Unterwegs im Westen der USA / Traveling in the United States‘ West

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Alles, was ich in diesem Artikel schreibe, gilt für den Zeitraum Oktober und November. Auf Grund nachlassender Touristenmassen, angenehmeren Temperaturen in Wüstenregionen und preiswerteren Unterkünften, kann ich das Reisen im Herbst nur empfehlen.

Wenn man mit dem Mietwagen im Westen der USA unterwegs ist, unterscheidet sich erst einmal nicht so viel von dem, was ich über Kanada geschrieben habe. Die Regeln des Straßenverkehrs sind mehr oder weniger dieselben und auch hier hat man jede Menge Platz auf den Straßen. Allerdings ist die Verkehrsdichte schon deutlich höher, zumindest auf den Interstates (Autobahnen). Die Autos sind vor allem im städtischen Gebiet deutlich kleiner, ländliche- und Wüstenregionen weisen aber natürlich eine hohe Dichte an Pickup-Trucks auf. Die Wohnmobile (RVs) sind in den USA noch größer als im nördlichen Nachbarland. Aus europäischer Sicht sind die Dinger echt unvorstellbar. Es sind rollende Zweizimmerwohnungen, an die dann auch noch der Truck rangehängt wird, auf dessen Ladefläche die Offroadvehikel oder Motorräder Platz finden. Während die Rastplätze und Mülleimer am Straßenrand seltener werden und es daher nicht mehr ganz so sauber und reisefreundlich ist, stehen vermehrt Polizeifahrzeuge als „highway control“ unter Brücken oder hinter Kurven. Es empfiehlt sich als Tourist also wirklich, sich immer brav ans Tempolimit zu halten und Stoppschilder nicht zu überfahren.

Wenn man hier unterwegs ist, steuert man in der Regeln viele der Nationalparks an, um die Landschaften zu bewundern und/oder wandern zu gehen. Meine Erfahrung zeigt, dass man am besten Frühaufsteher ist und kurz nach oder bereits bei Sonnenaufgang den Tag beginnt (Im Herbst ist das ja nicht mehr all zu früh.), denn dann steht man nicht im Stau an den Einlasskontrollen (Die Parks kosten alle Eintritt. Bei mehreren Besuchen lohnt sich der Jahrespass für alle Parks ausgenommen einiger State Parks.) und findet auf jeden Fall einen Parkplatz. Ein weiterer Grund fürs Früh-Unterwegssein sind die Temperaturen. In den Wüstengebieten ist es am (nach-)mittags unerträglich heiß und in den Bergen oder an der Küste wird es abends schon sehr früh sehr kalt. Generell wechseln die Temperaturen während einer Reise durch den Westen sehr häufig und mitunter sehr plötzlich und krass. Also ist es gut, wenn man immer viel Wasser und gleichzeitig Mütze und Schal dabei hat. Am Vormittag – und somit ein weiterer Punkt – scheinen überwiegend Wanderer unterwegs zu sein, die die Nettikette auf Wanderwegen beherrschen (längere Touren heißt Erfahrung). Je später der Tag, desto überfüllter sind kleinere Rundwege oder die ersten 2km eines Wanderpfads. Dabei begegnet man dann vielen unfreundlichen, egoistischen und scheinbar wenig naturliebhabenden Menschen. Am negativsten fallen da (leider, denn ich will keine Klischees ausdrücken!) durch die Bank asiatische Touristen auf. Ich wurde mehrmals angeschnauzt, ich solle aus dem Weg gehen, weil ich im Bild stehe (glaube ich aus der Zeichensprache herausgelesen zu haben, denn Englisch ist nicht), wurde angerempelt, es wurde vorgedrängelt oder ähnliches.

