Unterwegs in Mexiko / Traveling in Mexico

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In Mexiko wollte ich etwa vier Wochen bleiben, doch ich blieb dann deutlich länger, weil mich das Land, seine Leute, die Vielfalt an Aktivitäten, andere Reisende und das Essen zu sehr festhielten. Die Landschaft ist auf Grund der Größe des Landes sehr vielfältig. Es gibt vier Meere, mehrere Gebirge und Hochplateaus, sehr unterschiedliche Städte und natürlich auch kleinere Preis- und Kulturunterschiede. Generell ist Mexiko von Korruption und politischer Unzufriedenheit geprägt, ein Wandel wird erhofft, doch nicht wirklich erwartet. Es gibt ein paar wenige sehr reiche, einige in den Städten, denen es ganz gut geht, doch der große Rest kämpft eher um einen passablen Lebensstandard. Auf dem Land sieht Vieles aus europäischer Sicht sehr einfach bis heruntergekommen aus, Häuser haben keine Türen, sind beinahe leer und gekocht wird draußen. Kinder werden einfach so im Arm herumgetragen und Landwirtschaft wird noch ohne die heute gängigen Technologien betrieben. Generell traf ich sehr viele sehr freundliche und hilfsbereite Leute und war ich überall willkommen.

cocina traditional

In den Städten findet man sich meist schnell zurecht. Viele sind in Blocks und Viertel unterteilt und es gibt überall einen zentralen Platz, den Zócalo, an dem man sich orientieren kann. Die Straßen haben oft ein bestimmtes Verkaufsthema, das heißt, es gibt mehrere Geschäfte, die die gleichen Waren anbieten, wie zum Beispiel eine Straße mit Klamotten, eine mit Elektroartikeln, usw. Zusätzlich gibt es Handwerks- und Lebensmittelmärkte, die generell auch einen Bereich haben, wo man viele Essensstände findet. Die findet man jedoch auch überall auf der Straße (Genauso wie Schuhputzer). Am besten ist das Essen immer dort, wo ältere Frauen kochen und viele Einheimische sitzen. Das habe ich ausgiebig getestet. 🙂 Auf den Märkten oder auch beim Taxifahren kann man um Preise verhandeln. Übertreiben sollte man es aber nicht, denn es bringt meiner Meinung nach nichts, um ein paar wenige Cents zu streiten, die es in Euro umgerechnet letzten Endes nur sind. Was ich auch nie mache, ist etwas von Kindern zu kaufen, denn die werden oft von ihren Eltern auf die Straße geschickt, statt in die Schule, bzw. gehen lieber Geld verdienen, als zu lernen. Sobald sie nicht mehr süß aussehen und die Leute aufhören, bei ihnen einzukaufen, ist deren Leben quasi vorbei. Beim Thema Geld kann man hier manchmal aber auch durchdrehen, denn die Geldautomaten werfen in der Regel nur 500-Pesos-Scheine aus, die dann kaum jemand annimmt. Generell hört man ständig: „No cambio“, kein Wechselgeld. Man muss dann einfach drauf bestehen und warten, dass es irgendwo aufgetrieben wird.

street food

Woran man sich als Europäer oder Nordamerikaner auch erst einmal gewöhnen muss, ist dass das Wasser aus der Leitung kein Trinkwasser ist. Immer mehr Städte sorgen mittlerweile für mehr oder weniger sauberes Wasser, das heißt Händewaschen, Duschen und Zähneputzen ist alles kein Problem. Vom Trinken wird aber weiterhin überall abgeraten. Was man bezüglich Wasser auch nicht darf, ist das Klopapier in der Toilette hinunterspülen. Hier kommt alles in den Müll. Vielleicht erscheint das für Manche erst einmal etwas verstörend, aber keiner mag verstopfte Toiletten, also gewöhnt man sich sehr schnell daran. Das dritte sind Bilder wie dieses, ein angebundener Hahn, der auf den Heimweg vom Markt mit dem (neuen) Besitzer wartet. Außerdem gesehen: Hühner in Boxen, Bussen, Plastiktüten, auf Motorrädern, gestreichelt von Kindern, …

