Nevada (USA) – The Silver State

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Ich erwähnte im letzten Eintrag, dass wir außerhalb des Death Valleys nächtigen mussten, weil wir es uns dort nicht leisten konnten. Das taten wir bereits in Nevada. Beatty bietet sich an, weil man über eine kerzengerade Straße und einen leichten Pass schnell am nordöstlichen Ende des Nationalparks hinein und hinaus kommt und es neben bezahlbaren Unterkünften auch noch knuffige wilde Esel hat. Außerdem liegt die Geisterstadt Rhyolite, die während des Goldrausches bewohnt war und nun neben zerfallenen Häusern vor allem Kunst bietet, auf dem Weg.

Nach dem Verlassen des Parks im Südosten ist die Stadt Pahrump fürs Nächtigen, Einkaufen und Tanken zu empfehlen. Hier schliefen wir in einem RV (= recreational vehicle), also einem dieser überdimensionierten Wohnwägen. Statt ein Motel zu bauen, stellt hier ein Paar einfach jede Menge RVs aufs Grundstück, die größer sind als so manche Einzimmerwohnung. Es gab Hilfe, Snacks und Wasserflaschen. Wir empfehlen es!

Was ist das bekannteste in Nevada? Der Hoover Dam natürlich. Mein Reiseführer (Danke, Matz, er leistet mir immernoch super gute Hilfe!) gab uns mal wieder ein paar nützliche Tipps zur Vorgehensweise an diesem doch sehr besuchten Ausflugsziel. Dazu gehört es, den Fußweg auf die Mike O‘Callaghan – Pat Tillman Memorial Bridge zu gehen, um die Staumauer von oben betrachten zu können. Die Brücke ist der neue Highway, der das Überqueren des Black Canyons erleichtert. Die Fahrzeugmassen brettern zwar an einem vorbei, aber es fiel nicht negativ auf. Außerdem kann man auf unzähligen Infotafeln einiges über den Brückenbau, die Entscheidungen der Ingenieure, Vorgehensweisen und den Schutz der Natur lernen.

Vom Parkplatz aus kann man über einen Wandertrail durch alte Eisenbahntunnels sowohl auf einen Aussichtspunkt als auch zum Staudamm gehen. Beides ist natürlich auch mit dem Auto möglich. Das Parkhaus direkt am Damm kostet 10$, doch auf der anderen Seite (Arizona) gibt es zumindest für Oktober ausreichend Parkplätze for free. Man kann also die alte Straße über die Staumauer fahren und dann beim Drüberlaufen noch mehr lesen/lernen und bestaunen. Eine Führung in der Anlage des Kraftwerks war uns zu teuer, wir hatten jedoch auch nicht das Gefühl, irgendetwas verpasst zu haben.

Am beeindruckendsten war für mich neben der Ingeniersleistung dieses Bauwerks tatsächlich die landschaftliche Veränderung durch das Aufstauen des Columbia Rivers. Der dadurch entstandene Lake Mead füllte sich auf ein Maximum 1983, wonach der Pegelstand dann nur noch sank. Mittlerweile liegen Großteile der Türme, in die das Wasser hinabstürzt, um durch die Turbinen gejagt zu werden oberhalb der Wasseroberfläche und am Gestein des Ufers sieht man die Ablagerungen als dicken weißen Streifen. Sollte das so weitergehen, geht Las Vegas, Los Angeles und Co. Der Strom aus.

A propos… „Welcome to fabulous Las Vegas, Nevada!“ lautet eines der berühmtesten Ortsschilder der Welt. Wie immer freute sich Flo ungemein in die nächste große Stadt zu kommen, während ich eher skeptisch war, weil ich die Landschaften der Nationalparks, die wir besuchen, immer so sehr genieße und noch viele weitere Touren gehen könnte. Doch bei Stadtteilen wie Rainbow, Horizon, Sunset und Paradise war ich doch auch freudig erwartungsvoll gestimmt. Mein erster Eindruck der Stadt war dann: bunt, zuweilen schrill und laut, aber auch offen, vielfältig und scheinbar mit großem Obdachlosenproblem (reiht sich in viele amerikanische Großstädte, die ich nun bereits besucht habe, ein). Am eben erwähnten Schild ist eine Gedächtnisstätte für die Opfer der Schießerei vor kurzem. Ich fand es etwas skurril, dass sich alle unterm Schild haben fotografieren lassen und im Hintergrund die Kerzen, Kuscheltiere und Plakate zu sehen waren. Generell ziehe ich jedoch mit und sage #VegasStrong.