A propos Menschen… In Kanada war ich begeistert, wie offen, freundlich und hilfsbereit die Einheimischen sind. Das habe ich auch in vielen Regionen (v.a. in Washington, Oregon, Nevada und Utah) unglaublich positiv wahrgenommen. Allerdings gilt das nicht im Straßenverkehr. Hier ist scheinbar jeder „king of the road“. Rücksicht oder Freundlichkeit gibt es nicht. Man braucht manchmal also einfach extrem starke Nerven und die Hoffnung auf einen guten Verkehrsschutzengel. 😉

Unterkünfte gibt es meist zu Hauf, allerdings werden diese, je näher man an einen beliebten Nationalpark oder sogar hinein kommt, unverschämt teuer. In Städten ist die Auswahl an Hotels groß und es findet sich auch ab und zu ein Hostel. Überall gibt es natürlich Motels. Diese schöpfen die gesamte Bandbreite zwischen „Da setze ich keinen Fuß hinein!“ bis 3 Sterne und allem, was man braucht, voll aus. Über booking.com zu buchen ist einfach und empfiehlt sich, weil man schnell einen Überblick über die Ausstattung der Zimmer und die Bewertungen anderer Reisender unmittelbar vor der eigenen Reisezeit einsehen kann. Mein Fazit hierfür: Im Oktober/November reicht es, am Tag zuvor oder am Morgen des Ankunfttages zu buchen (wenn man im WLAN der aktuellen Unterkunft ist). Die Preise sinken während der Herbstmonate in den meisten Regionen auch deutlich. Unter 6 Punkten von 10 im Ranking bedeutet, dass die Zimmer nicht wirklich sauber sind, die Elektrik zweifelhaft installiert ist und es an Lampen, Platz sowie Ruhe mangelt. Wäre ich nicht im Herbst unterwegs gewesen, in dem die Temperaturen nachts um den Gefrierpunkt liegen, hätte ich da so manchen Campingplatz vorgezogen. Diese sind bis in den November hinein in den Nationalparks meist komplett ausgebucht oder beim so genannten first come first serve-Prinzip bereits in den Morgenstunden voll. Ich habe jedoch einige gesehen, die echt wunderschön zwischen Felsen, in Canyons, Wäldern oder am Strand liegen.

Einkaufen geht auch überall. Es gibt große Supermarktketten, Ein-Dollar-Läden und kleine regionale Geschäfte. Am liebsten war mir Safeway, weil diese Kette eine große Auswahl an allem hat und sehr viel Wert auf Öko-Produkte legt. Außerdem kriegt man selbst als Tourist die „club prizes“, wenn man sagt, dass man auf der Durchreise ist oder irgendwann sogar eine club card in die Hand gedrückt bekommt. Man spart dadurch pro Einkauf 5-10 Dollar, wenn man auf die ausgewiesenen Produkte und Angebote im Laden achtet. Waltmart hat nebenbei dann auch noch Klamotten, Campingartikel und alles, was einem sonst eventuell so fehlt (Zum Beispiel ein Kameraobjektiv, das man dann beim Onlinekauf an eine Kontaktadresse schicken lässt. *hihi*). Aber Achtung, auch wenn es viele Amerikaner scheinbar noch nicht als Ursache für zu hohes Gewicht samt allen erdenklichen Folgen wahrnehmen, es ist in allen (!) Lebensmitteln Zucker, meist stark verarbeitet und in Mengen, von denen es einem schon beim Lesen auf der Verpackung schlecht werden kann. Wenn man meist im gleichen Supermarkt einkauft, weiß man jedoch irgendwann, welche Produkte in Ordnung sind. 🙂

Thema Internet: Beim Reisen ist es unabdingbar oder zumindest macht es vieles deutlich einfacher: das Buchen von Unterkünften, Herunterladen von Straßen- und Wanderkarten, Suchen von Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten, Erstellen neuer Playlisten fürs Auto und und und. Doch je weiter südöstlich wir kamen, desto mieser wurde die WLAN Qualität in den Unterkünften, wenn es überhaupt welches gab. Im Nordwesten hingegen ist man in den Motels sowie durch Starbucks und Safeway bestens versorgt.

Für den nächsten Aspekt hätte ich gerne mobiles Datenvolumen gehabt, um immer aktuell zu sein. Ist man nämlich zwischen den einzelnen Bundesstaaten unterwegs, kommt es zuweilen zu Verwirrungen bezüglich der aktuellen und standortbasierten Uhrzeit. Während Washington, Oregon, Nevada und Kalifornien die Pacific Standard Time (PST, -8 Std.bzw. 9 Stunden zur MEZ in Deutschland zur Winterzeit) nutzen, haben die Staaten östlich davon die Mountain Standart Time (MST, -7 Std. bzw. 8 Std. Differenz zur MEZ zur Winterzeit). Dies gilt jedoch nicht für das Gebiet der Navajo First Nation in Arizona, das der PST folgt. Arizona ist zudem der einzige Staat, der nicht zwischen Sommer- und Winterzeit unterscheidet, also quasi im Sommer die Pacific- und im Winter die Mountain Standard Time benutzt. Kein Wunder also, dass wir im Monument Valley auf der Grenze zweier Staaten plus First Nation Gebiet und dem Wechsel von Sommer- auf Winterzeit nicht mehr wussten, was Sache ist. 😉