chicken

Der Straßenverkehr ist ebenfalls gewöhnungsbedürftig. In großen Städten, kann man zum Teil nicht richtig atmen, weil die Abgase der tausend Autos einen gefühlt ersticken lassen. Da ist auch alles verstopft und gleicht einem großen Durcheinander. Generell gibt es zwar viele Schilder und Ampeln, aber keine ersichtlichen Regeln. Straßenführung, Vorfahrt oder Ähnliches, tritt hier meistens außer Kraft. Aber wenn man zum wiederholten Mal zu sechst in ein klappriges, kleines Taxi einsteigt oder sich im Bus mit fremden Kindern oder Taschen zugebaut wiederfindet, schert man sich nicht mehr um Dinge wie Anschnallen, Tempolimits und Verkehrsordnung. Spätestens, wenn auf einem der vielen „Topes“ – Rampen zur Verkehrsberuhigung – ein Teil der Karosserie verliert, das dann einfach zu den Passagieren in den Kleinbus eingeladen wird, verliert man jeglichen Bezug zu einstigen Gewohnheiten im Heimatland.

Das öffentliche Transportnetz ist super ausgebaut. In der Hauptstadt gibt es die Metro, sehr günstig, alle zwei Minuten abfahrend und sogar mit extra Abteilen für Frauen und Kinder. Reisebusse gibt es in allen Preis- und Qualitätsklassen und fahren in der Regel zuverlässig und pünktlich. Ich nutzte meistens ADO, den größten Anbieter, der auch um Gepäcksicherheit und Co. sehr bemüht ist. Über eine App kann man, wenn man Glück hat Tickets buchen (die deutschen Kreditkarten werden nicht akzeptiert) oder reservieren. Allein, um zu schauen, wann Busse fahren, ist sie sehr praktisch. Ab 7 Stunden lohnt es sich, einen Nachtbus zu nehmen, denn dann verschwendet man keinen Tag. Aber Achtung, die Klimaanlagen sind in den allermeisten Fällen so kalt eingestellt, dass man mit langer Kleidung und Mütze/Schal fahren sollte. Kürzere Strecken oder ländlichere Gegenden fährt man mit den „Colectivos“ (Kleinbusse) oder im unwegsamen Gelände mit „Camionetas“ (Pick-up Trucks) an. Diese fahren rund um die Uhr immer dann, wenn sie (fast) voll sind. Unterwegs werden entlang der Straße weitere Personen eingesammelt und man kann den Fahrer überall bitten, anzuhalten, um auszusteigen. Auch Taxis kann man sich mit anderen in der Art der Colectivos teilen und die Fahrten damit sehr günstig halten. In jeder Stadt gibt es öffentliche Taxen, die man an der Farbe und den in die Fenster gepinnten Lizenzen erkennt. Vor allem nachts und wenn man alleine ist, bietet es sich an, sich von Unterkünften, Restaurants und Co. Taxen rufen zu lassen. An Flughäfen und Busterminals wird man vom Personal direkt in die Taxis geleitet. Meistens geben die Fahrer sofort per Funk an die Zentrale durch, wohin sie dich bringen. Ich habe mich immer sicher gefühlt. Wenn man aber doch unsicher ist oder etwas kontrollieren will, gibt es ja die Möglichkeit, die Fahrt via Kartenmaterial und GPS zu verfolgen.

Unterkünfte bekommt man fast überall recht leicht. Es gibt Hostels, Hotels und Pensionen aller Preis- und Qualitätsklassen und werden entweder vor Ort leicht gefunden oder können über Plattformen wie booking.com und hostelworld.com gebucht werden. Außerhalb der Weihnachts- und Osterfeiertage sollte es nicht zwingend notwendig sein, Unterkünfte vorab zu buchen. Die Preise vor Ort und übers Internet sind meist sehr ähnlich bis identisch, sodass es nicht unbedingt wichtig ist. Zu zweit sind private Zimmer oft preiswerter als Betten im Schlafsaal, daher lohnt sich ein Vergleich. Außerhalb der größten Städte und Touristenhochburgen kann man meist nicht mit Kreditkarte bezahlen. „En efectivo“, bar, müssen die Gebühren beglichen werden. Das gilt auch für die meisten Geschäfte und Restaurants. Die andere Variante ist es, als Couchsurfer unterzukommen. Für mich war es meist super leicht, Gastgeber zu finden, die meisten sind jedoch Männer. Manche Unterkünfte haben einen Wäscheservice, in der Regel gibt man seine Klamotten jedoch in einer „lavandería“ ab, die noch am selben oder zumindest auf den nächsten Tag waschen, trocknen und zusammenlegen. Die Kosten halten sich dabei bei etwa 30 Pesos für bis zu 3kg und 10 Pesos mehr für jedes weitere Kilo sehr in Grenzen.

