Yucatán Peninsula (México)

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Meine letzten Stationen in Mexiko fasse ich hier unter der Yucatán Halbinsel zusammen, weil ich nun ein etwas flotteres Reisetempo angeschlagen habe, um etwas voranzukommen, bzw. nur einzelne Anlaufstellen in den Regionen Yucatán und Quintana Roo hatte. Tabasco und Campeche habe ich nur durchfahren. A propos, meine letzte Nachtfahrt endete fast mit dem Verlust meiner Kamera. Die wurde mir nämlich aus dem geschlossenen Rucksack, der an meinem Bein und am Bussitz festgemacht war, geklaut. Davon bin ich allerdings aufgewacht, habe im Halbdunkel gesehen, wer‘s war, den Bus abgesucht und mit Hilfe des Hinweises eines lieben anderen Fahrgastes die Kamera unterm Sitz von zwei angeblich schlafenden jungen Männern gefunden. Also habe mein Eigentum „zurückgeklaut“, mit dem Busfahrer gesprochen und erfahren, dass weitere Schritte im Sand verlaufen würden, und bin dann dankbar für mein Reiseglück dem Bus entflohen. Jetzt bin ich wieder paranoider was die Sicherheit des Gepäcks angeht und schlafe zukünftig stets mit Rucksack auf dem Bauch, sollte ich mal nochmals in den Luxus von einem leeren Sitz neben mir kommen (weswegen meine Beine nämlich den Rucksack nicht wie sonst zwischen sich eingeklemmt hatten).

Zu den schönen Seiten Mexikos, denn davon gibt es viele, wie ihr hier immer lesen könnt. Bei der Anfahrt auf Mérida regnete es in Strömen! >.< Aber ich wäre nicht das „Reisekrüml“, wenn es nicht pünktlich zum Aussteigen aufgehört hätte. Während der Free Walking Tour, die jeden Morgen um 9.30 Uhr bei der Touristeninformation am Plaza Grande startet, fing es wieder an. Doch da es sehr heiß war, störte es mich überhaupt gar nicht. Die Tour hielt sich räumlich sehr in Grenzen, doch die gegebenen Informationen über die historischen Gebäude im spanischen Stil und die Konfrontation der Maya Yucatáns mit den spanischen Eroberern waren gut. Ich traf dabei zum vierten Mal zufällig auf Severin aus der Schweiz und verbrachte kurzerhand den Tag mit ihm. Es ist schon lustig, dass man manchen Menschen beim Reisen immer und immer wieder begegnet und sich andere aus der Heimat kennen (meine Reisepartner Flo und Isabella, zum Beispiel, oder Severin und Fabienne, die ich in San Cris kennenlernte). Die große weite Welt, in der ich unterwegs bin, scheint doch irgendwie fürchterlich klein zu sein. 🙂 Mérida ist keine Schönheit. Trotzdem ist sie Kulturhauptstadt Mexikos 2017. Das einzig schöne Fleckchen ist tatsächlich die Plaza Grande momentan bei Nacht, denn die Weihnachtsbeleuchtung verleiht unglaublich schönen Flair. Außerdem gibt es den Paseo de Montejo, eine größere, aber sehr ruhige Straße voller schöner alter Gebäude – zum Teil auch verfallen – und mit netten Cafés, Bars (Kombucha probiert und für gut befunden) und der besten Schokolade, die ich bis dato gegessen habe – Chocol Haa Maya, produziert im benachbarten Valladolid.