Die Navajo sind die größte First Nation, also indigenes oder prä-kolumbianisches Volk in den USA, es gibt jedoch überall welche. Im Nordwesten viele kleine, im Südwesten deutlich größere. Manche, wie die Navajo, leben in Reservaten. Dieses Land gehört ihnen, sie unterhalten eigene administrative Systeme, sind aber generell an die Gesetze des jeweiligen Bundesstaates gebunden. Das nur ganz grob. Fast alle Stämme haben ihre weit zurückliegende Vergangenheit in Südamerika, daher ist die spanische Sprache, vor allem im Süden, sehr präsent in Orts- und Gebietsnamen. Andere Familien stammen aus nordostasiatischen Gebieten wie der Mongolei. Allen gemein ist, dass sie durch die europäischen Einwanderer ihren Lebensstil drastisch verändern, in Reservaten leben und sich in die Gesellschaft der Weißen assimilieren mussten. Kommt man mit ihnen ins Gespräch oder nutzt deren Angebote in Nationalparks, kann man sehr viel über ihre Lebensweisen, Traditionen und einen für mich unglaublich erstrebenswerten Umgang mit der Natur lernen.

Nicht so erstrebenswert scheint für mich die „Waffen-Nation“ USA als Mittel der Selbstverteidigung zu sein. In den 6 Wochen meines Aufenthaltes gab es 4 Schießereien mit unzähligen Toten. Angeblich wird der Waffenbesitz kontrolliert, der Kauf ist nur möglich, nach eingehender Prüfung auf Tauglichkeit und Vernunft. Doch wenn jeder zweite eine Waffe mit sich herumträgt, greift das System scheinbar nicht immer so recht. Es ist ein großes Streitthema, daher möchte ich auch gar nicht weiter darauf eingehen. Jedoch fühle ich mich persönlich nicht sicher und vor dem Bösen verteidigt, in dem Wissen, dass um mich herum jeder Zeit eine Schusswaffe gezogen werden könnte bzw. sich einige geladene Schusswaffen in meiner Reichweite befinden.

Für alles, was ich auf meiner Reise gesehen und unternommen habe, nutzte ich neben Apps wie Tripadvisor, Lonely Planet City Guide und Google maps sowie den Gouvernment Seiten zur den Nationalparks im www (Google findet sie stets sofort.) vor allem einen sehr guten Reiseführer, den ich euch an dieser Stelle empfehlen möchte. USA der ganze Westen“ vom Reise Know-How Verlag Grundmann hat mich nie belogen, gut geleitet und wertvolle Tipps parat gehabt.

 

— English version —

All these facts I‘m going to write about now are valid for October and November. I highly recommend traveling in this time of year because it‘s less crowded, the temperatures are moderate and accomodations have mostly good prices.

Driving with a rental car is not much different to doing it in Canada what I commented earlier. Most of the rules are quite the same, there‘s wide roads and huge cars (RVs are even bigger). But there‘s more of them. The interstates and freeways are full of traffic, first of all inside cities. In the desert areas you can still drive for miles without meeting anybody. Instead you can find offroad vehicles there. But mind one thing: Your rental car might not be able to drive the same “roads“. 😉

There‘s less rest areas and trash bins. So it is more difficult to find some restrooms and streets are more dirty in some regions. I hardly ever saw any police in Canada but there‘s the highway control in the US. So this is my second recommendation for driving: Take care of the speed limits and stop signs.

Usually most of one‘s destinations while traveling the US are National Parks to enjoy hikes or just see lots of different nature and wildlife. It is best to start your trips early. This means less cars at entrance controls (If you visit more than just one or two parks buy the annual pass!), finding a parking spot easily and walk in moderate temperatures in the deserts where it is unbelievable hot after 1pm and in the mountains where it is freezing cold shortly before sun sets. As you might recognize temperature is a very important fact to check on. It sometimes changes very fast and driving few miles can bring a big difference. So make sure to have enough water with you and several layers of clothes. Always. And – back to the topic – the later you get to the parks and it‘s trails the more people you meet. So if you like proper hikes without egoistic tourists come early.

