Lima & Huancayo (Perú)

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Bei längeren Reisen ändern sich die Pläne, die man einmal – zumindest grob – gemacht hat, ständig. So habe ich die Panamericana unterbrochen, Teile übersprungen und werde Südamerika in einer Art Kringel bereisen. Dieser begann in Lima, der Hauptstadt Perus, wo ich zum zweiten Mal Besuch von Felix bekam. Die Anreise aus Panama war schnell und einfach. Ich habe wohl die zwei schnellstmöglichen Abfertigungen auf internationalen Flughäfen erlebt. Weil ich sehr spät ankam, fuhr ich mit dem hauseigenen Shuttleservice des Hotels in die Stadt. Es gibt jedoch genug Taxifahrer und Transportagenturen, die bereits vor Verlassen des Flughafengebäudes auf die Ankommenden zustürzen. Mit um die 20 USD lassen sie sich dann sehr gut bezahlen.

Lima hat rund ums Jahr täglich die gleiche Abfolge des Wetters. Morgens ist es noch recht frisch, doch über den Tag wird es immer wärmer, bis einen die Nachmittagssonne trotz dauerhaftem Nebel über der Stadt fast verkohlt. Die Abende sind schön und gehen dann in eine eiskalte Nacht über. Seit einigen Jahren regnet es nicht mehr, weswegen all die Grünanlagen jede Nacht gewässert werden. So werden nebenbei genug Jobs geschaffen, um die Arbeitslosenquote gering zu halten. Die Größe der Stadt erschlägt einen fast. Daher ist es wahrscheinlich klug, bereits vorab zu wissen, welche Stadtteile man besuchen möchte und welche es überhaupt Wert sind. Wir kamen in Miraflores unter, dem so genannten Touristenstadtteil. Es handelt sich um eine recht ruhige, schöne und sichere Gegend mit vielen Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants, Cafés und Bars. Am einen Ende befindet sich das Zentrum um den Kennedy Park herum, am anderen die Steilküste, die zum Meer hin abfällt. Dort kann man auf dem Malecón von Park zu Park in die benachbarten Stadtteile gehen. In Barranco fanden wir neben der ansässigen Kunstszene (viel Streetart) auch einen kleinen Markt mit regionalen Bio-Produkten. Nach mehrmaligem Durchschlendern und Probieren gab‘s dann richtiges Körnerbrot sowie leckeren Hummus und Käse.

Das historische Zentrum Limas ist in etwa einer halben Stunde von Miraflores per Taxi (25 PEN) zu erreichen. Dort beeindrucken große Kirchen, Plätze und die Architektur der Zeit der Eroberung durch Spanien. Leider waren einige Gebäude und Plätze aus dem Reiseführer und Internet geschlossen. Doch den Palacio erreichten wir dann zufällig genau rechtzeitig zur Wachablösung (Plaza de Armas, 12 Uhr). Gleich um die Ecke am Eingang des Parque Muralla kann man etwas abseits der verstopften Straßen für 10-15 Soles ein leckeres Mittagsmenü genießen. Das Getränk der Region – Pisco Sour – gibt es überall zu probieren.

Die Strände der Stadt bestehen aus Kies und wirken nicht besonders einladend. Es wird auch vor dem verschmutzen Wasser gewarnt. Wir beschränkten uns daher auf das Beobachten der Surfer und Ultraleichtflieger vom Rand der Steilküste aus. Wer Strandtage einlegen will, muss wohl etwas nach Süden fahren, doch wir verließen die Stadt gen Andenhochland.

Mit einem Bus von Cruz del Sur ging es acht Stunden auf der Carretera Central durch Kleinstädte und über einen großen Pass ins Tal des Flusses Mantaro. Es war gut, tagsüber zu fahren, da wir die Landschaftswechsel durchs Panoramafenster genießen konnten. Vor allem das Erreichen des höchsten Punktes des Passes mit verschneiten Gipfeln und kleinen Bergseen (El Ticlio) war beeindruckend. Die Ausstattung des Busses mit richtigen Sesseln, Kissen, Decken, WiFi, Mittagessen und (nicht wirklich funktionierendem) Bordentertainmentanlage an jedem Platz, machten die Fahrt zur bequemsten Busfahrt, die ich je hatte.

