Utah (USA) – The Beehive State

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„Take only pictures“, war meine Aufforderung, die ich gestern zwischendurch veröffentlicht habe. Bei diesem Thema nun die traurige Wahrheit: Mein Objektiv ist kaputt, erst einmal nicht reparabel und ein Ersatz kann noch dauern. Ich hab mir auf die Schnelle ein bezahlbares anderes geholt, weil ich mich wie amputiert gefühlt habe. In Mangel von Fachgeschäften und im noch größeren Mangel an vorhandenen Objektiven bei Best Buy (quasi der Mediamarkt der USA und einziger verfügbarer Laden) bin ich nun mit fester Brennweite und total unzufrieden unterwegs. Aber ich bin dran, sodass ich bald wieder Spaß am Fotografieren hab und ihr die gewohnte Qualität aufs Auge kriegt.

Dem ganzen Übel voran ging die Fahrt nach Utah mit dem Ziel Zion Nationalpark. Und was für ein Ziel das ist! Ich bin total begeistert. Ich dachte schon öfter, dass ich keinen schöneren Nationalpark finden werde, so auch dieses Mal. Aber vielleicht ist es nun wirklich wahr. Nachdem wir tagelang keine Bäume – oder wenn dann klägliche Versuche davon – gesehen haben, war ich zunächst total glücklich wieder welche zu sehen. Noch dazu in allen Herbstfarben. Durch das Virgin River Valley schlängelt sich der Schuttlebus des Nationalparks Stück für Stück, bis der Canyon zu eng wird. Die dort beginnenden „Narrows“ haben wir auf Grund des eisig kalten Wassers, das man hätte für mehrere Stunden durchwaten müssen, nur ansatzweise bestaunen können. Doch alleine den River Walk entlangzugehen, war wunderschön. Flo und ich trennten uns dann für zwei Wandertage und erzählten uns jeweils beim Zurückfahren, was wir Tolles erlebt haben. Mir tat es unglaublich gut, mal wieder in meinem Tempo zu gehen und ich denke ihm ging‘s genauso. 🙂

Zion Valley / Virgin River

Meine erste Tour führte mich über steile Serpentinen und einen schmalen Canyon auf einen Grat. Schon zu Beginn des Trails gab es eine Hinweistafel zu den in den letzten Jahren tödlich Verunglückten. Trotzdem tummelten sich hier allerhand Bergunerfahrene und äußerst Trittunsichere, die offensichtlich nicht für diesen Auf- und schon gar nicht den danach folgenden Abstieg gemacht waren. Sie klammerten sich krampfhaft an die Eisenkette, die zur Sicherung befestigt wurde und hielten den Verkehr auf. Trotzdem war ich weit unter vorgegebener Zeit am Ziel, dem Angel‘s Landing. Der Name wurde gewählt, weil der fast freistehende Fels vor Errichtung des Pfades nur von Engeln zu erreichen war. Der Blick aufs Tal entlohnte erst einmal für alles. Doch weil ich noch so viel Zeit übrig hatte, erklomm ich noch einen weiteren, etwas höheren Gipfel entlang des Westrim Trails. Hier war ich dann auch mal wieder alleine.

Für den zweiten Tag konnte ich mich lange nicht entscheiden, welche Tour ich gehen soll. Kurzerhand verband ich beide und schaffte diese trotz ziemlicher Anhäufung von zu bewältigenden Höhenmetern ebenfalls so viel schneller als angegeben, dass ich noch einen dritten Wanderweg sowie den Rückweg zum Tal hinaus, zurück zum Auto anschloss. Bei meinem langen Aufstieg zum Observation Point passierte ich die sieben Gesteinsschichten, die der heute sehr kleine Virgin River im Laufe viiieeeler Jahre in die Berge gegraben hat. Die krassen Farbwechsel beeindruckten dabei am meisten. Der Pfad glich einem Sandkasten aus Rottönen, Gelb, Orange, Grau und strahlendem Weiß. Zu laufen war es anstrengend, aber wunderschön! 🙂 Das weitläufige Gipfelplateau sah dann gleich wieder ganz anders aus als die Umgebung. Auf dem Rückweg kletterte ich im Hidden Canyon so weit es nur irgendwie möglich war. Auf dem Weg begegneten mir zwei Schilder mit dem Hinweis auf das Ende des angelegten Wanderweges und das Ende des Canyons. Aber mir wurde am Vortag verraten, dass man noch ein ganzes Stück weiter kommt und so war es dann auch. Nicht ganz alleine, aber ruhig genug, um den engen, hohen Canyon mit seinen knallbunten Laubbäumen und einem Steinbogen (ab diesem keine Fotos mehr…) genießen zu können. Die Emerald Pools und ein Fußbad im Virgin River schlossen den Tag und die über 20km dann ab.