Speaking of people… In Canada I was pleased by how kind, friendly and helpful the locals are. In lots of us-american areas I recognized the same (first of all in WA, OR, NE and UT). But that‘s not for traffic. Everyone seems to feel like the king of the road and you really need to be cool enough to handle some situations.

There‘s plenty of accomodations almost everywhere. But the nearer you get to a national park or some other touristic spots the more you need to pay. In cities you can choose between lots of hotels and there might be hostels as well. Everywhere else motels are good choice. I found several quite good ones (ratings on booking.com are very helpful) but also those of a kind like “I will never ever step inside!“. In fall it‘s fine to book the day before or the morning of your arrival date. It would be okay to just walk in and ask for a room as well in most destinations. All accomodations offer rooms for less money than in summer, I guess. Campgrounds are still very busy and lots of them full. Mind as well that you need permits for most of the backcountry ones.

Shopping for food is easy. There are some huge supermarkts, dollar shops and regional grocery stores. I liked Safeway most because of it having a variety in sortiment and lots of organic food. Besides you can use the free wifi. 😉 This is also possible in every Starbuchs Coffee. If you need more than food Walmart could be the choice because they have almost everything, clothes, camping gear and lots more included – camera lenses p.e. if you buy them online. 😉

For me it was hard to find food without any added sugar. It‘s difficult in Europe as well but in the US it is almost impossible. But after a while you know which products are fine. But I think most of the Americans don‘t realise that it‘s not fat which is so bad for your body but sugar.

I wrote about wifi. Now the reasons why it is important or at least makes traveling a lot easier. You can book accomodations, flights, tours and stuff and use apps like couchsurfing.com and tripadvisor. You can use offline maps for navigations and you can download music playlists on spotify. First it was very easy and common to get some wifi access but the more we drove to the southeast the less quality we had or no internet at all. Then you need Starbucks and Saveway. 😉

Next issue on the road: time. Crossing several boarders between the states meant changing from Pacific Standard- to Mountain Standard Time. But in the Navajo First Nation area in Arizona they use the PST and Arizona itself makes it more complicated by not having summer and winter time but all the other states nearby does so. So it appeared that we were totally out of knowledge about what time it is while spending two days in Monument Valley which is Navajo Country and on the boarder between Utah and Arizona.

The Navajo are the biggest First Nation, means indian or pre columbian people in the USA. But there are more along the coast in the north and in the desert areas further south. Most of them live in reserves and they have own administration but sure they need to follow the laws of the state. Those people originally came from South America or Asian regions like Mongolia. They have all in common that immigration of Europeans changed their lifes dramatically. They had to assimilate in white man‘s society as soon as Europeans reached their lands. If you want to learn more about it just talk to some tribe members. You can acutally learn a lot about history, landscape, nature and traditions.

I pretty much liked nature and most of the cities and their inhabitants. But I‘ve got a problem with guns. They are supposed to be for self-defense but during the 6 weeks I was traveling along nearby states and cities had 4 shootings with lots of deaths. I was told that people who want to buy weapons are checked but I don‘t think it is able to know if one is responsible and caring or not. I sure did not feel save knowing that every second man surrounding me wears a gun. But I tried not to think of it.

Did I miss something? Hope not. But sure I did after almost 10.000km driving thru western USA.

Maren

- Lehrerin auf Abwegen - Der Sommer wird für mich von August 2017 bis August 2018 anhalten, weil ich ein sog. Sabbatjahr einschiebe, um endlich das Reiseziel Südamerika anzusteuern. Was sollte da näherliegen, als in Nordamerika anzufangen, um über Zentralamerika den Süden zu erreichen? ;)

Ein Gedanke zu „Unterwegs im Westen der USA / Traveling in the United States‘ West

  1. Wieder sehr spannend. Danke für Deine tollen Berichte.
    Besonders witzig und einzigartig gegenüber anderen Reiseberichten ist Dein Vergleich vieler Erlebnisse mit unserer mitteleuropäischen, ja, gelegentlich auch schwäbischen Lebensweise. Läst mich immer wieder schmunzeln. So liest man das woanders nicht.
    Gute Reise weiterhin. Und bleib gesund.

    LG Frank

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