Wir landeten im Circus Circus, einer der größten Hotel- und Casinoanlagen am „Strip“, wie der Las Vegas Boulevard genannt wird. Hier gibt es mehrere Hotelürme und motelähnliche Unterkünfte, in denen wir ein großes Zimmer bezogen. Hierzu eine kleine Eigenheit am Strip: Man bezahlt prinzipiell einige bis viele Dollar Resortgebühr zum angegebenen Zimmerpreis hinzu, also Kleingedrucktes ganz genau lesen. Man könnte meinen, dass sämtliche Leistungen damit abgegolten sind, doch man bezahlt trotzdem für alles, was man benötigt nochmal extra. Außer das Wunschobjekt ist eh „out of service“, wie der Waschsalon, den wir gebraucht hätten. Wie in jeder dieser Anlagen gibt es unzählige Spielautomaten, Restaurants, Shops und Attraktionen. Wir wollten eigentlich erst einmal nur den Fitnessraum und den Pool testen, doch ersterer war recht klein und wir suchten ihn gefühlt eine Stunde (Training tat trotzdem gut) und letzterer war nach dem Training dann bereits geschlossen.

Das gute am Strip ist, dass man sich zeitlassend eigentlich einmal hoch und runter laufen kann, weil die größten und wichtigsten Häuser alle auf ca. 3km Entfernung liegen. Die Anlagen haben unterschiedliche Themen und es ist zuweilen recht unterhaltsam, die Plastiknachbauten berühmter europäischer und us-amerikanischer Städte zu begutachten. Wir hatten ganz ungeplant dann noch das Vergnügen rechtzeitig beim Vulkanausbruch des Mirage und der Springbrunnenshow des Bellagio vor Ort zu sein.

Die meisten Casinos haben einfach eine Masse an Spielautomaten, doch die großen und bekannten Häuser bieten auch – wie man das erwartet – richtige Spieltische. Mindest- und Maximaleinsatz liegen im angenehmen Rahmen, Kleiderordnung gibt es auch in den Luxushotels nicht, dafür aber Drinks aufs Haus, wenn man sich an einem der Tische niederlässt und aktiv spielt. Trinkgeld geben ist natürlich angesagt, aber mit einem Dollar ist das bereits abgegolten. Ich sammelte meine ersten (und wie ich behaupte letzten) Erfahrungen des Glücksspiels beim Blackjack und verärgerte als offensichtliche Erstspielerin die Croupière (im Cesars Palace waren es tatsächlich nur Frauen) mit meinem Karten- und Entscheidungsglück. Statt irgendwann meine gesetzten 20$ loszusein, ging ich mit einem Gewinn von 90$ rechtzeitig vor der Sucht wieder in die warme Nacht hinaus. 🙂

Nach dem Umzug ins Hostel (am Wochenende sind die Preise deutlich teurer und für mich unbezahlbar) verbrachten wir die heißen Mittagsstunden dort am Pool und später Downtown, wo die erste Vergnügungmeile gleich nach Aufhebung des Glücksspielverbots in Nevada angesiedelt war. Hier in der Freemont Street geht es nicht weniger bunt, aber deutlich kleiner zu. Das Highlight ist eine an die Unterseite des 300m langen Daches geworfene Lightshow und die Slotzilla Zipline. Außerdem gibt es im Viertel viel Streetart und alles fühlt sich etwas „vintage“ an, heißt viele alte und oft leerstehende Motels und so.

Wenn man mehr Geld ausgeben möchte, könnte man natürlich noch eine weitere Nacht in Las Vegas verbringen, eine oder mehrere der unzähligen Shows besuchen, viel spielen/trinken oder in Museen gehen. Doch für mein aktuelles Befinden musste das nicht sein und so freute ich mich nach einem genial guten (veganen) Frühstück auf der Straßenterrasse von The Market (nicht nur zum Brunch, sondern auch zum Einkaufen oder für den Kaffee für Zwischendurch sehr zu empfehlen!) über den Tag im Valley of Fire, wo wir kleinere Runden durch enge Canyons und über sehr bunte Felsformationen drehten.

 

— English version —

In the last post I mentioned that we needed to sleep outside of Death Valley because of the high prices inside. For those 2 nights we already crossed the border to Nevada. Beatty is a good spot for exploring the Death Valley. It‘s the northeastern entrance and on the way you can visit Rhyolite, a ghosttown which is left of the goldrush. There‘s lots of (funny) art nowadays.

After leaving the National Park the second day we sleept in an RV in Pahrump. The owners have lots and keep them like a motel. Compared to those in Europe American motor homes are so huge, even bigger than some flats. We got snacks and water and highly recommend to stay here!

What‘s the most famous spot in Nevada? Right, Hoover Dam. Our travel guide (still thx a lot, brother lovey, for that present!) gave us some good advice to visit. The best view is from Mike O‘Callaghan – Pat Tillman Memorial Bridge. It was built some years ago to keep the traffic away from the dam and to make it a lot faster to cross the Black Canyon from Nevada to Arizona or reverse. There are lots of cars passing by but they do not disturb walking on the footpath. Besides you can learn a lot about the construction, architecture and saving nature of and around the bridge.

Starting at the parking lot for the bridge you can walk to a viewing point above Lake Mead or to the dam itself via old railway tunnels. But you can choose driving by car as well. Parking at the dam costs 10 bucks but crossing to the other side there are some more parking lots (Arizona) without fees. Nice effect: You cross the dam several times by car and feet.

