Guatemala

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In Guatemala begegnete mir Vieles, das ich aus Mexiko und Belize kannte und das sich so sehr vom Leben in der westlichen Welt unterscheidet. Das Leben findet beinahe komplett auf der Straße statt oder zumindest direkt vorm Haus, meist auch das Kochen und Essen. Gewaschen wird außerhalb der großen Städte tatsächlich noch im Fluss – Kleidung wie Mensch. Statt Taxis gibt es hier viele Tuk-Tuks oder man wird ähnlich eines Viehtransports auf der Pritsche eines Puckup-Trucks gefahren. Auf Motorrädern finden hier locker drei bis vier Personen Platz und selbst die jüngsten Kinder wissen schon, wie man sich auf dem Fahrrad oder Roller der Eltern stehend festhalten muss, um nicht herunterzufallen. Hühner werden in Plastiktüten gehandelt und einfach irgendwo festgebunden, um sie zu transportieren. Guatemala hat keine funktionierende Regierung und kaum Polizei, daher gibt es je Region ein Regierungs- und Sicherheitssystem, Leute, die versuchen die Lage zu verändern und jede menge private Sicherheitsleute. Die öffentlichen Busse gelten als anfällig für Unfälle und Überfälle, weswegen ich zum ersten Mal auf private Shuttleservices zurückgriff. Ich entschied mich für drei Regionen mit unterschiedlichen touristischen Gesichtspunkten.

Mein erstes Ziel war die auf einer Insel im See Petén-Itzá gelegene Stadt Flores. Dort traf ich meine „Weihnachtsfamilie“ wieder und da die Pläne dieselben waren, zogen wir von da an gemeinsam durchs Land. Die Anreise nach Flores erfolgte im Bus von der Grenze. In einem der Vororte am See mussten alle aussteigen, obwohl wir bis Flores bezahlt hatten. Mit einem kleinen Shuttle sollte es dann weitergehen. Der Platz reichte jedoch nicht und so fand ich mich mit zwei anderen Reisenden und unseren dicken Rucksäcken in einem engen Tuk-Tuk wieder. Das kleine Städtchen hat definitiv Flair, so auf der Insel mitten im See gelegen. Es gibt schöne Gassen und Plätze am Ufer. Alles liegt dicht beieinander und erscheint wie eine eigene kleine (Touristen-)Welt. Das leckerste Essen gibt es vom Grill direkt am Damm, wenn man auf der Insel ankommt (Spare Ribs!!!).

Von Flores aus kann man in unzähligen Hostels und Agenturen Touren nach Tikal buchen. Tagsüber kostet diese inklusive Transfer, Eintritt und Guide 250 Quetzales (28 Euro). Wir buchten jedoch die Sunrise Tour für 350Q/40€ (Achtung wichtig: Das Ticket für die Sunrise Tour muss in der Bank im Einkaufszentrum auf dem Festland gekauft werden, da die Kassen in Tikal so früh noch nicht geöffnet haben.). Man fährt um 3 Uhr nachts los, weswegen ich gar nicht erst im Bett war. Nach einem langen Spaziergang im Stockdunkeln erreicht man den am westlichsten gelegenen Tempel, von dessen Plattform aus man dann den Sonnenaufgang bestaunen kann. Dabei erwacht der gesamte Wald (Brüllaffen und Vögel) und mit zunehmendem Licht erscheinen langsam die Ruinen im Blickfeld. Magisch! Danach wird man vom Guide herumgeführt und bekommt Einiges erklärt. Man darf auf einige der riesigen Ruinen steigen und die Aussicht genießen. Für uns war es der pure Kampf gegen die Müdigkeit, daher konnten wir es nicht so sehr genießen wie erhofft. Trotzdem war es die Strapazen definitiv Wert. Ein kleines Vormittagsnickerchen auf dem Plaza Central, umgeben von uralten Gebäuden inmitten des Dschungels war auch definitiv nicht das schlechteste, das mir auf der Reise geschehen ist. 🙂

