Chiapas (México)

An Oma senden
Die Region Chiapas wurde mir vielfach von Mexikanern empfohlen. Ein landschaftliches Highlight bot sich mir auch gleich zu Beginn. Der Nachtbus brachte mich bzw. uns, denn Isabella und ich reisten immernoch zusammen, nach Tuxla Guitérrez. Dort ging es zunächst mit dem Boot in den Cañón del Sumidero. Es war ein wunderschöner Vormittag, doch der Fahrtwind und die Schatten werfenden Wände der Schlucht brachten uns nach einer Woche Hitze an Oaxacas Küste erst einmal zum Frösteln. Wir waren gut 1,5 Stunden auf dem Wasser, sahen viele Vögel, Affen und interessanten Bewuchs an den zum Teil senkrechten Felswänden. Später konnten wir noch von einigen Aussichtspunkten auf den bis zu 1000m tiefer liegenden Fluss und die Stadt blicken. Die Tour kann man für ca. 500 Pesos all incl. (egal, ob eine oder zwei Personen) über die meisten Hotels buchen. Unser Guide hat uns nicht wirklich viel erklärt, was wir nicht auch selbst hätten herausfinden können. Man bezahlt ohne Guide die Bootstour beim jeweiligen Anbieter und 32 Pesos Eintritt zum Nationalpark. Man bekommt ein Eintrittsbändel ans Handgelenk, mit dem man dann den ganzen restlichen Tag noch im Gebiet bleiben kann.

Den Mittag verbrachten wir – vom Guide kutschiert, aber allein gelassen – in Chiapa de Corzo. Das ist die erste von den spanischen Eroberern gegründete Stadt Mexikos, doch neben diesem Fakt absolut nichts Besonderes. Allerdings trafen wir hier Unmengen der so genannten „Antorchistas“. Seit ich Mexiko-Stadt verließ fuhren immer wieder Radfahrer mit riesigen Heiligenstatuen gen Südosten und überall in Oaxaca und Chiapas sahen wir die Tage hunderte Fackelläufer, die Antorchistas, die Straßen entlang rennen. Viele Taxi- und Busfahrer erklärten, dass verschiedene Gruppen, Familien, Dorfgemeinschaften usw. wochenlang und kilometerweit Fackeln und Bildnisse der Jungfrau Guadalupe zu den ihr geweihten Kirchen und Kapellen tragen. Der eigentliche Wallfahrtsort liegt in einem Stadtteil Mexiko-Stadts, doch viele rennen auch dort los und ärmere Menschen können sich eine Reise dahin nicht leisten und laufen in eine näher liegende Stadt mit einer Kirche, die der mexikanischen Schutzpatronin geweiht ist.

Im richtigen Feiertaumel diesbezüglich kamen wir dann in San Cristóbal de las Casas an, denn wir erwischten den 12. Dezember, den Feiertag der Lieben Frau von Guadalupe, sowie alle Aktivitäten, die schon am Vortag stattfanden. Das bedeutet, die Stadt war voller Menschen, den Antorchistas natürlich, aber auch vielen anderen Besuchern. Es gab eine „Fressmeile“ samt kleiner Kirmes am Fuße der Kirche und Zeremonien in dieser. Auch im benachbarten Chamula gibt es eine der Guadalupe gewidmete Kirche, wo wir am Vortag schon die Rituale mitansehen durften. Fotos machen war allerdings verboten. In beiden Städten und Kirchen gab es unglaublich viele Bildnisse und Statuen, zum Teil in mexikanischen Farben beleuchtet, viele Blumen und Kerzen und dann vor allem die Rufe, Gesänge und Musik der Pilgergruppen, die durch die Straßen rannten oder auf Knien in die Kirchen rutschten. Manchmal erschien es wie ein riesen Durcheinander oder war auch sehr anstrengend, denn die voll dekorierten Autos fahren mit Sirenen und Gehupe durch die Straßen und es werden ständig sehr laute selbstgebaute Böller und Raketen gezündet. Wir wurden fast ausgelacht, weil wir uns Taschentücher in die Ohren stopften, um dem Lärm im Kopf etwas zu entgehen. Nach Chamula und zurück ist es nicht weit. Es fahren Colectivos für 18 Pesos, aber auch ein Taxi wäre – wenn man es teilen kann – noch preiswert.

In San Cristóbal gibt es unglaublich viele Unterkünfte aller Art. Wir landeten in einem brandneuen Hostel mitten im Zentrum, das sich hoffentlich bald der dauerhaft ausgebuchten Betten erfreut, denn wir bekamen mit, wie viel Energie, Zeit und Liebe in den letzten Zügen hineingesteckt wurde. Auch das kulinarische Angebot der Stadt lässt kaum Wünsche offen. Es gibt neben der klassischen mexikanischen Küche viele vegetarische und vegane Cafés und Restaurants und eine „Suppenküche“ zum absoluten Sattwerden. Außerdem kann man – wie generell in Mexiko – sehr leckere Schokolade bekommen und „Kaba“ trinken gehen. Wer gerne über Märkte schlendert oder zu den Fußgängerzonenbummlern gehört, wird die Stadt ebenfalls lieben. Der Stadtkern mit all jenem liegt zwischen zwei kleinen Hügeln und daraufsitzenden Kirchen. Und selbst zum zentralen Busbahnhof kann man noch laufen (oder für max. 40 Pesos ein Taxi nehmen).