Gleich außerhalb des Nationparks besuchten wir noch Grafton, eine Geisterstadt, die einmal von Mormonen, die von Salt Lake City loszogen, um zu missionieren, bewohnt war. Außerdem gibt es an der Zufahrtsstraße einen sehr lustig aufgemachten Souvenirladen, das Fort Zion – mit Tieren.

Der zweite Nationpark, den wir in Utah ansteuerten, war der Bryce Canyon. Es handelt sich dabei eigentlich um die äußerst lange Abbruchkante eines Hochplateaus. Wind und Wasser schwemmten die lockeren Erdschichten davon und ließen die massiven Sandsteinsäulen stehen. Neben einer Wanderung vom oberen Rand hinab ins und durchs „Amphietheater“, wie das halbkreisförmige Gebiet genannt wird, unternahmen wir noch einen früh morgendlichen Spaziergang von unten hinein, um den Sonnenaufgang zu bestaunen. Für einen ganz kurzen Augenblick leuchteten die Sandsteinsäulen noch bunter als sie das im täglichen Sonnenlicht eh schon tun. Da der Park (Zugang von oben) noch nicht geöffnet war, konnten wir die Vielfalt der Vogelwelt beobachten und belauschen. Herrlich!

Durch den Red Rock Canyon ging‘s wieder gen Westen und dann ein ganzes Stück nach Süden. Kurz vor der Grenze zu Arizona besuchten wir mit einem zweiten Spaziergang noch die „Hoodoos“ der Toadstool Rimrocks, die wie der Bryce Canyon durch Erosion entstanden sind. Toadstool ist eigentlich eine Giftpilzart, die wohl ganz ähnlich aussieht. Hoodoos werden all diese Säulen mit Stein obendrauf genannt, die es nicht nur in der Gegend gibt, in der wir anhielten. Nach dem frühen Aufstehen musste dann noch eine lange Nachmittagspause am Strand des Lone Rock am Lake Powell sein. Dieser entstand wie der Lake Mead am Hoover Dam durch das Aufstauen des Colorado Rivers durch den Glen Canyon Dam und besitzt 3000km Uferlinie. Das Wasser war noch recht warm, aber der Wind so bissig, dass ich nicht schwimmen war.

 

— English version —

„Take only pictures“ was my invitation the last time. I‘ve got some problems with that point. My lense is broken and cannot be fixed. Buying a new one is kind of difficult, due to the lonely areas we‘ve been to without any proper stores for camera equipement. I got one at best buy but they didn‘t have any of those I would‘ve needed in stock. Now I‘m like a first time photographer and very upset with what I‘ve got. But I‘ll find my way to solve my problems and take more of what ye seem to pretty much like. 😉

Before that dilemma we drove to Utah with destination Zion National Park. What a destination! I foten thought it could not get any better but this one right made it‘s way into my heart as well. After missing trees for days I loved to see some proper ones again and due to the season their leaves had every possible colour. There‘s a shuttle bus driving thru the Virgin River Valley. From the very last stop you can walk easily into a narrow canyon. We needed to stop at the end of this River Walk. In warmer days you can just keep going in the river itself but we decided not to. Temperatures are perfect for hiking but not in freezing cold water..

Flo and I decided to split up for hiking both of our days in the park and I enjoyed walking my pace again – think he did as well. 🙂

My first trip took me via steep switchbacks and a narrow canyon to a ridge which needed to be climbed up to the top of Angel‘s Landing. There were several deathly accidents the last years, though lots of non-hikers made their way up. I hardly couldn‘t watch them sticking to the iron chain and they built a „traffic jam“ which forced me to slow down. But I was faster than I was supposed to so I could walk parts of Westrim Trail as well and I enjoyed beeing all alone on a even higher summit than Angel‘s Landing.

