Arequipa & Colca Canyon (Perú)

An Oma senden
Aus höchsten Höhen ging es in Peru weiter in Richtung abgrundtiefe Schluchten. Doch dazwischen lag erst einmal Arequipa. Die Stadt gilt als die schönste Stadt des Landes. Wir empfanden das im Vergleich zu Cusco nicht so. Dennoch entdeckten wir gemütliche und interessante Ecken. Allen voran die Klosteranlage Santa Catalina. Wie eine eigene kleine und vor allem völlig entschleunigte Stadt nimmt der Komplex ein ganzes Häuserviertel ein. Die Geschichte, der Lebensstil und die Aufgaben der Nonnen in den letzten Jahrzehnten und -hunderten wird beim Begehen der zahlreichen Gebäude anschaulich dargestellt. Fast alle Informationstafeln sind mindestens auf Englisch, viele sogar auf Deutsch und Französisch. Das beste waren dann die Kuchen im klostereigenen Café. Um an diese Rezepte zu gelangen, würde ich fast eine Zeit lang in den Orden eintreten. 😉

Das zweite Highlight ist die Mundo Alpaka. Dabei handelt es sich um ein kleines Museum (Eintritt frei, Einkauf im dazugehörigen Geschäft erwünscht), das die einzelnen Produktionsschritte vom Alpaka bis hin zur fertigen Kleidung erläutert. Wir wurden sogar persönlich herumgeführt und hatten im Anschluss noch einmal Zeit die Schilder zu lesen (Spanisch, Englisch) und die Alpakas zu füttern.

Aus der Zeit der spanischen Eroberung gibt es einige spannende Häuserfassaden und Innenhöfe. Allen voran die Cazona Tristan del Pozo, heute im Besitz einer Bank, aber mit kleiner Ausstellung (Eintritt frei), und das Geburtshaus des peruanischen Literaturnobelpreisträgers Mario Vargas Llosa, das als Museum und Bibliothek dient. Doch es gibt noch weiter auf den Stadtplänen und bei Google verzeichnete. Auf dem langen Balkon der Cafés und Restaurants an der Plaza del Armas lässt es sich mit Blick auf die Kathedrale wunderbar frühstücken, zu Mittag und/oder zu Abend essen. Es gibt viele Geschäfte in einer Art Einkaufsstraße und wir fanden einen Barbier, der mit einer nie erlebten Hingabe und Genauigkeit sowohl Irokesen als auch Undercut rasierte. Wobei er etwas enttäuscht war, mir kein Muster hinein rasieren zu dürfen. 😉

Weiter ging es per Bus nach Chivay, dem Eingang zum Colca Canyon. Die Fahrt ist geprägt von Landschaftswechseln. Während wir vor lauter dicken Regenwolken die drei umliegenden Vulkane in Arequipa aus nicht sehen konnten, erspähten wir einen kurz auf der Fahrt. Mit zunehmender Höhe wurde es immer kälter und die Farben wechselten von staubig-dreckigem Braun zu saftigem Grün, auf dem die Alpaka-, Lama- und Vicuñaherden weiden, bis hin zu weißen Berggipfeln. Die Serpentinen ins Colca-Tal bieten einen ersten wunderbaren Anblick des selbigen.

In Chivay, das mehr der Umschlagplatz für die Touristenströme gen Colca-Canyon und dem darin liegenden Cabanaconde ist, erlebten wir den peruanischen Karneval. Tag und Nacht spielten die Blaskapellen gefühlt dieselben drei Stücke in Dauerschleife, wonach die aus der gesamten Umgebung angereisten Gruppen in ihren schillernden Trachten und Hüten unermüdlich tanzten, während sich die Kinder mit Schaumsprays verfolgten. Drei Tage und Nächte schliefen wir davon begleitet ein und wachten damit auch wieder auf, doch es machte Spaß, dem bunten Treiben zuzuschauen und es war erschreckend leer und ruhig auf der Plaza Principal am Montag nach der Faschingswoche. Nur einige Alkoholleichen und Luftschlagen waren – genau wie bei uns – noch zugegen.

Wir unternahmen zwei Wanderungen im flacheren Teil des Canyons. Am ersten Tag fuhren wir mit dem Colectivo in Richtung Tuti und ließen uns an der Abzweigung nach Canocota absetzen (3 Soles), das wir nach der Überquerung des Flusses Colca erreichten, dessen Einwohner durch unsere Anwesenheit überraschten, den Hügel erklommen und dann in den Canyon abstiegen. Auf unterschiedlicher Höhe ging es immer am Fluss entlang zu den Thermalquellen La Caldera (15 Soles). Dort entspannten wir eine Stunde im heißen Wasser und nahmen ein Colectivo zurück nach Chivay (2 Soles).