Weil die Fahrt nach Palenque doch 8-9 Stunden, statt der im Reiseführer angegebenen 5 benötigt, entschieden wir uns, noch einen Tag in San Cristóbal zu bleiben und dann den Nachtbus zu nehmen. So hatten wir zwei volle Tage für die Ausflüge, die von sämtlichen Agenturen auch als Kombination an einem Tag angeboten werden. Das bedeutet aber, dass man sehr wenig Zeit hat. Auf eigene Faust loszuziehen erschien lukrativer und ist durch ständig verkehrende Colectivos überhaupt kein Problem. Tour 1 ging nach Misol-Ha, einem 35m hohen Wasserfall, in dessen Wasserbecken man schwimmen kann und hinter dem man vorbeigehen kann. Der sehr kurze Weg endet in einer Höhle mit kleinem Wasserfall und Fledermäusen. Für 10 Pesos kommt man hinein, inklusive Taschenlampe. Dazu kommen 30 Pesos Zugang zum Wasserfall. Der zweite Stopp war das knapp 2 Stunden entfernte Agua Azúl. Bei den dortigen „Kaskaden des blauen Wassers“ handelt es sich um etliche Wasserfälle und natürlichen Schwimmbecken von unglaublich toller Farbe. Flankiert wird der Weg den Fluss hinauf von unzähligen Essens-, Kleider- und Souvenirständen. Wie überall gilt: Je weiter man geht, desto ruhiger wird der Trubel. Wir hatten jedoch sowieso Glück und haben einen ruhigen Tag erwischt. An zwei Stellen darf man baden und der Zugang zu den Kaskaden kostet 40 Pesos.

Tour 2 bestand aus den Ruinen von Palenque samt einem Ausflug in den dortigen Dschungel, wo die meisten der Pyramiden und Gebäude dieser historischen Maya-Stätte noch unausgegraben versteckt liegen. Das ist nur möglich durch einen Guide, der die Wege und Gefahren (giftige Pflanzen etc.) kennt. Neben ein paar geschichtlichen Hintergründen zu den zu besichtigenden Tempeln (was man natürlich auch ohne Guide mit Reiseführer und Infotafeln machen kann) lernten wir vor allem auf den Pfaden im grünen Dickicht noch mehr über die Gegend und die Maya. Außerdem weiß ich nun, dass Termiten irgendwie nach Muskatnuss schmecken. 😉

Der Eintritt zur Stätte kostet die üblichen 70 Pesos. Zusätzlich werden schon vorab an der Straße 32 Pesos für den Nationalpark fällig (Davon werden die Forschungen zu den Vögeln und Affen vor Ort finanziert.) und natürlich muss das Colectivo (20 Pesos aus Palenque) noch berücksichtigt werden. Guides gibt es für ca. 1500 Pesos die 3 Stunden Kombination aus archäologischer Stätte plus Dschungel (nach Verhandeln) und dementsprechend billiger, falls man nur eins davon unternimmt (1,5h). Für Amerikaner sind die Preise in Dollar ausgeschrieben und deutlich über dem mexikanischen Preis. Billigere Guides gibt es auch. Dabei handelt es sich jedoch um Kinder und Jugendliche, die statt in die Schule zu gehen, so Geld für ihre Familien verdienen. Für mich kommt es generell nicht in Frage, Kindern etwas abzukaufen oder sie sogar für mich arbeiten zu lassen. Dann lieber etwas mehr bezahlen – der Dschungel war es auf jeden Fall wert und auch auf der Anlage gab es Informationen, die ich nicht auch gelesen habe – oder auf eine geführte Tour verzichten. Man kann das Gelände über einen zweiten Ausgang verlassen. Der Weg dahin führt einige Treppen hinunter, an kleinen Wasserfällen vorbei und endet auf der Straße gegenüber des Museums. Hier sind der Sarkophag des Herrschers und viele Figuren ausgestellt und von da kann man mit dem Colectivo wieder zurück in die Stadt fahren.

Die drei Orte, die wir in der Region besuchten, kann man über Tourenanbieter auch komplett an einem Tag besichtigen. Von San Cristóbal und Palenque aus starten kleine Busse sehr früh am Morgen und bringen einen entweder dahin zurück oder ermöglichen durch Umsteigen das Erreichen der jeweils anderen Stadt. Man spart so zwar einen Tag und einen Reisebus, jedoch wirkten alle, mit denen wir sprachen, sehr abgekämpft und eher kritisch nach diesem Mammuttag. Palenque an sich ist keine Schönheit, aber man kann etwas bummeln gehen, essen, Touren an die guatemaltekische Grenze buchen oder sich die Haare schneiden lassen. 😉

Meine Spezialität der Region ist dieses mal kein Essen, sondern ein Getränk. Agua de Jamaica ist ein Tee aus Hibiskusblüten, der mit mal mehr, mal weniger Zucker verfeinert und dann eisgekühlt serviert wird. Die zuckerarme Variante schmeckt köstlich erfrischend.