Da das Personal der verschiedenen Hostels – auch wenn man nicht in selbigen schläft – unglaublich hilfsbereit ist, fanden wir schnell ein privates Shuttle nach Lanquín. Während der Großteil der Truppe bereits vor Ort war, hatten Jared und ich weniger Glück, denn wir blieben erst einmal für vier Stunden liegen, bis ein Ersatzbus samt Fahrer aufgetrieben waren. Doch wir waren in guter Gesellschaft und in Reichweite von Essen und WC, also war es halb so schlimm. Ich bin eher überrascht, dass das erst so spät auf meiner Reise passierte. Die Landschaft änderte sich dann merklich, wir passierten Flüsse, Felder und erreichten schließlich das Bergland, deren Form ich so noch nirgendwo sonst sah. Dabei trafen wir auf freilaufende Schweine – eine nette Abwechslung zu all den Hunden – und Kinder, die freudig winkend die Straße entlang rannten.

Ein Tagesausflug führte uns für 175Q (20€) nach Semuc Champey. Dort stapften und schwammen wir mit einer Kerze in der Hand durch eine Höhle, erklommen in dieser einen Wasserfall und sprangen von einer Klippe ins Wasser. Eine Schaukel in den Fluss, ein Sprung vom Wasserfall, eine kurze Wanderung auf einen Aussichtspunkt und das Baden in den natürlichen Pools gehörten genauso zum sonnigen Tag wie das leckere Essen. Abends fand dann eine Silvesterparty im Zephyr Hostel mit BBQ, Trinkspielen und kleinem Feuerwerk statt. Es war schön, Freunde um mich zu haben und trotzdem war ich froh, im benachbarten, ruhigeren Vista Verde genächtigt zu haben, in das ich mich irgendwann zurückziehen konnte, denn der Jahreswechsel sorgte tatsächlich zum ersten Mal für Heimweh. Neujahr begann mit einer riesigen Spinne in meinem Bett und daher sehr früher Flucht. Den Tag verbrachte ich in der Hängematte und am Pool und später dann im Bett. Nach und nach raffte uns alle eine ganz miese Magen-Darm-Erkrankung dahin, die uns auch Tage später erneut zu schaffen machte. Ob es Parasiten aus dem Fluss, Keime im Essen oder eventuell Eiswürfel aus Trinkwasser waren, wissen wir nicht. Sicher ist nur, es ist fürchterlich anstrengend.

Trotzdem ging es am nächsten Tag nach Antigua weiter. Im Selina Hostel ließen wir uns nieder, um von dort aus verschiedene Unternehmungen zu starten und dazwischen im tollen Garten zu entspannen. Die Stadt ist wunderschön. Die Straßen sind gepflastert, die Gebäude – wenn auch zum Teil heruntergekommen – interessant und es gibt ein paar sehr gute Cafés und Restaurants. Meine persönlichen Favoriten sind die Amanecer Juice Bar und das Samsara. Beide arbeiten mit frischen, vegetarischen/veganen Zutaten und sind eine herrliche Abwechslung zum gegrillten Hähnchen mit Reis oder Kartoffeln. Im Centro de Formación de la Cooperación Española en la Antigua gibt es neben einer tollen Fotoausstellung über die Leute des Landes auch eine Ausstellung zur Biodiversität der hiesigen Wälder und Vulkanlandschaften.