Huancayo ist eine der größten Städte Perus, doch außer zwei beeindruckenden Kirchen mit Kuppeldächern bietet die Stadt nur Lärm, Dreck und zu viele Menschen. In einem längeren Spaziergang kann man über den Cerrito de Libertad zu den kuriosen Felsformationen Torre Torre aufsteigen. Unterwegs hat meinen einen klasse Blick über die gesamte Stadt und ins Tal hinein. Geht man auf der anderen Seite den Hügel wieder hinunter, gelangt man zum Parque de la Identidad im Stadtteil Huanca. Dort gerieten wir in die Feierlichkeiten zum Día del niño, dem Tag des Kindes. Eigentlich findet der landesweit im April oder August statt und wird tatsächlich für und mit Kindern gefeiert. Hier waren es überwiegend Paare älteren Semesters, die zur traditionellen Musik tanzten, Sekt tranken, gemeinsam aßen und Jesuspuppen sowie zwei große geschmückte Bäume aufstellten, um die dann wieder getanzt wurde. Felix und ich wurden kurzerhand zum Tanzen aufgefordert und dann zu allem eingeladen. Irgendwann konnten wir uns aber wieder auf den ursprünglichen Weg machen und nach Cochas fahren. Das Dorf liegt mit dem Colectivo eine knappe halbe Stunde außerhalb Huancayos und ist bekannt für die Kürbisschnitzkunst der Einwohner. Deshalb gibt es hiüer Los Mates Burilados, eine kleine Parkanlage mit Kunst und Verkauf der Kalebassen. Den ganzen Tag ber begegneten uns nur einheimische Ausflügler und keine ausländischen Touristen. Bis auf eine kleine Gruppe Deutscher blieb das in der Stadt auch so. Wir hatten also gleich zu Beginn geschafft, Peru wirklich zu erleben.

Am nächsten Tag taten wir das noch mehr. Wir wollten eigentlich nach Jauja fahren, der nächstgelegenen kleinen Stadt, um dort einen halben Tag an der Laguna de Paca zu verbringen, doch die Landwirte der Region gingen mit massiven Protesten auf die Straße, um für den Anbau einheimischer Kartoffeln und gegen die genmanipulierten Importe aus den USA zu protestieren. Dies äußerte sich in Straßensperren mit brennenden Baumstümpfen und Autoreifen, großen Steinen und menschlichen Blockaden. Wir hatten keine Chance, die Stadt in eine der beiden Richtungen des Tals zu verlassen, also buchten wir eine weitere Nacht und eine Rundtour zu traditionellen Zentren Huancayos. Bis auf die archäologische Stätte Wariwilca, wo die Urbevölkerung zunächst mit dem Einmarsch der Inka und später der Spanier zu kämpfen hatte, sahen wir jedoch nichts davon, weil selbst innerhalb der Stadt viele Verbindungsstraßen und Brücken unpassierbar waren. Wir gingen also zurück in die Stadt und landeten mitten in einem Marsch der protestierenden Landwirte, die mit Stöcken und Steine werfend durch die Straßen zogen. Alle Läden hatten geschlossen, die Sicherheitsleute der Banken versperrten die Türen und der Verkehr war kurzzeitig lahmgelegt. Wir fühlten uns nicht gefährdet, aber die Stimmung war durchaus seltsam. Unterstützend zog dann noch ein schweres Gewitter mit Hagel und Starkregen auf, was das Überqueren der Straßen und somit Einkaufen unmöglich gestaltete. Jedoch kamen wir in einer super süßen Pension unter, deren Betreiber nicht nur leckeres Frühstück zauberten, sondern stets herzlich und hilfsbereit auftraten und so hatten wir einen Rückzugsort für den Rest des Tages. Sie halfen uns außerdem, noch bei Nacht früh morgens mit einem befreundeten Taxifahrer die Stadt zu verlassen, um den Flughafen in Jauja zu erreichen, von wo aus wir dann (über Lima) nach Cusco flogen. In der doch eher hässlichen Stadt zu bleiben, bis die mehrtägigen Proteste vorbei sind und dann mit mehreren Bussen tagelang bis Cusco unterwegs zu sein, erschien uns keine lohnende Option.

 

 

— English version —

As it can happen to a long term traveller, my original plans changed because I stayed so much longer in Central America as I first thought I would. For that I needed to skip some parts of the Panamericana running north to south and now I try to travel South Americana in kind of a circle. The second half of my journey started in Lima, the capital of Peru, where I met Felix again. Flying there from Panama was very easy and the fastest clearance on international airports I‘ve ever been through. I arrived in Lima very late at night so I took a private shuttle to the hotel. But there are lots of drivers and companies offering rides to the city (approx. 20 USD).

