San Pedro de Atacama & Región Valparaíso (Chile)

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Nachdem ich die lange Schlange am bolivianischen Migrationsbüro – eine kleine Hütte mitten im Nirgendwo – hinter mir, meine 15 Bolivianos bezahlt und den Ausreisestempel bekommen hatte, ging es in rasantem Tempo auf wieder asphaltierter Straße zum chilenischen Grenzposten. Auch hier dauerte es über eine halbe Stunde, bis wir überhaupt mit dem Shuttle in die Halle fahren durften, denn zunächst war der Gegenverkehr dran. Nach der Passkontrolle werden alle Gepäckstücke geöffnet und mehr oder weniger kontrolliert. Die Einfuhr aller pflanzlichen und tierischen Produkte ist verboten, es gibt jedoch ungefährliche Ausnahmen, wie zum Beispiel Nüsse oder Cocabonbons. Einfach angeben, dass man etwas mit sich führt, dann gibt es keine Strafzahlung, sondern nur das Hoffen darauf, dass alles genehmigt wird. Zumindest am Grenzübergang Hito Cajon lief alles recht locker. Es folgte eine halbstündige Fahrt aus den höheren Regionen der Anden in die riesige Atacama Wüste. Es handelt sich dabei, trotz bereits deutlich tieferer Lage von 2400m ü.NN, um ein Hochplateau und den trockensten Fleck der Erde.

Nach dem Drop-off am Hostel, das wie alle Gebäude in San Pedro de Atacama aus Lehm gebaut ist, schlenderte ich eine erste kleine Runde durch das Städtchen, um Geld zu wechseln (Die Wechselkurse in den Wechselstuben sind äußerst unfair, doch die Banken weigern sich zu tauschen.) und Snacks zu kaufen. Dann verließ ich die Touristenhochburg der Gegend und wanderte am fast ausgetrockneten Fluss entlang nach Pukará de Quitor. Hierbei handelt es sich um die Überreste einer Siedlung aus dem 6. Jahrhundert vor Christus. In de Fels gebaut, wie ich es schon von Inkastätten kenne, überblickt die Stätte das heutige San Pedro. Tatsächlich eroberten die Inkas den Ort im 15. Jahrhundert, woraufhin sich die Kulturen und Sprachen vermischten. Die Sonne knallt erbarmungslos auf die Anlage, daher Sonnencreme und Hut nicht vergessen! Gleich hinter der vom Aussichtspunkt überschaubaren Hügelkette befindet sich das Valle de la Luna, noch eine „Mondlandschaft“. Da ich nur einen Nachmittag vor Ort hatte, verzichtete ich auf eine Radtour dorthin (Räder kann man in San Pedro überall mieten), ebenso war ich nicht im 3km vom Ort entfernten natürlichen Pool baden. Ich nutzte hingegen das öffentliche WiFi auf dem zentralen Platz, um meine weiteren Schritte zu planen. Mit dem Flughafentransfer (12000 Chilenos) ging es in aller Frühe dann nach Calama, um den Flug nach Santiago zu erwischen. Zu späterer Zeit gibt es auch billigere Linienbusse vom Busterminal San Pedros.

 

Nach zwei Stunden Flug über die Atacama und ähnlich braun und trostlos aussehende Landschaft, erreichte ich Santiago de Chile. Die Hauptstadt ließ ich jedoch aus, denn sie soll zwar ganz nett sein, aber man verpasst wohl auch nichts, wenn man nicht da war. Die Dunstglocke hängt zudem meist so tief, dass man von den Aussichtshügeln nichts sieht. Mit Turbus fuhr ich daher gleich weiter nach Viña del Mar an der Pazifikküste. Die Busse verlassen den Flughafen vor dem Ausgang Nummer 5 und kosten bis zum Terminal Pajarito 1800CLP und von da bis Viña del Mar noch einmal 5000CLP (Der Rückweg kostet interessanter Weise nur 2700CLP). Beide Busse fahren alle zehn Minuten. Auf selbem Weg kommt man auch nach Valparaíso und in viele andere Orte ringsherum. Unterwegs war ich positiv überrascht vom erneuten Wechsel der Landschaft. Auf einer „richtigen“ Autobahn passierte ich Nadelwälder und vergaß kurz, dass ich nicht in Deutschland unterwegs war. Doch dann wechselte der Baumbestand zu Palmen und auch Waldbrandflächen kamen ins Blickfeld. Ich weiß nicht mehr, warum ich mich an Hand weniger Informationen aus dem Reiseführer für Viña del Mar als Ausgangspunkt für ein paar Tage entschied, doch ich fühlte mich gleich bestätigt. Die Stadt ist bestimmt durch einen Mix aus Einheimischen und Touristen, sie hat einen ewig langen Strand mit schöner Promenade und dem Muelle Vergara, dem alten Anleger und Kran zu Zeiten der Industrialisierung Viñas. Außerdem gibt es hier einen Kanal, einen Hügel mit wunderschönen alten Villen, eine Blumenuhr, den Palacio de Rioja (original eingerichtetes Haus aus 20. Jahrhundert inkl. temporär wechselnden Ausstellungen im EG, aktuell dt. Puppen, Eintritt frei) und einen echten Moai von der Osterinsel (die ich mir leider nicht leisten kann).