lavandería

Was kann man tun in Mexiko? Je nach Gebiet gibt es Kolonialstädte oder archäologische Zonen zu besichtigen, Wasser- und Tauchsport ist an den Küsten möglich, Wandern und Campingausflüge im Bergland. Zum Thema Tier- und Pflanzenwelt wird man auch überall fündig und das Tolle ist, dass es für alles und überall Tourenanbieter und Transportmittel gibt. Letzten Endes muss man nur den Reiseführer oder das Internet befragen und vor Ort mit offenen Augen und Ohren durch die Straßen gehen, sowie sich in der Unterkunft oder im Bus mit anderen Reisenden und natürlich den Einheimischen unterhalten. Langweilig war mir nicht ein einziges Mal!

Zuletzt noch das Thema, das viele Europäer sehr beschäftigt, die Sicherheit. Mexiko ist sehr bemüht um die Sicherheit, denn im Ausland wurde in den letzten Jahren fast ausschließlich Negatives berichtet. Geschäfte, Busunternehmen und Hotels haben private Sicherheitsleute, in den Straßen patrouillieren Polizei und seltener Militär. Es wirkt recht angenehm, nicht beängstigend. Die Türen und Fenster im Erdgeschoss der Häuser sind zumeist mit Gittern versehen und haben mehrere Schlösser. In vielen Städten ist es recht ruhig und schön, sofern man in den entsprechend „besseren“ Gegenden bleibt. In der Gruppe und seltenst war ich auch nachts unterwegs, da in meiner Reisezeit der Sonnenuntergang schon so früh war. Generell sollte man sich also einfach informieren, wo man tagsüber und nachts bedenkenlos unterwegs sein kann. Worauf man unbedingt achten sollte ist das eigene Gepäck. Der große Backpack mit Klamotten wird nicht geklaut, weil zu schwer und zu auffällig. Aber Wertsachen und kleine Taschen sollte man immer direkt am Körper tragen. Ich wurde einmal im Nachtbus beklaut, andere in Cafés oder auf der Straße. Von Waffengebrauch habe ich nicht einmal etwas mitbekommen. Ein Gefühl von Angst kam bei mir und gelegentlichen Mitreisenden nie auf, aber die Vorsicht sollte nicht nachlassen.

Mein Fazit: Mexiko werde ich in sehr guter Erinnerung behalten, die angefutterten Kilos noch eine Weile mit mir herumtragen und ich empfehle es jedem (der Spanisch spricht) als Backpackerreiseland.

 

 

— English version —

 

I originally wanted to spend four weeks in Mexico but in the end I stayed a lot longer. I am fascinated by the country, its culture, activities, people and the food. Due to the size of the country the landscape is various. You can visit four seas, several mountains and plateaus, very different towns and cities. Traveling along there are changes in prices and culture. In general Mexico is characterized by corruption and political discontent. People hope for a change but do not really believe in it coming soon. There‘s a few very rich people ruling the country, some with quite good lifes and a lot of poor people. In the countryside a lot appears very simple and run-down. People live in almoust empty houses with no doors and cook outside. They carry their children around and there‘s hardly any technology used for farming. Almost everywhere I met very friendly and helpful people and I was very welcomed.

Because the cities are built in squares it‘s easy to find your way through the streets. Each town has its „zócalo“, a cental place, which helps searching for directions as well. In general each street has its special topic for selling. One street with shops for clothes, others for shoes, glasses, eletronic equipement, and so on. Food and craft markets can be found everywhere. In between there‘s a lot of streetfood. I usually got the best meals at old women‘s market or street food places. 🙂 In markets and using taxis you can talk about prices. But remember it‘s not worth it to fight for a few cents. As well not recommended is to buy anything from children. They are forced to sell things to tourists by their parents instead of going to school. As soon as they‘re not cute anymore and people don‘t buy anything they have nothing left for life. When it comes to money it can drive one crazy. ATMs just have 500 peso bills but lots of shops, food places and public transport don‘t accept those and cannot give change. You sometimes just need to make them accept and/or change your money.