Lima is huge and impossible to visit completely. It is good to know before which parts are worth it to see and what you‘re interested in. We stayed in Miraflores, the so called tourist area. It is nice, clean and save, has lots of shopping opportunities and restaurants, cafés and bars near the centre around Kennedy Park or in the commercial centre at the coastline. You can walk the Malecón along the cliffs to neighbouring districts. Next to some lovely street art we found a small food market in Barranco where we could buy delicious bread, hummus and cheese, all produced regional and organic.

The historic centre is about half an hour from Miraflores by taxi (approx. 20 PEN). Impressive churches and buildings of the time of the Spanish conquerors wait for you. Lots of those houses and some parks we were not allowed to enter though it is recommended in our travel guides and on the internet. But we were lucky enough to see the changing of the guards at the palace (Plaza de Armas, 12pm). Right around the corner in front of the entrance to Muralla Park are some small restaurants away from crowded streets. They offer lunch menus for 10-15 Soles (PEN). There and everywhere else you can try pisco sour, the national drink.

The city‘s beaches are stony and appear not very inviting. In addition the water quality is declared as really bad and so we just watched the surfers and paragliders from the rim of the cliffs. If you want to have some beach days you need to travel south, but we decided to leave to Lima direction Andes.

With a bus from Cruz del Sur we drove eight hours along the Carretera Central passing small towns and crossing a high pass to the valley of the river Mantaro. It has been a good choice to drive during daytime, because of the change in landscape we could see out of our panoramic window. First of all the highest point of the pass with snowy summits and small lakes was amazing (El Ticlio). The bus was well equiped with comfortable seats, pillow and blanket, lunch, WiFi and (almost running) entertainment centre for each seat.

Huancayo is one of Peru‘s biggest towns but besides two impressive churches with domes it offers just noise, dirt and too many people. A longer walk lead us via Cerrito de Libertad to Torre Torre, some strange rock formations. Climbing up that hill offered views over the city and the into the valley. Following the dirt road down the hill on the other side leads you to Huanca. At the Parque de la Identidad we were invited to dance and join the celebrations of the Día del niño. A group of mostly elderly couples danced, drank and had lunch together while a group of man put up two decorated trees. Usually that day is celebrated with and for kids in April or August all over Peru and I don’t know why it happend that day. But we were happy to get in contact with locals and take part of their traditions.

Somehow we managed to leave and continued our trip with a colectivo to Cochas, a small village a little outside. It is known for its art. People carve symbols and images of history into dried pumpkins. They built a small park, Los Mates burilados, with art as well where the calabashes are sold. All day long we met just locals and Peruan tourists, no strangers. Excluding a small group of Germans in our hotel it has been like that everywhere nearby and so we felt like visiting the real Peru.

The very next day we got to know it even more. Originally we wanted to drive to Jauja to spend half a day at the Laguna de Paca. But the farmers organized huge protests to fight against manipulated potatoes imported from the US and for farming with traditional, regional products. They shut down roads with burning trunks, tires and big stones or just themselves. There has been no chance to leave town in either of the valley‘s two directions. So we ended up booking a tour to traditional places nearby. First stop was an archaeological site called Wariwilca, where natives once tried to get along with the Inca and later with the Spanish. Due to the blockades even inside the city we could not drive to all the other points of interests. So we went back to the city centre and suddenly stepped into the streets full of people demonstrating, waving sticks and throwing stones. All the shops were closed, security services tried to save the banks and traffic came to a halt. It didn‘t feel dangerous but it was a strange atmosphere. A thunderstorm accompanied with strong rain and hail seemed to support the rumours. We rescued ourselves into the cute B&B where we could hang around for the rest of the day. Walking the streets to get some food was impossible because of water running down in streams. Our hosts helped us to get out of town in the middle of the night with a taxi driver friend of theirs. He needed to zickzack around the blocked roads but managed to bring us to the airport in Jauja from where we flew to Cusco (via Lima). Stay in town until the uproars and protests end and drive for days by several buses to Cusco was no rewarding option for us.

Maren

- Lehrerin auf Abwegen - Der Sommer wird für mich von August 2017 bis August 2018 anhalten, weil ich ein sog. Sabbatjahr einschiebe, um endlich das Reiseziel Südamerika anzusteuern. Was sollte da näherliegen, als in Nordamerika anzufangen, um über Zentralamerika den Süden zu erreichen? ;)

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