 

Per Metro oder Mico (Bus) kommt man schnell und bequem nach Valparaíso, das von eigentlich allen in höchsten Tönen gelobt wird. Das Zentrum, das sich vor allem auf den unteren Teil zweier Hügel konzentriert, ist tatsächlich wunderschön. Kleine, gepflasterte Gassen mit Aussichtsterrassen und vielen bunten Häusern. Die ganze Stadt ist voller Graffiti und Treppen. Standseilbahnen fungieren hier und da als Aufzüge und es gibt viele süße Cafés und Eisdielen. Es gibt einen alten Friedhof voller Familiengruften und ein altes Gefängnis, das heute Kulturzentrum ist. Außerdem war ich im Museo Mirador Lukas über einen italienisch-chilenischen Karrikaturisten (1500CLP). Um die Witze zu verstehen, muss man jedoch Spanisch können, denn es gibt keine Übersetzungen. Von hier aus hat man einen guten Blick auf den dem Big Ben in London nachempfundenen Uhrenturm. Das andere interessante Museum ist La Sebastiana, eines der Wohnhäuser, die der Schriftsteller Pablo Neruda im Laufe seiner Karriere bewohnte (7000 CLP, Audioguides in verschiedenen Sprachen). Doch hier befindet man sich schon im Randbezirk und geht man in jede beliebige Richtung weiter, landet man in Stadtteilen, die dreckig, stinkend und unsicher sind. Das gilt vor allem auch für das ehemalige Zentrum der Stadt um die Plaza Echaurren herum. Auch Strand und Promenade sind absolut keine Schönheit und laden nicht annähernd zum Verweilen ein. Schade.

 

Am dritten Tag unternahm ich einen Radtour nach Concón. Wenn man sich den steilen und radfahrerunfreundlichen Berg (kein Radweg, kein Fußweg, löchrige Straße) erst einmal hinaufgequält hat, wird man dort durch riesige Sanddünen belohnt, auf die man klettern kann und den Blick über die gesamte Pazifikbucht bis hin nach Valparaíso und in die andere Richtung nach Norden schweifen lassen kann. Wenn man etwas über den heißen Sand läuft, findet man auch Ecken, in denen man allein unter Möwen die Sonne genießen kann. Für Action sorgt der Verleih von Sandboards, mit denen man die Dünen hinunterrasen kann. Ich entdeckte auch einen Ultraleichtflieger, den man sicherlich irgendwo für einen kleinen Rundflug buchen kann. Außerdem kann man von oben ganz in Ruhe den Roca Oceanica anschauen, auf dem sich die Ausflügler und Urlauber tummeln. Insgesamt ist Concón und das benachbarte Reiñaca bestimmt durch nahtlos ineinander übergehende Hotels und Restaurants sowie kleine Strände in vom Fels eingeschlossene Buchten. Hier leben auch Seelöwen, die ich jedoch leider nicht zu Gesicht bekam.