There are a few things you need to get used to it. First, you should not drink tab water. Cities started to care about the water’s quality so that you can use it for washing and brushing your teeth but it is not clean enough to drink. Second, you‘re not allowed to flush toilet paper but need to put it into the bin, if there‘s toilet paper at all. And third, sometimes chicken can be found everywhere: in boxes, buses, plastic bags, tied to a lamppost, carressed by children, …

Traffic is different as well. In bigger cities it‘s impossible to breathe due to all the old cars and their pollution. Rules as red lights and signs are hardly ever noticed. After several bus rides with other people‘s bags and kids on your lap and taxis filled with twice as many persons than seats you don‘t care anymore about seatbelts, speed limits and rules. It happens that busses lose parts of the car body while passing some bumps but the driver just loads it to the passengers and goes on. Public transportation is quite good in Mexico. The capital has a metro running every two minutes and with special waggons for women and children. Coaches are available everywhere, in every quality and with different prices. ADO is the biggest company that runs busses all over Mexico and into the neighbouring countries. They are comfortable and mostly save for you and your luggage. In using the application it is easy to look up schedules, make reservations and maybe buy tickets (German credit cards are not accepted). As soon as the drive lasts for more than 7 hours it is better to take an over night bus to save a day. But take care of your health, the A/C is usually on full power so it get‘s freezing cold in the bus. Shorter trips can be managed with „colectivos“ (small busses) or „camionetas“ (Pick-up trucks). They wait as long as it takes to be filled with people and the driver stops along the route to pick up more people or let you jump off. Taxis are more comfortable and in cities a good way to avoid longer walks or dangerous areas. They‘re not expensive and can be shared with others. Each town has its own colours for the taxis and the driver‘s license is located in the window. Accomodations, restaurants and bars call a taxi for you whenever you need one. Usually the drivers are in contact with their office and tell where they go to. If you‘re unsure of the right way use offline maps and GPS to follow your track and tell the driver if he goes wrong.

In all the areas I‘ve been to I never had a problem to get any nice accomodation. There‘s lots of backpacker hostels everywhere (hostelworld.com) and booking.com helps out with the rest. Besides christmas and easter holidays it is not necessary to book in advance except you want to be sure about which bed you get. Prices are more or less the same if you book online or just ask for a bed in the accomodation. Rooms for two are sometimes cheaper than booking two beds in a dorm, so it‘s worth it to check if you travel with someone. Keep in mind that most of the accomodations do not accept any cards. You need to pay „en efectivo“, means cash. The same is with most shops and restaurants. Another option for accomodation is using couchsurfing.com. It‘s easy to find hosts in Mexico but most of them are men. Almost everywhere you can get your laundry done. Not in the hostels but in lots of „lavanderías“. You often get back your clothes the same or very next day, washed, dried and folded. They charge you approx. 30 pesos for up to 3kg and 10 pesos more each kg.

What to do in Mexico? It depends wich parts you visit. There‘s everything from lovely towns in colonial style, archaeological sites, sportive activities as surfing, snorcheling, hiking and mountainbiking, you can go camping or learn something about plants and animals. A huge amount of companies offer tours and transport. Travel guides and websites are full of advices and at least you can talk to locals and ask them about what to see. It never gets boring!

In the end the most important issue for those who hear just bad news from Mexico: safety. Cities and government try to get a better image. Many shops, transportation companies, hotels and other instituations have private security and there‘s police and sometimes military driving the streets. It feels fine, not scary. Houses have well locked doors and windows with iron railings. Lots of towns are quite and peaceful as long as you follow the rules to stay in save areas and do not walk on your own at night. In groups or save areas I did though because of the early sunset in winter. In general just check with hostel staff or tourist information where to go. Take care of your belongings is the second rule. Big backpacks with clothes and books are too heavy and showy to get robbed. But smaller bags, passport and credit cards are better carried around with patience. In all the time I traveled I didn‘t see or hear about weapons used in robberies. But some phones, wallets and cameras were stolen in buses, cafés and in the streets. I usually felt comfortable but I was careful.

My conclusion: I will keep Mexico in very good memory and will carry around some extra pounds of body weight. I can highly recommend it as backpacker country – as long as you can at least speak a few words in Spanish.

Maren

- Lehrerin auf Abwegen - Der Sommer wird für mich von August 2017 bis August 2018 anhalten, weil ich ein sog. Sabbatjahr einschiebe, um endlich das Reiseziel Südamerika anzusteuern. Was sollte da näherliegen, als in Nordamerika anzufangen, um über Zentralamerika den Süden zu erreichen? ;)

4 Gedanken zu „Unterwegs in Mexiko / Traveling in Mexico

  1. Ein gutes neues Jahr wünsche ich dir und danke für die immer wieder tollen Berichte und Bilder. Freue mich schon auf Weitere und hoffe du hast noch eine gute Zeit!!!

    Judith

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