 

— English version —

Travellers and Mexicans often told me to go to Chiapas because of its beauty. And arriving there I immediately had one highlight of landscape having a boat trip into the Cañón del Sumidero in Tuxla Guitérrez. Isabella and me – yes, we still travelled together – had a lovely morning on the water and went to some viewpoints above the giant walls later. But the shadows and the wind made us really cold after the hot days at the coast of Oaxaca. We didn‘t really care about because of all the birds, monkeys and interesting plants we discovered. We had a guide booked by the hotel for 500 Pesos (1 or more persons). But he didn‘t tell much more than we could read in our Lonely Planets. If you go on your own, you need to pay 32 Pesos entrance fee for the national park and the ticket for the boat trip.

In between we spent some time in Chiapa de Corzo. This town was the first which was founded by the Spanish conquerors. We didn‘t like it though it is supposed to be nice and charming. Maybe because it was full of people. First of all it was the so called „antorchistas“ who run from different parts of México to churches of the virgin of Guadalupe. We saw some on bikes as well carrying huge statues of her. The original place to make the pilgrimage to is a part of Mexico City but not every group can afford to go there. So they chose other churches of their patroness.

In San Cristóbal we got into the celebrations completely because we arrived the day before their bank holiday to praise the virgin of Guadalupe on December, 12th. The streets were full of people, they had more street food than usually and a small funfair. The church was filled with flowers, colourful lights and the antorchistas coming in on their knees. In nearby Chamula which we visited because of its unique empty church were celebrations on the 11th as well with rituals, food, mezcal and car parades with blowing horns and sirens. It was forbidden to take pictures from the ceremonies but we were right in between. It was very noisy due to self made fireworks and we used tissues for our ears to keep away the headache. Some men looked at us and laughed about us. They thought we‘re crazy I guess. 😉 There are colectivos for 18 pesos to Chamula but if you share a taxi might be fine as well.

San Cristóbal is a lovely town with lots of accommodations of every kind. We ended up in a brand new hostel in the centre which will hopefully soon be booked completely all the time ‘cause we mentioned how much energy, time and love the owners used to finish everything. Food as well is somehow special here. There‘s restaurants and cafés for every kind of taste, even some vegetarian and vegan ones. I pretty much liked one serving lots of different soups. And there was some good chocolatería as well. Hot chocolate tastes a lot better than in Europe. 🙂 Besides we spent hours on a market and in the boutiques of a pedestrian road. Everything between the two churches on the hills on each side of the city centre can be managed by feet. The ADO terminal as well, but with luggage it might be easier to take a cab.

The bus drive to Palenque takes 8-9 hours (not 5 as it was mentioned in the guide). So we spent another day in San Cristóbal and took the over night bus again. There‘s lots of tours to Agua Azúl, Misol-Ha and the ruins in one day. We decided to do it in two. First we took a tour but from Palenque to Misol-Ha, a 35m high waterfall where you can swim, walk behind and visit a small cave with another smaller waterfall and bats (30 entrance to the waterfall and 10 to the cave). Afterwards the small bus took us to Agua Azúl which is lots of cascades of blue water. In two of the natural pools swimming is allowed and the way up the river is flanked by lots of sellers. The more you walk up the hill the less people you meet. Visiting costs 40 pesos.

The next day we took a colectivo (20 pesos) to the Ruins of Palenque. Entering the national park there‘s a fee of 32 pesos (they are used for research in the jungle), the entrance to the ruins is another 70. If you want to go into the jungle you need a guide. There‘s plenty of them but mostly very expensive. We got an offer for 1300 pesos the two of us for 1,5 hours at the ruins and 1,5 in the jungle. It was worth it! Kids offer very cheep tours, but I think it‘s not what you‘re supposed to choose, because these kids should go to school instead of working for tourists. US-Americans can pay with dollars as well but mind the prices, they‘re twice as high… The best parts were definitly the explorations of the jungle nearby. Now I know that termites taste of nutmeg. 😉

All the three places we‘ve seen can be visited in one day from San Cristóbal or Palenque and you can even have a transfer to the other town afterwards. That means you save the over night bus but all those doing it that way looked very exhausted. Palenque is not very special besides the described trips. But nice enough to go shopping, for meals, booking trips to the border to Guatemala or get a haircut. 😉

This time I do not have a special meal of the region to share, but a drink. Agua de Jamaica is tea from hibiscus flowers served on ice and with more or less added sugar. It is delicious and refreshing.

Maren

- Lehrerin auf Abwegen - Der Sommer wird für mich von August 2017 bis August 2018 anhalten, weil ich ein sog. Sabbatjahr einschiebe, um endlich das Reiseziel Südamerika anzusteuern. Was sollte da näherliegen, als in Nordamerika anzufangen, um über Zentralamerika den Süden zu erreichen? ;)

2 Gedanken zu „Chiapas (México)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.