Vancouver Island, British Columbia (CAN)

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Die letzte Woche unseres Roadtrips durch Kanada fand auf Vancoucer Island statt. Trotz der Liebe zu den Rockies und den vielen tollen Wanderungen freuten wir uns sehr auf die Küste und den Pazifik, den wir zum ersten Mal im Leben zu Gesicht bekamen. Das Fährefahren mögen wir zum Glück auch und so schipperten wir von der Horseshoe Bay bei Vancouver in den Sonnenuntergang gen Westen.

Am ersten Tag auf der Insel mussten wir alle Highwaykilometer gen Norden bewältigen. Das zog sich mehr als gedacht, aber ein Mittagschlaf am Strand war trotzdem drin. 🙂 Unser Domizil für mehrere Nächte in Coal Harbour war die weite Anfahrt dann auch Wert. Wir frühstückten täglich mit Blick auf die stille Bucht und in der Hoffnung, der Seeotter möge vorbeikommen, doch dieses Tier bleibt nun leider auf der noch-zu-sehen-Liste stehen. Dafür schienen wir nun tatsächlich die letzten Touristen zu sein, die sich noch in der Gegend aufhielten. Viele fahren eh nicht bis ganz nach oben, weil es hier echt einsam ist. Wir haben das jedoch nicht eine Sekunde bereut.

Der erste Ausflugstag fand im benachbarten Port Hardy und im Küstendörfchen Telegraph Cove statt. Dort kletterten wir über Stock und Stein zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man einen wunderschönen Blick über die gesamte Bucht und die Inseln bis hinüber zum Festland hat. Der Ort gilt als der „walreichste“ der Insel. Vor allem die auf der Ostseite Vancoucer Islands ständig lebenden Orcas (Residents) tummeln sich hier in der Regel. Doch so lange wir auch schauten, sie zeigten sich uns nicht. Dafür besuchten wir noch das Whale Interpretive Center, in dem wir eine Menge über die Orcas (Delfine) und auch Wale und andere Meeressäuger lernten. Der Holzsteg zwischen den alten Häusern, die fast alle auf Stelzen im Wasser stehen, lehrte uns dann noch ein paar Details über den Ort als Telegraphenposten, um die Distanz des besiedelten Südens mit der einzigen „Stadt“ im Norden, Port Hardy, zu überbrücken, bevor es die Straße gab. In selbigem besuchten wir eine Lachsfarm, in der Lachse aufgezogen werden, um sie dann wieder auszusetzen, sodass die sonst minimale Überlebenschance deutlich verbessert und die großen Bestände gehalten werden können. Dies geschieht an mehreren Orten der Insel, denn zum Einen wird Lachs natürlich viel gefischt und zum Anderen futtern die Residents Unmengen davon. Ein „Killerwal“ frisst täglich bis zu 25 ausgewachsene Lachse. Die vorbeiziehenden „Transients“ an der Westküste übrigens eher Seehunde und andere Säugetiere, wie zum Beispiel auch Waljungen anderer Arten. Gefährlich seien die Tiere jedoch trotz ihres Namens keineswegs (zumindest die Residents).

Von unserem zweiten Ausflug gab es ja schon ein paar Bilder und Videos. Trotzdem lasse ich euch nochmal ausführlich daran teilhaben: Weil Sonntag war konnten wir den 60km langen Schotterweg ans nordwestlichste Ende der Insel wagen. Die Holzarbeiten machen das Befahren mit einem normalen Auto sonst unmöglich. Und trotzdem kamen uns ja ein paar wenige LKW im Vollspeed entgegen, weshalb die 2 Stunden Fahrt schon etwas abenteuerlich wurden. Dennoch hat es sich gelohnt, denn der Cape Scott Provincial Park ist nahezu unberührt. Es gibt nur ein paar Wanderer, die dort eine Mehrtagestour machen und wir trafen auf ein sehr überschaubares Grüppchen Einheimischer beim Sonntagsausflug an den Strand. Den groß angekündigten Wölfen und Pumas begegneten wir (zum Glück) nicht. Der Weg zum Strand der San Josef Bay glich einem Spaziergang durch den Regenwald. Die Bäume, Farne, Flechten und Pilze sind unvorstellbar grün und vielfältig. Der Strand ist fast weiß und die tief hängenden Wolken in den bewaldeten Hügeln ringsum sorgten für eine mystische Stimmung an diesem Tag. Wir kletterten dann auf nicht immer ganz sicherem Pfad (Er ist aber offiziell zugänglich!) zu einem zweiten kleineren Strand. Dort waren wir dann wirklich allein. Ein Weiterkommen war dann jedoch unmöglich. Also genossen wir die Bucht, die besonderen Felsformationen auf dem Strand und das eiskalte Pazifikwasser, bevor die Abenteuerstraße uns wieder zurückbrachte.