We skipped the museum and guided tours (very expensive) without missing anything. There are many signs to read about the dam and lake anyways. The most impressive for me was how much water Lake Mead had lost over the last years. Highest Point was in 1983. Since then the water sinks every year. There‘s a big white stripe of sediments on the rocks all around which show the level now and then. If it keeps going like this Las Vegas, Los Angeles and people nearby will run out of energy.

As it was named… „Welcome to fabulous Las Vegas, Nevada!“ is one of the most famous signs in the world, I guess. As usual Flo was very much looking forward to reach the city while I kept sceptic and didn‘t wanna leave nearby nature. But reading the signs of city parts like Rainbow, Horizon, Sunset and Paradise made me be delighted as well. First thoughts: Vegas is full, loud and colorful as it is full of diversity and homeless people (as most of the American cities I‘ve been to by now). Right next to the mentioned sign and all around people left candles and posters after the shooting which shortly took place. It didn‘t match together to see tourist taking their pictures standing under the sign smiling and all around them there‘s messages of loss and tragedy. Nowhere else in town were signs of what happend, except – and that‘s what I go for as well – notes and shirts with #VegasStrong.

We stayed at Circus Circus for the first night. It is located at the northern end of the Strip how Las Vegas Boulevard is called. It has several hotel towers and motel like accomodations with good prices (Sun-Thu). But you need to pay a so called resort fee which doubles the prize or even makes it 3 or 4 times as high as announced. Nevertheless you have to pay for everything on top it it‘s not out of service (laundry). We searched hours for the gym and the pool was already closed at 5pm. But there were lots of shops and restaurants and stuff.

Best point of the Strip is walking up and down. It‘s just 2 miles to see the relevant houses and attractions. Every hotel / casino has it‘s own theme like famous European cities. It‘s kind of funny to look at those plastic replicas, beatiful at night, just plastic at daytime. Lucky us we ran into the vulcano show at Mirage and the music show of Bellagio‘s fountain.

For the first time I stepped into casinos to watch people play and to feel the atmosphere. While most of the houses just offer slot machines and electronic games, the bigger ones offer real player‘s tables. I tried Blackjack and really didn‘t make friends in there. After ordering my drink for free and winning several rounds I left with 90 bucks more than I stepped in at Cesars Palace. 🙂

After moving to an Hostel in Freemont Street (cheaper on weekends) we kept it very easy, hanged out at the pool and visited downtown at nighttime. It is kind of vintage around there with lots of run down houses and closed motels but the amusement center itself is as colourful and impressive as the strip. There‘s a roof of 300m on wich lightshows appear every full hour. And you can fly over the people‘s heads via Slotzilla Zipline.

We could have spent more days there, visiting some museums and shows (there‘s lots of!!) but after a very delicious (vegan) breakfast at The Market we left and went for smaller off-road hikes in the Valley of Fire. I was impressed by all the small canyons, funny rocks and variety of colours.

Maren

- Lehrerin auf Abwegen - Der Sommer wird für mich von August 2017 bis August 2018 anhalten, weil ich ein sog. Sabbatjahr einschiebe, um endlich das Reiseziel Südamerika anzusteuern. Was sollte da näherliegen, als in Nordamerika anzufangen, um über Zentralamerika den Süden zu erreichen? ;)

6 Gedanken zu „Nevada (USA) – The Silver State

    1. Danke. Das sind die Landschaften!! Ich muss mich so beherrschen, jeden Tag nur ne Handvoll Fotos zu machen. Könnte stundenlang mit Kamera durch die Gegend ziehen. Grad versuche ich jedoch, sie repariert zu kriegen bzw. suche mir einen Fachhandel, in dem ich ein neues Objektiv bekomme. Das krasseste Motiv der gestrigen Wanderung konnte ich nämlich nicht mehr ablichten, da das Objekt streikt. *heul* Und der Gewinn aus Vegas reicht natürlich nicht annähernd für die Ausgaben heut…

      1. Tja, wie gewonnen so zerronnen, kann man dazu nur sagen. Schade für dich und auch ein wenig für uns fleißigen Blog-Leser, weil wir wohl ein paar mega Motive nicht bewundern können.
        Ich warte, vllt. läuft dir doch noch eine lebende Schildkröte über den Weg, die dir signalisiert „nimm mich mit und bring mich zu deiner Mam“.

        Übrigens: Vegas und Hoover Staudamm haben deine Großeltern Anfang der 70er auch bewundert.

        1. Anfang der 70er war die Brücke aber noch lange nicht da. Dafür hatten sie wohl deutlich mehr aufgestautes Wasser als ich!

          Die Schildkröten im Central Park in NY warten immer noch darauf, dass du sie aus ihrem Teich abholst! 😉

          Und zur Kamera im neuen Beitrag… Aber so entspannt ich drauf reagiert hab, seit heut bin ich einfach nur noch genervt was das Thema angeht. 🙁

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