Am nächsten Tag schlossen wir uns einer aus Arequipa kommenden Tagestour an, um einige Aussichtspunkte und den berühmten Ausguck am Cruz del Condor zu erreichen (40 Soles). Man kann vom örtlichen Terminal auch mit dem Bus dorthin gelangen, allerdings entweder um 4 Uhr in der Früh, um dann noch 2 Stunden zu frieren, bis die größten Vögel der Welt in die Lüfte aufsteigen, oder um 7.30 Uhr, was nach eineinhalb Stunden Fahrt für selbiges dann schon zu spät sein kann. Es war die richtige Entscheidung, denn die zwei Jungtiere mit ihrer Mutter erspähten wir schon zwei Kurven vor dem Cruz del Condor. Das Touri-Shuttle hielt sofort an und wir konnten die unglaubliche Flügelspannweite von 3,5 Metern bewundern. Nur hier im Bereich des tiefen Canyons können die Kondore überhaupt fliegen, und das nur am Morgen, wenn die Thermik stark genug ist. Bei den Inka ist der Kondor ein heiliges Tier, das für die Verbindung zu den Göttern im Himmel steht. Die Tiere sind auch gesetzlich geschützt, dennoch sind sie weiterhin vom Aussterben bedroht, da sie für den Verkauf der Federn oder von wütenden Bauern (die Vögel reißen Vieh) abgeschossen werden.

Auf dem Rückweg ließen wir uns in Yanque absetzen, von wo aus wir den Colca überquerten und zur verlassenen Stadt Uyo Uyo hinaufstiegen (eigentlich 5 Soles, doch über Trampelpfade ohne Kasse erreichbar und vor Ort menschenleer). Von dort schlängelte sich ein kleiner Pfad vorbei an Kartoffelfeldern auf vielen angelegten Terrassen den Berg hinauf und auf der anderen Seite hinab nach Coparaque. Dort befindet sich ein herrlicher Ausguck und eine Begräbnisstätte der Inka. Auf der kaum befahrenen Straße stapften wir dann zurück nach Chivay, wo wir den Colca über die Inka-Brücke letztmalig überquerten.

Auch in dieser Region fiel uns wieder auf wie unglaublich sauber peruanische Städte – zumindest im Kern und mit Ausnahme von Huancayo – sind. Außerdem strahlen alle Farben sehr viel intensiver als sie das in Europa tun, denn die kräftige Sonne brennt erbarmungslos fast senkrecht vom Himmel. Trotz Regenzeit erwischten wir fast immer einen halben Tag mit akuter Sonnenbrandgefahr, bevor Regenwolken und Gewitter aufzogen und uns in schnuckelige Cafés zwangen (z.B. das One Coffee in Chivay). Restaurants gibt es natürlich auch wie überall zu Hauf. Einige größere, die Buffets für ganze Busladungen anbieten, und kleinere, gemütliche mit regionalen Spezialitäten. Mein Favorit dieses Mal ist das so genannte „Quinotto“ (pesque de quinua), eine Art Rissotto, jedoch mit Quinua und feinen Käsewürfeln. Dazu gibt es frischen Salat (also Salatblätter, Tomaten- und Gurkenstücke). Die zweite Besonderheit sind Süßspeisen aus dem Kaktus Sancayllo. Wir testeten davon das Eis. Eis ist jedoch nicht cremig weich wie bei uns, sondern voller harter Eiskristalle. Ich verzichte daher meistens drauf.

Auf der Fahrt nach Puno versuchten wir wieder fast vergeblich die Vulkane auf der Südseite des Colca-Canyons zu erspähen (Regen) und der Bus hielt an der Laguna Lagunillas, wo eine Gruppe Flamingos beheimatet ist – wirklich! Puno war für uns nur Schlafplatz zwischen zwei Busfahrten. Viel zu bieten hat die Stadt nicht, doch sie liegt am beinah letzten Ziel unserer gemeinsamen Reisezeit, dem Titikakasee.

 

— English version —

From highest heights we came to one of the world‘s deepest canyon. But in between we stopped in Arequipa. It is named the most beautiful city of Peru, but compared to Cusco we didn‘t think so. Nevertheless there are some nice parts and places to visit. First of all the monastery of Santa Catalina. It appears as an own small and very peaceful and quiet town inside the city. Lots of multilingual signs inform about the cloister‘s history and the nun‘s habits in the last decades and centuries. One can step into the old buildings and enjoy today‘s nun‘s very delicious cakes. I‘d spent some time with them to get some of the recipes. 😉

The second highlight is the Mundo Alpaka. It is a small museum (free, but asked to spend some money in the belonging shop) which shows the steps of production from the alpaca to the clothes. We were shown around personally and had time to read all the signs (bilingual as well) and feed the animals.