 

Den letzten Tag – der zweite, um den ich im Hostel bereits verlängerte – verbrachte ich mit Wandern. Wobei ich erst einmal zwei Stunden Metro (nach Limache, 1000CLP) und Bus (nach La Campana/Granizo/Olmué, 500CLP) fahren musste, um damit beginnen zu können. Der Nationalpark La Campana (4000CLP Parkgebühr) ist von der Küste sowie Santiago aus erreichbar und besticht durch viel Wald, Kakteen, gut angelegte und beschilderte Wege und unzählige Picknickplätze. Mein Ziel war der Cerro La Campana, dem Gipfel, auf den schon Darwin 1834 kletterte, um die Aussicht auf die Anden und den Pazifik zu genießen. Man sieht außerdem Adler, andere Vögel und jede Menge Eidechsen. Einziger Haken: Man darf den oberen Teil von „Las Minas“ bis zum Gipfel nicht alleine gehen. Ich musste mich also einer anderen Gruppe anschließen. Die waren jedoch so langsam, dass ich befürchtete, den Gipfel gar nicht erst zu erreichen, denn auch was das Zeitfenster angeht, ist man hier sehr streng, sodass alle sicher zur Schließung des Parks um 17.30 Uhr wieder zurück sind. Also überholte ich ein paar Wanderer und fand eine Gruppe, in dessen Nähe ich den Rest der Etappe – mehr kletternd als wandernd – bezwang. Die Schinderei in Hitze und Staub lohnt sich definitiv! Trotz durch Dunst leicht eingeschränkter Sicht konnte ich mein Gipfelvesper genießen. Der Abstieg ist anstrengend und so entschied ich mich die „Straße“ zurück ins Tal zu gehen, die viel flacher ist, jedoch auch mehr als doppelt so lang. Hier war ich bis zum Schluss komplett alleine unterwegs und weiß nun, dass ich auf einen Kilometer 1111 Schritte brauche. 😉

 

A propos brauchen… Jetzt wäre ein guter Moment, mein Moskitonetz und den Hüttenschlafsack gegen ein Zelt und einen dicken Schlafsack einzutauschen, um dann mal zu sehen, wie lange ich die Carretera Austral hinunter brauchen würde. Aber weil das wohl viel zu lange wäre, um dann noch alle anderen Ziele zu schaffen, die noch in meinem Kopf herumgeistern, muss ich wohl erneut große Teile überfliegen… Doch ich freue mich auf den Rest dessen, was ich von Chile zu sehen bekomme, denn das Land ist schön, vielfältig und in der Menge der fast ebenso vielfältigen Menschen falle ich nicht mehr so auf, was mal wieder echt gut tut. Als Alleinreisende fehlt manchmal einfach die Sicherheit der „Herde“. 😉

 

— English version —

After the long line of other travellers at Bolivia‘s migration office – a small hut in the middle of nowhere – and another 15 Bolivianos for the exit stamp, a shuttle brought me in full speed and via paved road to the Chilean checkpoint Hito Cajon. Here again it took more than half an hour to get into the migration office, because it is one way and those from the other direction had their turn. After the personal check everyone has to open his or her luggage. It is prohibited to bring any plants or animal‘s products into Chile. Tell them what food you take with you, in lots of cases you‘re allowed to bring it, for example nuts or coca pastilles. if you miss to declare it can be expensive… Another half an hour sitting in the shuttle later I arrived in the desert of Atacama, the world‘s driest place. After strong winds on high altitude in Bolivia the heat welcomed me on the plateau, which is still on 2400m above sea level.

After the drop-off at my hostel, which is made of adobe as every building in San Pedro de Atacama, I strolled around for a little while to change my money (Exchange rates in casas de cambio are very unfair but banks don‘t change at all.) and buy some snacks. Afterwards I left town and walked along the almost dry river to Pukará de Quitor. This is an abandoned settlement of 6th century before Christ, built into the rocks of a hill, like I know from Inca ruins. And indeed, the Incas arrived in 15th century and cultures and languages got mixed. From the viewpoint high above the ruins you can almost see the Valle de la Luna, the „moon valley“. I had just one afternoon in San Pedro and decided not to drive there or to the natural pool which is 3km out of town into the complete other direction. But all the three places are possible to visit by rental bike. I instead used the public wifi on the main plaza to check on further plans and bookings. I left via airport shuttle (12000 Chilenos) very early in the morning. There are constant running buses to the airport in Calama later the day from the local bus terminal.