Am nächsten Morgen ging es mit einem kleinen Bus von ADO weiter nach Chichén Itzá, der berühmtesten archäologischen Stätte auf der Yucatán Peninsula. Dort erwarten einen bereits am Vormittag einströmende Massen, doch es war noch relativ ruhig im Vergleich zum Nachmittag. Mein gesamtes Gepäck konnte ich für 100 Pesos/Tag aufbewahren lassen. Kleinere Taschen sind dementsprechend billiger. Beim Eintrittspreis kommen hier zu den üblichen 70 Pesos noch einmal 72 Pesos dazu. Diese gehen wohl in irgendeinen Topf der Regierung. Mit den Erklärungen aus meinem Reiseführer und den wenigen und zum Teil leider nicht mehr so gut lesbaren Informationstafeln (Spanisch, Englisch und eine der regionalen Maya-Sprachen) kam ich auch ohne Guide gut zu Recht. Letzten Endes gibt es so viele geführte Gruppen, dass man auch ohne es zu provozieren, den Erläuterungen der Guides in sämtlichen Sprachen lauschen kann. Außerdem wiederholt sich viel der Geschichte, wenn man einmal mehrere Städte und Stätten besucht hat. Leider kann man in den beiden Cenoten nicht schwimmen gehen, man findet im südlichen Teil der Anlage jedoch Schattenplätze, um etwas zu entspannen. Auch das Besteigen der Pyramide und jeglicher anderer Gebäude ist untersagt. Zum Einen, weil eine Frau hier wohl zu Tode gestürzt ist und um die Ruinen vor den Menschenmassen zu schützen. Auf dem gesamten Gelände kann man neben den Ruinen und der großen Pyramide auch wieder Leguane sehen. Die Männchen machen mitunter durch gewaltige Drohgebärden auf sich aufmerksam. Ich persönlich finde Teotihuacán und Monte Albán sehr viel beeindruckender und auch Palenque hat mir durch den Dschungel mehr gefallen. Aber eine Besonderheit weißt Chichén Itzá dann doch auf: Die Akustik an der Pyramide (klatschende Guides und Gruppen erzeugen interessante Echos) und auf dem Ballspielplatz, wo man über eine weite Distanz das normal gesprochene Wort anderer Personen versteht.

Die Touristenhochburgen Cancún und Playa del Carmen habe ich ausgelassen und bin mit dem Nachmittagsbus direkt nach Tulum weitergefahren. Ich hatte mein Ticket zusammen mit dem des Vormittags in Mérida gelöst. In Tulum gibt es dann gleich wieder Maya-Ruinen. Diese sind sehr klein, bestechen jedoch durch ihre Lage direkt auf ein paar Klippen am karibischen Meer. Aus der kleinen Stadt Tulum kommt man mit dem Colectivo oder dem Fahrrad zur Stätte. Von der Hauptstraße sind es nur wenige Meter bis zu einem großen Platz mit Restaurants, Geschäften, den ersten Ticketschaltern und einem Schuttle zu den Ruinen. Dieses lohnt sich, wenn man mit dem Gehen nicht gerade sehr eingeschränkt, auf keinen Fall. Ein Ticket kann man auch über Automaten lösen, sollte die Schlange an der Kasse zu lange sein. Man braucht jedoch eine Kreditkarte. Die Anlage ist ab der Mittagszeit sehr gut besucht, früh ankommen lohnt sich also. Wenn man nicht gerade zum Höchststand der Flut und kräftigem Wind in der archäologischen Zone ist, kann man in einer kleinen Bucht sogar Baden gehen und auch hier gibt es wieder Leguane und jede Menge Guides, denen man lauschen kann, wenn man sich keiner Gruppe angeschlossen hat. Gleich daneben befindet sich einer der wenigen öffentlichen Zugänge zum Strand (Santa Fe). Der gesamte Küstenabschnitt mit seinen strahlend weißen Stränden und türkisblauem Wasser sind sonst von Hotels und Restaurants zugebaut. Man fährt nur an großen Hecken und Palmen vorbei, ohne das Meer zu sehen. Jedoch kann man überall Räder ausleihen und sich damit vertrösten vor dem „faul am Strand Liegen“ noch etwas Bewegung gehabt zu haben.

Ein zweiter Ausflug mit dem Rad kann zu einer der unzähligen Cenoten führen. Dabei handelt es sich um meist kreisrunde Süßwasserbecken. Sie entstanden durch Einstürze der Decke des riesigen Höhlensystems aus Kalkstein. Ich entschied mich für die Gran Cenote, weil ich vorab gelesen habe, dass dort auch Schildkröten schwimmen. Für 180 Pesos Eintritt kann man das erfrischende Wasser, die Höhlen, Fledermäuse, knabbernde Fische und die immer wieder auftauchenden Schildkröten genießen. Es gibt zudem einen Schnorchelverleih, Schließfächer (30 Pesos), eine Liegewiese und Toiletten. Auch hier empfiehlt es sich, bereits am Vormittag anzukommen, um etwas Ruhe und Platz zum Schwimmen zu genießen, bevor die Reisebusse Halt machen. Einige Tauchshops aus der Stadt bieten zudem Höhlentauchen an. Ich habe neben einfachen, Tropfstein-, Gletscher- und Lavahöhlen nun meine letzte Kategorie, eine Höhle im/unter Wasser auch noch abgehakt.