Dann begann die Fahrt im Zickzack gen Süden. In Campbell River, der „Lachs-Hauptstadt der Welt“, gab es zwar nicht viel, aber mega leckeren Lachs bei Dick‘s Fish & Chips. Außerdem – wie täglich (mehrmals) – Kaffe für Felix. Zum Gück sind die Filialen Tim Hortons‘ allgegenwärtig. 😉

Ein Wald stand auch wieder auf dem Programm. Der Cathedral Grove im MacMillan Provincial Park hat ein paar uralte, riesige Cedars (= Zedern), deren Stämme mehrere Meter Umfang besitzen und locker 70m hoch werden (also zum Beispiel höher als der schiefe Turm von Pisa). Weil in den Wäldern und auf Grund der Waldbrandgefahr Rauchen quasi überall verboten ist, sehen wir eigentlich nie Zigaretten. Wenn man nur zu Hause rauchen darf ist das vielleicht so anstrengend, dass die meisten einfach gar nicht erst damit anfangen!? 😉

In Ucluelet – und auch da gab es schon einen kurzen Video-Einblick – waren wir nach einem kleinen Aufwärmspaziergang über die Klippen und zum Leuchtturm dann auf dem Wasser unterwegs. Mit einem Doppelkajak und super nettem Guide waren wir 3 Stunden in der Bucht zwischen Hafen, Reservat eines First Nation Stammes und Inseln. Paddeln klappte natürlich ziemlich gut und so kamen wir unglaublich weit weg von der Siedlung und in den Genuss von absoluter Ruhe (bis wir zu den Seelöwen kamen *hihi*). Dabei konnten wir Seesterne an den Felsen, Weißkopfseeadler über unseren Köpfen, Seehunde neben unseren Kajaks und einen Schwarzbären auf Krabbensuche am Strand beobachten. Und das alles bei strahlend blauem Himmel und wärmender Sonne. Was für ein Glück!

Nach dem kleinen Bewegungswechsel beim Paddeln gingen wir am nächsten Tag wieder zum Laufen über und drehten eine Runde durch Nanaimo, wo wir am ersten Abend viel zu spät mit der Fähre ankamen, um uns noch etwas umschauen zu können. Dann ging‘s in den Cowichan Provincial Park, um ein paar Kilometer am gleichnamigen Fluss zu drehen. Der Wanderpfad war recht schmal und wir hatten oft das Gefühl durch die Farne Endors zu stolpern und gleich Ewoks zu begegnen (Wo sind die Starwars-Kenner?). Wir genossen dabei herrlichsten Sonnenschein und das Tragen von kurzen Hosen, was noch wenige Tage zuvor undenkbar war.

Am Abend, wieder an der Westküste angekommen, genossen wir einen dritten kleinen Rundgang zum Botanical Beach im Juan de Fuca Provincial Park, der Teil des riesigen geschützten Pacific Rim National Park Reserve ist. Dort bestaunten wir den Sonnenuntergang und wollten grade wieder aufbrechen als…: „Wichtel, da ist ein Bär.“ Ein Schwarzbär kam an den Strand, um nach Krabben zu suchen und meinte dies nur sehr wenige Meter neben uns tun zu müssen. Man soll sämtliche Begegnungen ja meiden und einen Mindestabstand einhalten und so. Den Bären interessierte das jedoch recht wenig. Also, wie so oft auf den Infotafeln gelesen, aufgestanden, groß gemacht und geredet, sodass er geht. In einer Seelenruhe stapfte er dann den Strand entlang, weg von uns, aber genau dahin, wo der Pfad zurück zum Parkplatz begann. Was nun? Wir warteten, unterhielten uns darüber, wie ungefährlich und beinahe süß er eigentlich ausschaut, solange er auf allen 4 Pfoten bleibt, und suchten nach einem Durchgang zum Pfad. Den gab es auch, wie der Bär schon vor uns wusste. Und nun mussten wir an ihm vorbei, durch sehr wenige Meter und nur einer Reihe Büschen getrennt. Als wir auf seiner Höhe ankamen, gab es da ein großes Loch und wir drei schauten uns ziemlich dumm an. Aber er blieb, wo er war, und wir konnten zum Parkplatz zurück. Mittlerweile war es dunkel und in dem Wissen, dass dort überall noch mehr Bären und Pumas leben, war es schon etwas abenteuerlich. Fotos vom Sonnenuntergang gibt es hier ersteinmal nicht, denn der Akku war leer und Handyfotos sind halt immer so naja…