Das Abenteuer suchten wir auf dem Acatenango (guided tour mit Gilmer Soy). Dabei handelt es sich um einen der vielen Vulkane der Gegend und die höchste Erhebung Mesoamerikas. Auf nur 5km Wanderung kommen 1600 Höhenmeter bis zum Gipfel. Das war eine harte Angelegenheit, nicht zuletzt auf Grund des Untergrunds aus Vulkangestein, der beim Aufstieg oft auf zwei Schritte vorwärts einen rückwärts folgen ließ. Doch die krassen Wechsel der Flora und Fauna während des Aufstiegs begeisterten währenddessen. Auf 3600m schliefen wir in Zelten mit Blick auf den Volcán del Fuego, dessen anhaltende kleine Eruptionen das ganze Basecamp wackeln und feine Asche vom Himmel regnen ließen. Nachts sah man dann auch die glühend rote Lava. Meine Fotos zeigen nicht annähernd, was für ein wahnsinnig beeindruckendes Naturschauspiel das ist. Die letzten 300 Höhenmeter erklommen wir früh um 4 Uhr, um den Sonnenaufgang hinter dem Volcán del Agua bestaunen zu können. Vom Gipfel des nur knapp unter 4000m hohen Acatenango sieht man außerdem den Pazifik, die Städte Antigua und Guatemala, die anderen Vulkane der Bergkette und den Lago de Atitlán, unser darauffolgendes Ziel.

Das Hostel Free Cerveza in Santa Cruz La Laguna (Der Name ist Programm von 5 bis 7 jeden Abend!) schliefen wir in Zelten und genossen die Sonne und die Aussicht auf die Vulkane. Von hier aus kann man alle Dörfer entlang des Ufers besuchen. Ich schnappte mir mit Riley das Hostel-Kayak und paddelte nach San Marcos La Laguna, wo wie überall die Touristen das Seeufer in Beschlag nehmen und die traditionellen Dörfer weiter oben am Hang liegen. Kleine Boote, die sog. „lanchas“ bringen einen auch nach San Pedro La Laguna, einer Stadt, von der aus man den gleichnamigen Vulkan besteigen kann. Man erreicht den See mit privaten Shuttles von Antigua nach Pana, wo man in die lanchas umsteigen kann (90Q Shuttle/15Q lancha).

Um nach Honduras, El Salvador oder Nicaragua weiterzukommen, kann man Busse bzw. Shuttles von Antigua oder das Flugzeug von Guatemala-Stadt nehmen. Doch das, im nächsten Eintrag…

 

 

— English version —

While traveling in Guatemala I came along some things I already knew from Mexico and Belize. Some of these are very different to the life in western civilizations. Life takes part in the streets or at least directly in front of the houses, including cooking and eating. People still wash their selves and their clothes in rivers. There are no taxis but lots of tuk tuks in towns. In rural areas people are transported with pickup trucks which looks a bit like animal transport. Three to four persons fit easily on one motorbike and even the youngest kids know how to stand on their parent‘s bikes without falling down while driving. Chicken are tradet in plastic bags and tied to save them. Guatemala has no proper police but a lot of private security. Same with the government. The people try to manage their selves and some still fight for a change. Public buses are meant to be unsure (accidents and robberies) so I decided to travel with private shuttle buses instead. I wanted to visit three different regions of different kinds.

My first destination has been Flores, a tiny town on an island in the Lake Petén-Itzá. I met my „Christmas family“ there and because of us having the same plans we decided to travel together. I arrived in one of the suburbs of Flores and needed to change from the bus to a shuttle (included in the prize they charged me at the bus). But this was too small for all and so I ended up in a tiny tuk tuk with two others and our huge backpacks. Flores is a small town with an own spirit on that island in the middle of the lake: lots of cute cobble stoned streets and nice places next to the water. I highly recommend the BBQ at the restaurant right at the end of the bridge reaching the island. Had delicious spare ribs there two nights in a row. 😉

All the accommodations and a lot of agencies offer tours to Tikal. Transfer, entry and guide are 250 Quetzales (35USD) and the sunrise tour is 350Q/50USD (Attention: Tickets for the sunrise tour must be bought at the bank in the mall on the other side of the bridge because ticket counters in Tikal are closed so early in the morning.). For that the shuttle leaves at 3am and so I didn‘t even go to bed before. After a walk through the jungle in the dark you climb the most westerly temple of Tikal to watch the sunset from its platform. The jungle awakes (monkeys and birds) and the ruins appear slowly in the upcoming light. It‘s magic! Afterwards the guide showed us around and gave some information about Mayan life. We climbed some of the ruins as well. They are huge. But all I did was fighting to stay awake. A short nap at the central place was the best thing ever that day. 😉

All the Hostel‘s staff is very helpful – even though you don‘t sleep there. The most famous place to stay is Hostel Los Amigos. Make sure to book early. We took a private shuttle to Lanquín but that broke down and we spent 4 hours next to a petrol station (at least with toilet and good lunch nearby) waiting for another one. During the drive the landscape changed: We crossed rivers, passed fields and free running pigs – nice change to all of the dogs – and ended up in a mountain range which looked so much different to everything else I‘ve ever seen before.