The flight to Santiago de Chile took two hours and went over dry, brown landscapes. I skipped the capital because I was told that is nice but has nothing special to see, if you‘re able to see at all due to the smog. With Turbus I immediately drove to Viña del Mar at the Pacific coast. Buses leave the airport in front of puerta 5 to terminal Pajarito (1800CLP) and from there every ten minutes to Viña del Mar for another 5000CLP. Optional they leave for Valparaíso and lots of different destinations nearby. On a good motorway I passed forests and everything seemed a little bit as driving through Germany. But then I saw the first palm trees and signs of wildfires and I was back in Chile – surprised of how much the landscape has changed again. I don‘t know why I chose Viña del Mar to stay for some nights, but I did right. The city is a mix of inhabitants and tourists, has a huge beach with lovely promenade and the old pier Muelle Vergara. Besides there is a canal running through town, old mansions built on a hill, a clock of flowers and the Palacio de Rioja (original equipped house of 20th century, incl. Temporary exhibition about puppets, free entrance) and a real Moai from Easter Island (where I‘d love to go but cannot pay for).

Metro or Micro (bus) are the easiest way to Valparaíso which is loved by all the travellers I met. And indeed, the centre is beautiful with small passages, lots of graffiti and nice cafés and restaurants. Very special are the hills on which the town was built and for that lots of stairs and cable cars. An old cementry and an ex-prison that is centre for culture nowadays can be found in the upper parts of the city centre. In the lovely part of the centre I‘ve been to Museo Mirador Lukas (1500CLP). It shows the work of an Italien-Chilean caricaturist (attention: everything‘s in Spanish). Another interesting museum is La Sebastiana, one of the houses famous writer Pablo Neruda lived in (7000CLP). But this is actually located near the ugly, dirty and stinky parts of town. And there are lots of. Huge parts are not recommended to stay, for example the old centre around Plaza Echaurren. As well the beach is nothing beautiful to visit. What a pity!

The third day I spent on the bike and on some huge sand dunes in Concón. For that I had to fight myself up the hill with the rental bike – not much fun. But it was worth it because I found a spot on the dunes where I‘ve had a lovely view and was surrounded by doves, no people. After midday one can rent sand boards and race down the dunes. From the dunes I could see the Roca Oceanica which I passed after turning back down to sea level. There in Concón and neighbouring Reiñaca a lot of hotels mark the landscape. There are supposed to be sea lions but I haven‘t seen any.

On the last day – I stayed twice the nights in the hostel than I‘ve originally planned – I went hiking again. For that I had to drive two hours by Metro (to Limache, 1000CLP) and bus (to La Campana/Granizo/Olmué, 500CLP) to reach the National Park La Campana. It is a lovely preserved area with lots of birds and different plants, well signed hiking paths and lots of picnic areas. Entrance fee is 4000CLP. My goal of the day was the Cerro La Campana which was climbed by Darwin in 1843 for the good views of the Andes on one side and the Pacific on the other. I was lucky to see eagles and lots of bright coloured lizards. But there is one problem: You‘re not allowed to hike the upper part by yourself. For that I had to join a group of girls. But they have been so slow that I went up alone meeting different groups of people and staying nearby. On my way down I decided to walk the road (no cars at all) to avoid the very steep passages. I fought against the strong sun but enjoyed being alone on the way and reached the ranger‘s office early enough to exit on time. They are very strict because the park closes at 5.30pm. My actual knowledge about myself is that I need 1111 steps for 1km. 😉

Talking about needs… Now would be a very good moment to change my mosquito net and light sleeping bag against a tent and a warmer one to travel down the Carretera Austral. But anyways I think it would take too much time and I need to fly again. We‘ll see. For sure I am looking forward to the time in Chile‘s southern parts and I enjoy the variety of landscape and people in this country. I am still the blondest but not sooo much different anymore. Sometimes that helps as solo traveller to feel saver. 🙂

Maren

- Lehrerin auf Abwegen - Der Sommer wird für mich von August 2017 bis August 2018 anhalten, weil ich ein sog. Sabbatjahr einschiebe, um endlich das Reiseziel Südamerika anzusteuern. Was sollte da näherliegen, als in Nordamerika anzufangen, um über Zentralamerika den Süden zu erreichen? ;)

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