Am nächsten Morgen besserten wir dann unser Karma etwas auf und nahmen zwei Mädels im Auto mit, die die Tage zuvor entlang des Pacific Rim Trails gewandert waren. Irgendwann sollten wir auch noch mit Mehrtagestouren anfangen. Spätestens in Peru dann im neuen Jahr. 😉

Wir erreichten unseren letzten Stopp auf Vancouver Island: Victoria. Dort ging es zum zweiten Mal außerhalb der Fähre aufs Wasser. Da wir bisher von sämtlichen Küstenfleckchen, an denen wir waren, keine Wale gesehen haben, entschieden wir uns für eine Whale Watching Tour. Mit einem kleinen Boot von Eagle Wing Tours ging‘s für mehrere Stunden weit hinaus in die Bucht. Das Fahren mit einem Speedboat an sich ist schon echt spaßig, doch was wir dann erleben durften übertraf natürlich alles. Weil wir so weit hinaus mussten, um sie zu treffen, hatten wir nicht mega viel Zeit, doch wir verbrachten 20 Minuten in Mitten der 35-köpfigen Gruppe der Resident Orcas. Von der riesigen Rückenflosse eines der männlichen bis hin zum kleinen Kalb konnten wir die größten Delfine der Welt ringsherum beim Auftauchen beobachten. Einer sprang sogar komplett aus dem Wasser heraus. Fotos oder Videos machen war natürlich schwer bis unmöglich, weil man nie wusste, wo sie als nächsten auftauchen würden. Außerdem möchte man den Moment natürlich auch einfach nur genießen. Das selbe gilt für die Buckelwale, die wir auf dem Rückweg dann noch direkt neben unserem kleinen Boot begrüßen durften. Auch hier mit Jungtier und wie als Abschiedsgruß am Ende dann die Fluken zeigend, bevor sie ganz abtauchten. Magisch!

Wir ließen den Abend anschließend in Downtown Victoria ausklingen und verließen die Insel am nächsten Tag gen Vancouver, wo sich der gemeinsame Teil der Reise nun rasend schnell dem Ende zuneigte. Dort waren wir erst einmal geschockt wie viele Menschen, Häuser und Autos es geben kann und wir fühlten uns 2 Stunden lang alles andere als wohl. Doch irgendwann war das Auto im Parkhaus, das Hostelzimmer bezogen und wir unterwegs durch sehr schöne Stadtviertel und coole Pubs und so freundeten wir uns wieder Stück für Stück mit der Zivilisation an. 😉

 

— english version —

Our Roadtrip‘s last week through Canada has been on Vancouver Island. Though we really loved the Rockies and had amazing hikes there, we were looking forward to spend some time at the coast – especially the Pacific where Felix and I both never had been before. We like trips by ferry so we enjoyed ourselfes and the sun set while cruising from Horshoe Bay to Nanaimo.

We spent the first day on the island with driving noth. It took as much more time than we expected before but there was still some left for a lovely rest at the beach. 🙂 We stayed with Ann and Frank at their Dolphin B&B in Coal Harbour for several nights and were pleased by the bay we could look at while eating breakfast every morning. There was hardly anything else than water and trees and some houses. First of all no tourists anymore,‘cause most of them don‘t drive so far noth and it‘s low season now.

Our first daytrip took us to Port Hardy and to the small coastal village Telegraph Cove. We climed over stones, wood and puddles to reach a viewing point from wich we could overlook the whole bay, smaller islands and all over to mainland. This area on the eastcoast of Vancouver Island is famous for seeing lots of whales on most days of the year. But we weren‘t lucky that day. We visited the Whale Interpretive Center in which we could learn lots about orcas and other sea mammals. We also learned about the little village being a link from the island‘s south to the only town in the north – Port Hardy. There we visited a Salmon Hatchery. The people there raise salmon to adulthood and set them free again. So they save the population and food for resident orcas and humans. Naturally only 2 out of 25000 salmon survive to the day they come back up the rivers to spawn.