First I couldn‘t decide wheater I should do the one or the other trail the second day. But then I decided to do both though it meant lots of elevation. The path up to Observation Point followed all of the seven layers of stone of the last thousands of years. It was like walking in very colourful sandpits, very exhausting but gorgeous! The summit is a plateau which looks completely different to everything else I‘ve seen in Zion. But sure there were chipmunks everywhere.

On my way back down to the valley I climbed into Hidden Canyon a far as it was possible. There are two signs telling you that this is the end of the proper trail and the end of the canyon. But People told me to climb further up which is possible and sure I did and was delighted by the narrow but high canyon and it‘s trees growing inside. There has been a lovely stone arch as well but that was the point my lense stopped working…

I made it back to the bus stop so early (less than half the time the trip should‘ve taken me) that I added another smaller trail to Emerald Pools and afterwards the way back out of the valley and to the car.

Right next to the national park we visited Grafton, a ghosttown of former mormon settlers, and Fort Zion a very funny gift shop with animals.

The second national park we drove to was Bryce Canyon. Actually it is the long demolition edge of a plateau where wind and water create high piles of stronger sandstone rock. We hiked from the rim to the so called „Amphietheater“, made a loop inside and went back to the top. The next day we stood up very early to walk into the area from the bottom and enjoyed a lovely sunrise in there surrounded by nothing but awakening and singing birds. Amazing!

We then made our way back west thru Red Rock Canyon and then south. Shortly before leaving Utah we walked to some groups of „Hoodoos“ (Toadstool Rickrocks). Those piles with a stone on top are built by erosion as well.

After the very early start of the day we needed a rest in the afternoon so we hang out at the beach of Lone Rock at Lake Powell. This very huge lake exists because of Glen Canyon Dam, the second dam after Hoover Dam which dams the Colorado River. This one has a 3000km shore line. The water isn‘t that cold these days but the wind was too chilly to jump into the lake.

Maren

- Lehrerin auf Abwegen - Der Sommer wird für mich von August 2017 bis August 2018 anhalten, weil ich ein sog. Sabbatjahr einschiebe, um endlich das Reiseziel Südamerika anzusteuern. Was sollte da näherliegen, als in Nordamerika anzufangen, um über Zentralamerika den Süden zu erreichen? ;)

6 Gedanken zu „Utah (USA) – The Beehive State

  1. Trotz stetiger Freude über unsere mitteleuropäischen Landschaften – vor allem unsere Wälder und Flusstäler – muss ich doch neidvoll anerkennen: Sowas, wie das hier von Dir Gezeigte, haben wir nicht. Wirklich toll.

    Gute Reise weiterhin.

    Liebe Grüsse
    Frank

    1. Jaaa, ich liebe es ja auch, daheim unterwegs zu sein und denke auch manchmal hier beim Wandern dran, wie anders aber auch toll es in Deutschland/Europa immer ist. Hier ist halt alles einfach größer und in Masse vorhanden. Und mit meinem Wetterglück ist es dann auch nochmal genialer. 🙂
      Vielen Dank und herzlichste Grüße in die mitteleuropäischen Landschaften. Grüß‘ mir die Alb! 🙂

  2. Hi Maren,

    viele Grüße aus Stuttgart :)…

    Utah ist sooo toll! Ich würde sofort wieder hin! Haben damals fast die gleiche Route gemacht, aber im Zion leider nur Zeit für Angels Landing. Der Trail und die Aussicht sind echt genial.

    Viel Spaß weiterhin und hoffentlich ist die Kamera schnell wieder „fit“ 😉

    Alex

    1. Hei und danke!!
      Ich hab n neues Objektiv bestellt und muss nun bis LA warten, bis ich’s in die Finger kriege. Aber besser, als unflexibel bleiben. 😉
      Utah ist wirklich toll. Hätte mit mehr Zeit gern noch deutlich mehr gesehen. Goblin Valley und Arches NP mussten wir auslassen. Der Zion war aber schon das totale Highlight.
      Liebe Grüße nach Stuttgart!!

  3. Hallo Maren,

    Deine Bilder sind trotzdem beeindruckend und bieten uns Daheimgebliebenen einen ganz wunderschönen Blick auf eine phantastische Natur.

    Viele Grüße aus dem heute regnerischen Stuttgart!
    Eva

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