Autofahren in Kanada / Driving a car in Canada

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„Beautiful British Columbia“ steht auf den Nummernschildern der Autos hier. Dass das stimmt, habe ich mit Berichten und Fotos ausgiebig bewiesen, denke ich. Aber was gibt es denn zum Thema Auto noch zu sagen?

Das Fahren in Kanada ist recht angenehm, denn die Straßen sind breit und die Highways oft kerzengerade. Außerdem ist es ein Traum an Verkehrs(nicht)dichte, wenn man mal an den Ballungsraum Stuttgart oder deutsche Autobahnen im Vergleich denkt.

Obwohl wir schräg angeschaut wurden und uns diverse upgrade-Angebote gemacht wurden, sind wir hier mit der Kompaktklasse unterwegs. Es würde zu zweit gerade so reichen, meinte der Angestellte bei Alamo. Wir mussten lachen, denn der Nissan Altima ist größer als unser Auto daheim, das dort als Kompaktwagen zählt. In diesem Land herrschen einfach andere Dimensionen. 🙂 Da er deutlich weniger Sprit schluckt als ein SUV oder Pickup, die hier zum Teil auch liebevoll Trucks genannt werden, waren wir bisher eher dankbar um diese „kleine“ Variante. Allerdings haben wir es dann doch geschafft, uns einen „Truck“ zu wünschen, weil 60km „Straße“ ganz im Norden Vancouver Islands auch mal an die Grenze des Fahrzeugs heran reichten. Aber das verbuchen wir unter der Kategorie Abenteuer. 😉 Hier nochmal das Video:

Und weil es nicht nur uns so geht, gibt es hier große Car Wash Stationen. Und so strahlt er wieder:

Car wash in BC – The car is clean again! 😉

Bei der Fähre gab‘s tatsächlich Rabatt für die Größe und im Vergleich zu den meisten Urlaubern hier, die per Wohnmobil unterwegs sind, sind wir auch flexibler, was die Haltebuchten und Wendemöglichkeiten angeht. Auf unserer Abenteuerstrecke haben wir aus gutem Grund dann kein WoMo mehr gesehen. Deren Fahrer sind übrigens überwiegend ältere Paare. Den September haben sie sich ausgesucht, weil eben keine Familien mehr unterwegs sind, da überall wieder Schule ist. Den Gedanken hatten wir auch, aber haben die Sache scheinbar nicht ganz durchdacht. Jetzt, Ende des Monats, ist es jedoch schon bedeutend ruhiger und leerer.

Die Haltebuchten bzw. Rest Areas gibt es, v.a. in den Nationalparks, zu Hauf. Stets mit Mülleimern (die Bären nicht öffnen können) und fast immer mit Klohäuschen. Wir nennen sie liebevoll „Kackamin“, weil sie einen kleinen Kamin haben. Vielleicht ziehen da tatsächlich die Gerüche der Bio-Toilette ab, die eine große Grube weit unter der Schüssel ist, in welcher na-ihr-wisst-schon rumschwappt. Vielleicht ist es aber auch nur Deko, um sie noch schöner zu machen (von außen). Tatsächlich haben sie jedoch so gut wie immer Klopapier und an den Straßen auch Handdesinfektionsmittel.

„Kackamin“ – Plumpsklo-Häuschen all over BC and Alberta

Zurück zum Autofahren… Ein gutes Prinzip hier ist das Überholsystem. Viele Straßen haben eine dritte Spur, die abwechselnd in die eine und dann in die andere Richtung als Überholspur dient. Von manchen deutschen Landstraßen kennt man das schon, hier ist es die Regel. Es ist sehr praktisch, um langsame WoMos zu überholen oder sich von den großen (echten) Trucks überholen zu lassen. Das tun diese sonst, auch bei doppelt durchgezogener Mittellinie, was Überholverbot bedeutet, und sichtbarem Gegenverkehr ungeachtet des Speedlimits. Daran muss man sich erst einmal gewöhnen.