As in every other city there are some houses remained from the times of the Spanish conquest. Most impressive is the Cazona Tristan del Pozo, which today is owned by a bank but open to public and with a small exhibition (free). Right next to it is the Peruvian Nobel Prize winner of literature‘s house of birth. There are several other buildings located in the city centre which can be found in the maps (tourist information, Google, …) and from restaurant‘s balcony there‘s a lovely view of the Plaza del Armas and the cathedral – no matter if you‘re there for breakfast, lunch or dinner.

Next destination: Chivay, the entrance to Colca Canyon. While driving there by bus we recognized several changes of landscape. Thick black clouds and heavy rain made it impossible to see the vulcano range, but once in higher altitude we passed deep green lands and small lakes, an area where alpacas and lamas live and in the background snowy mountain tops. The switchbacks down to the valley offered the first impressive views then.

Chivay is more or less a point of transit for the people driving to Cabanaconde. We decided to stay there for some peace and quietness… Haha! It has been the week of Carnaval and the whole town was up 24/7. We listened to the same sounds for 3 days and nights and enjoyed the party. People from nearby villages came to dance all day and night long while kids chased each other with foam spray. They wore beautiful dresses and hats and it has been kind of spooky when everything was over Monday morning, nothing left but some drunken men and streamers.

We went on two hikes in the lower parts of the canyon. The first day we drove direction Tuti and jumped of the colectivo at the junction to Canocota (3 Soles). We crossed the river Colca, passed the small town, shocked the inhabitants with our presence, climbed the hill and made our way down into the canyon. We followed the river until we reached the hot springs of La Caldera (15 Soles), where we relaxed for an hour before we returned to town (2 Soles in colectivo).

The second day we decided to take a shuttle arriving with day trip guests from Arequipa to visit the Cruz del Condor. There are two bus companies running buses to Cabanaconde which stop there as well, but one leaves the terminal at 4am which means at least two hours in the cold, and the next at 7.30am which – after 1,5 hours drive – can be too late to see the condors rise. It was the right decision because the two young condors with their mother we saw were some bends before the viewpoint. Our shuttle stopped immediately so we were able to watch them fly. Their wingspan of 3,5 meters is incredible. The biggest birds on earth live in that area because of the strong thermic in the canyon they need to be able to fly. It is just possible in the morning. They are meant to be sacred for the Inca and are under protection from the government. Though they are killed for selling the feathers and by farmers who hate them for killing cattle from time to time.

On the way back we jumped of at Yanque where we crossed the river and climbed the hills to Uyo Uyo, an abandoned town (5 soles, but we reached it by a hidden path and nobody has been there to charge us). Afterwards we followed a very small path up into the mountains passing the terraces with potato fields and some donkeys staring at us in disbelieve. On the other side of the hills we reached Coparaque with a nice viewpoint and an Inca burial site. A hardly used road lead us back to Chivay where we crossed the Colca for the last time using the Inca bridge.

Here as in every other region of Peru we mentioned that the towns are very clean – at least in the centres and except Huancayo. Moreover all the colours shine brighter than elsewhere due to the strong sun shining almost vertical from the blue sky. Though it is rainy season we were very lucky most of the days to have half a day with huge risk of sunburn before heavy rainfalls and thunderstorms forced us to flee into snug cafés (p.e. One Coffee in Chivay). There are lots of restaurants as well. Some of them with big tourist buffets others small and with regional specialties. My favourite this time was the so called „Quinotto“ (pesque de quinua), kind of a rissotto but with quinua and small pieces of cheese. As a side you get fresh salad, which means some leaves and chopped tomato and cucumber. The second specialty I tried was ice cream with sancayllo cactus. They use this special kind of cactus for several deserts and sweets.

Driving to Puno we failed again with seeing the full volcano range (rain) but we had a stop at Laguna Lagunillas where a small group of pink flamingos live in more than 4000m of altitude -really! Puno has been an over night stop between two bus rides. It has nothing special to visit but our almost last destination while travelling together, Lake Titicaca.

Maren

- Lehrerin auf Abwegen - Der Sommer wird für mich von August 2017 bis August 2018 anhalten, weil ich ein sog. Sabbatjahr einschiebe, um endlich das Reiseziel Südamerika anzusteuern. Was sollte da näherliegen, als in Nordamerika anzufangen, um über Zentralamerika den Süden zu erreichen? ;)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.