Ein weiterer Bus brachte mich am nächsten Tag nach Bacalar. Dieses kleine Städtchen liegt an einer 60km langen Lagune mit weißem Kalksand und Wasser in den verschiedensten Türkis- und Blautönen – ein Traum! Das gesamte Angebot bezieht sich hier auf die Lagune. Bootstouren klappern die Cenoten am Rande der Lagune ab, eine Vogelinsel und den Kanal der Piraten, einem Durchgang zur nächsten Lagune und von dort zum Meer. Man kann sich aber auch selbst in Kayaks oder auf Stand-up Paddelboards, die man überall ausleihen kann, auf Entdeckungstour begeben. Liegt die eigene Unterkunft nicht direkt am Wasser, besucht man einen der vielen öffentlichen Badeplätze für wenig bis kein Geld. Es ist insgesamt natürlich voller Reisender, aber sehr viel entspannter als in Tulum. Statt Wellen gibt es hier größtenteils so flaches Wasser, dass man überall einfach aus- oder absteigen und die Füße im weißen Schlamm vergraben kann. Doch Achtung, ist der Himmel wolkenfrei brennt die Sonne erbarmungslos. Das kleine Städtchen hat sonst nicht wirklich etwas zu bieten. Es gibt eine Festung (64 Pesos) und leckeres Streetfood. Ich genoss hier einfach die Ruhe, das Wasser und die Gesellschaft netter Menschen.

Ja, und dann war ich plötzlich/endlich/… an der Grenze zu Belize, in Chetumal. Von hier kann man entweder mit dem Taxi zum Grenzübergang fahren und ihn zu Fuß passieren, um dann auf der anderen Seite mit dem „Chickenbus“ Richtung einer der größeren Städte zu fahren, oder man nimmt ein Wassertaxi auf die Karibikinseln. Das war mein Vorhaben. Im nächsten Eintrag – hoffentlich aus Belize – könnt ihr dann lesen, ob er geklappt hat.

 

 

— English version —

My last destination in Mexico was the Yucatán Peninsula. I wanted to be a little bit faster with travelling an didn‘t want to see the areas where all the people have their Christmas holidays these days. So I skipped Cancún and Playa del Carmen and I passed the regions Tabasco and Campeche during the night. This bus drive was my first time I got robbed. Though my backpack was twisted around my leg someone could open it from under the seats and get my camera. I woke up while he tried to leave and found him in the back of the bus pretending to sleep. My camera was under his seat so I could take it back and everything was fine. The bus driver told me that there‘s not much else to do and I guess that‘s true. I might be a little bit more paranoid again from now on.

Back to the lovely things in Mexico which are really a lot. Arriving in Mérida the heavy rain that guided me there luckily stopped. During the Free Walking Tour which is offered by the tourist information every morning at 9.30 it rained again but it was so hot that I didn‘t care. The tour started and ended at the Plaza Grande and lead through the streets nearby. Though we did not walk very far the guide told us enough about culture, architecture and had some recommendations. I met Severin from Switzerland for the forth time by coincidence and so we decided to spend that day together. There was not much to do or see but we ended up walking along the Paseo de Montejo and found the best chocolate we‘ve ever eaten (Chocol Haa Maya, produced in Valladolid nearby), tried Kombucha and had very good ice cream. Sometimes it‘s very funny how often you ran in the same people in different cities or some you know from home. Flo and Isabella with whom I travelled know each other from some years ago, Fabienne and Severin have the same friends and you can always meet someone from your home town. Our big, wide world seems to be very small sometimes.

The very next morning I took a bus (ADO again) to Chichén Itzá, the most famous archaeological site in the area. I was welcomed by lots of people though it was in the morning. But compared to the masses in the afternoon it was all fine. I could store my luggage for 100 pesos/day. Smaller bags are cheaper. Besides the 70 pesos entry free I had to pay another 72 for the government. I visited the site with the information in my travel guide, the signs in English, Spanish and a Mayan language (Not everyone is still good to read.) and listened to some explanations of passing private guides. In the end the history is almost the same as it was in the other places I‘ve visited. It‘s not possible to swim in one of the cenotes but the southern part of the zone has some places to relax under some trees. Climbing any of the buildings or the huge pyramid is prohibited. A woman fell to dead some years ago and the ruins would not stand the human masses. But you can watch the iguanas enjoying the sun instead. I liked the ruins I‘ve visited before more than Chichén Itzá, but one fact is really special: The acoustics in the ball game place which makes you understand a normal spoken word of a person on the far end and the echo next to the pyramid.