A day trip took us to Semuc Champey. We waded through water into a cave, with a candle in one hand and the other one free for climbing passages. We could even climb um a waterfall and jump of a rock into the water in the far end of the cave. Out again, we used a rope swing into the river and jumped of a waterfall. We climbed to a lookout and took a bath in the natural pools. The delicious BBQ made the day perfect. It ended with a New Years Eve party at one of our hostels (Zephyr). Though I really liked to celebrate again with my „Christmas family“, I was glad I could sneak out and sleep at the quieter Vista Verde. I guess it was the first time with proper homesickness on my journey. I woke up New Year with a huge spider in my bed that made me jump out and not return until I got very sick that evening. Most of our group got it – and for second times later again – and we can just guess if it was parasites in the water, bad food or ice cubes out of tab water. But it is exhausting for sure.

We left for Antigua the very next day though. It is a lovely town with cobblestoned streets and beautiful houses. Some old and almost ruins – same for the churches – but absolutely adorable. Besides there‘s a bunch of nice cafés and restaurants, even vegetarian/vegan ones, a nice change from chicken with rice.. My favourites were Amanecer Juice Bar and Samsara. At the Centro de Formación de la Cooperación Española en la Antigua there‘s nice photo exhibition about Guatemala‘s people and an excibition about the biodiversity of the nearby forests and volcanos. We stayed at Hostel Selina and used the town as base for several trips.

One – our adventure – was to climb the Acatenango (guided tour with Gilmer Soy). It is a volcano and highest point of Central America. It has been just 5km to reach the summit but 1600m elevation. We stayed at a base camp facing el Vulcán del Fuego which was very active and made us see lava all night. At 4am we climbed the summit and watched the sunset behind Vulcán del Agua. We could also see the Pacific, the full volcano range and Lake Atitlan – our following destination.

We stayed at the hostel Free Cerveza in Santa Cruz La Laguna (There is free beer every day from 5 to 7pm!). We slept in big tents, enjoyed the sun and the views over the lake and the volcanos and went on different small trips. With the so called „lanchas“ – or the hostel‘s kayak – every town at the shore can be reached. I went to San Marcos La Laguna where tourists stay at the lake and further up the hill the traditional village can be found. That‘s the same everywhere at the lake. From San Pedro La Laguna, the most visited one, you can go for a hike up to the summit of the volcano. The lake can be reached by private shuttle (90Q) from Antigua to Pana where you need to change to the lanchas (15Q).

Leaving for Honduras, El Salvador or Nicaragua is possible by bus or shuttle from Antigua or by plane from Guatemala City. That‘s next…

Maren

- Lehrerin auf Abwegen - Der Sommer wird für mich von August 2017 bis August 2018 anhalten, weil ich ein sog. Sabbatjahr einschiebe, um endlich das Reiseziel Südamerika anzusteuern. Was sollte da näherliegen, als in Nordamerika anzufangen, um über Zentralamerika den Süden zu erreichen? ;)

2 Gedanken zu „Guatemala

  1. Mal wieder ganz tolle Bilder. Pass weiter gut auf Dich auf.
    Dein Reiseabschnittsgefährte lungert eben neben mir rum 😉 – Kindergeburtstag halt.

    LG
    Frank

    1. Mein Reiseabschnittsgefährte soll nicht rumlungern, sondern sich darum kümmern, alles fertig zu haben! 😉
      Bin neidisch auf die Geburtstagskuchen. Könnt ihr mir dann einen herbeamen, bitte?! 🙂
      Liebe Grüße zurück!!!

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