 (Chile)

  1. Köstlich. Die Schwäbin bricht immer wieder durch (…. somit hatten wir einen sehr sparsamen Tag), selbst tausende Kilometer von ‚dohoim‘.
    Die Bilder sind faszinierend. Aber diesmal etwas wenig. Du weißt doch, ich kann besser gucken als lesen.
    Gute Reise weiterhin. Patagonien und Feuerland sind mein Traum, seitdem ich über die Entdeckungsreisen von Magellan gelesen habe.

    1. Ja, es waren zwei Schwaben an dem Tag miteinander unterwegs, daher kam dieser spaßige Gedanke am Ende auf und fand Platz im Beitrag. 🙂
      Wegen der Bilder… Bei Regen und kaltem Wind macht es einfach nicht so viel Spaß, die Kamera zu benutzen. Die nächste Region besuchte ich ja sehr viel intensiver. Es folgt daher ein Beitrag mit mehr Fotos und Videos! 😉
      Patagonien ist auf jeden Fall schon einmal jede Reise Wert!!! Feuerland sicher auch. Ich werde berichten.

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