In the late afternoon I took the bus to Tulum. I bought this ticket in Mérida as well. I could not see any place to buy one in Chichén Itzá. There‘s some archaeological zone in Tulum as well. I highly recommend to visit those in the morning, later it is so crowded that it‘s not much fun to walk there and it‘s hard to see anything. The site is very small but special. Some of the buildings are located on cliffs and you can enjoy a lovely view. Even a small beach is part of the area. It is closed during high tide. Tickets are 70 pesos. You can get them at two machines as well (just with credit card). From town you can easily reach the ruins by colectivo or bike. One of the few public accesses to the beach (Santa Fe) is just a 5min walk from the exit. The whole coastline of Tulum is full of hotels, restaurants and bars so that it is almost impossible to see the white sand and turquoise water. But with the rental bikes you can drive to one of the public beaches.

The second possibility to spend half a day is swimming in one of the cenotes. Cenotes are round fresh water holes which emerged after collapsing limestone surfaces. The whole peninsula is undermined so that there are lots of cenotes, tunnels and under water caves. I decided to visit the Gran Cenote because there are some turtles swimming in the water with you. The entrance free is 180 pesos. There‘s showers, bathrooms, a picnic area, place to relax and lockers (30 pesos). The water is so clear that it is possible to see almost everything, but you can also rent some snorkelling equipment. Some guided tours to dive the caves can be booked in Tulum. I recommend to go there in the morning as well to have space to swim and relax. If you‘re afraid of fish and bats, don‘t go there. 😉 I really enjoyed myself and after usual caves, some with stalactites, a glacier and a lava one I now saw a cave from inside/under the water as well.

Another ADO bus took me to Bacalar which was highly recommended by different people living in Mexico. The small town lies on the shore of a 60km long lagoon with white sand (limestone) and many different shades of blue water – like out of a dream! All the activities are related to the lagoon. Lots of boat trips are available along the road and finding an accommodation with own swimming place is easy. If not, there‘s public places (almost) for free. Three cenotes are located at the side of the lagoon and the canal of the pirates is the place to swim and relax in the water. Kayaks and stand-up paddle boards are for rent and everything is a little bit more relaxing than everywhere else. I liked to stay outside during sunrise. It was a foggy morning but very special. Most of the day the sun burns very hot except there‘s some clouds and lots of wind. There’s not much more in that small town, except a fort and some good streetfood. I just enjoyed myself, the water and good chats with people in the hostel.

Well, and then I suddenly/finally/… went for the border to Belize. I wanted to take a water taxi from Chetumal to tje pacific islands San Pedro and Caye Caulker. The other option would be to cross the boarder by taxi and „chicken bus“ and drive to Belize City. Let‘s see how that worked out…

Maren

- Lehrerin auf Abwegen - Der Sommer wird für mich von August 2017 bis August 2018 anhalten, weil ich ein sog. Sabbatjahr einschiebe, um endlich das Reiseziel Südamerika anzusteuern. Was sollte da näherliegen, als in Nordamerika anzufangen, um über Zentralamerika den Süden zu erreichen? ;)

2 Gedanken zu „Yucatán Peninsula (México)

  1. Tropische Weihnachten. Kein „Stille Nacht“, kein Weihnachtsmarkt und nix Glühwein. Einmalig und sicher auch ein bisschen komisch. Genieße es. Hier geht um 16:31 Uhr die Sonne unter.

    Frohe Weihnachten und halt die Ohren steif.

    Liebe Grüße
    Frank

    1. Guten Morgen (in meinem Fall),
      du hast Recht, der Weihnachtsmarkt, Glühwein und Bredla fehlen! Da ich die Weihnachtstage jedoch mit ner Gruppe Australier verbringe, die das nicht anders kennen, erinnert mich niemand dran und es ist einfach nur anderes. Auch wenn ich nächstes Jahr wieder daheim auf Schnee hoffen und Kinderpunsch statt Rumpunsch trinken werde, genieße ich es doch mit den Füßen im Wasser an der Bar zu sitzen und mir nur über eine Sache Gedanken machen zu müssen: Täglich mehrmals die Schicht Sonnencreme erneuern!!! 😉 Doch falls es den Neid etwas eingrenzt… Heute ist es komplett bewölkt und wir haben, was die hier eine Kaltfront nennen – keine Sonne, Wind, trotzdem 27 Grad. *hihi*
      Liebe Grüße an alle und ein schönes Weihnachtsfest,
      Maren

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