I‘ve already posted some pics and a vid of our second trip but I don‘t want to skip that part. Because it was sunday and more or less save to drive the 60km gravel road (one way) out to Cape Scott Provincial Park without meeting too much logging trucks we took that adventure and walked to San Josef Bay. There was a small „path“ through the woods which lead us to a second bay where we were completely on our own. We couldn‘t go on any further ‘cause it was all too wet and muddy to have fun walking and climbing the rocks and stuff. But we were happy to sit on the beach, having lunch and have those lovely views of the rock pillars and the experience of very cold Pacific water.

After that our trip lead south again. There wasn‘t much to see in Campbell River. The „world‘s capital of salmon“, but we had delicious fish‘n‘chips at Dick‘s. And coffee for Felix was very important – as it is every day – for what we once again drove by at Tim Horton‘s.

There was another forest we had a short stopp at: Cathedral Grove at MacMillan Provincial Park. This one has some very old cedars which can reach hights of 70 meters (which means they are taller than the tower of Pisa p.e.). Due to the huge danger of forest fires, smoking is prohibited almost everywhere. This might be the reason we hardly see anybody smoke in public.

In Ucluelet – there was a video before as well – we had a short wake up walk around some cliffs and a lighthouse. After that we were guided in our kayak around the harbour, a first nation tribe‘s reservate and an island. It was 3 hours of silence (except the moment we passed the sealions), sun and watching wildlife. We paddled along rocks with seastars and watched a black bear searching the beach for mussles and crabs, bald eagles above our heads and seals next to our small boat. What a great time!

After that change in moving (arms instead of legs) we again walked. This time we had a little stroll along the streets in Nanaimo which we didn‘t visit in a proper way the day we arrived on the island. After that we followed a footpath along the Cowichan River which made us feel like staying on Endor and there could be Ewoks in the ferns (Are you familiar with Starwars?). We enjoyed ourselves in shorts and sunglasses after the days with fog and rain before.

That night we reached the westcoast again. A short trail lead us to Botanical Beach at Juan de Fuca Provincial Park. There we watched the sunset sitting on a warm rock at the ocean side. We just wanted to head back to the car as… I said: „Felix, there‘s a bear.“ And it was right next to us. People are told to avoid coincidences with bears and to keep at least 15m distance. But that black bear didn‘t care about human rules. It was pretty adventurous to get back to the path and all the way around the bear to reach to parking lot. There was one short moment we stood just 5 meters next to him with a hole in the bushes which separated us before and all three of us just stared at each other not knowing how to react. But we made it back safely.

The next day we drove to Victoria. We stopped for two hitchhiking girls and gave them a lift to their car. Talking to them we once again thought of doing more day hikes with tent and stuff as well and we might do so in Perú in February when we‘re going to be together again. In Victoria we had a whale watching tour on a small speed boat. As we weren‘t lucky to sea whales before we had this trip as very last try. And it was pleased with success. After a long way out the bay direction Pacific Ocean we ended up surrounded by a pod of resident orcas. We could watch them hunt for salmon all together, the big male ones and all the females with some very small cubs. On our way back we meet some humpbacks. A female and her cub were so near we could almost touch them. Swimming away the once started their dive with their tale fins in the air like greeting us or saying goodbye. It was magic! There are not much and no good pictures and videos ‘cause I never knew where they might appear the very next moment. And I was too busy enjoying all that amazing experiences.

That evening we ended up having a delicious dinner in Victoria and the next day we took the ferry back to Vancouver, the last stopp in Canada. First we were completely unable to cope with the masses of people and cars. But after 2 hours of wishing to be back in nature we finally felt comfy again and had a lovely evening walk around the city. Welcome back civilisation! 😉

Maren

- Lehrerin auf Abwegen - Der Sommer wird für mich von August 2017 bis August 2018 anhalten, weil ich ein sog. Sabbatjahr einschiebe, um endlich das Reiseziel Südamerika anzusteuern. Was sollte da näherliegen, als in Nordamerika anzufangen, um über Zentralamerika den Süden zu erreichen? ;)

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