Oft gibt es die alten Highways in der Nähe der neuen, besser ausgebauten, noch. Die zu benutzen ist in der Regel viel schöner, da sie ruhiger, idyllischer, mitten im Wald oder direkt am Meer sind. Hier findet man die schöneren Plätzchen, um Pause zu machen und es gibt die bessere Aussicht samt geeigneter Haltemöglichkeit. An einem solchen haben wir dann ja auch einen Bären gesehen.

Ampeln gibt es nur in Städten. Diese hängen, wie in den USA, mitten auf der Kreuzung oder stehen dahinter. Ich finde das total praktisch, weil man an der Haltelinie stehend nicht den Hals verrenken muss. Gut zu wissen ist, dass man auch trotz roter Ampel unter Einhalten der Vorfahrt nach rechts abbiegen darf bzw. unbedingt soll. Links abbiegen hingegen ist an gefühlt jeder Kreuzung anders geregelt. Aber das findet man ja auch immer irgendwie raus. 😉 An Stoppschildern muss man auf jeden Fall richtig anhalten. Danach gilt à la „first come, first serve“: Wer als erstes an der Linie ankam, fährt als erstes wieder weiter. Also aufgepasst, welche die richtige Reihenfolge war.

Anders als man es in Deutschland gewohnt ist, tankt man hier im „self-service Prinzip“, indem man ein Limit für die Kreditkarte an der Zapfsäule eingibt und bis dahin oder bis der Tank voll ist befüllt und berechnet bekommt. Auch sehr praktisch, finde ich.

Und natürlich gibt es für alles einen „Drive thru“. Bekannterweise Fastfoodketten, aber auch Banken und angeblich (Matz, ich will noch immer die Location!!) Kirchen, um zu heiraten.

 

— English Version —

It says „Beautiful British Columbia“ on the licence plate of BC‘s cars. And this is true as you know from pictures and texts I posted before. But what else to say about driving a car in Canada?

Driving Highways in Canada is very comfortable compared to Germany, because it is less crowded and streets are bigger and often strasightaway. Due to bigger roads cars are bigger as well. The staff at Alamo didn‘t believe in us having enough space for two people in a fullsize car and wanted us to upgrade to an SUV. But our Nissan Altima is bigger than our car back at home and needs way less fuel. So we are very satisfied with the rental car. The only „street“ we desperately wanted to have a Pickup Truck on it was the gravel one to Cape Scott Provincial Park on Vancouver Island but our „small“ one made it as well and so we just keep calling this trip an adventure. 😉

The ferry‘s costs were less than the usual price thanks to our „small“ car. And compared to most of the tourists driving by mobile homes we always find a parking lot where we fit in and are able to turn around wherever we need to. Driving through BC and Alberta in September means to share the roads with loads of mobile homes. They‘re usually driven by elderly couples who wanted to spend their holidays without families. Kids are back to school all over again these days. That‘s the way we thought as well but didn‘t think it completely through, I guess.

There are enough rest areas all along the highways and parkways, first of all in the national parks. They all have litter boxes (which cannot be opened by bears) and mostly toilets. But you really need to love being in nature, ‘cause you cannot flush them or wash your hands. For this issue there‘s sanitairy foam nearly everywhere and most of them have toilet tissues.

A good system for driving highways is the second lane to take over slower vehicles that appears every few kilometers. I use them to take over the mobile homes and the big wood logs use it to take over me what makes me happy ‘cause otherwise they do it where it isn‘t allowed and without mentioning the speedlimits. But you get used to that fact as well after some weeks of driving.

If there are any you should always use the old highways near the new bigger ones. They are quite nice in being less crowded and offering lovely viewing points in the forests or at the coast and you can find lovely rest areas in peace and silence.

Last but not least I like the junctions in Canadian (and US American) streets. Traffic lights are positioned behind the junctions so you can see them easily without twisting your neck. Next to that you‘re allowed (and supposed) to turn right even though the lights turn red. You just need to take care of the other‘s ROW. Turning left seems to be always different but you can figure out how it works. At stopp signs you really need to come to an halt. After that it all goes like „first come, first serve“. So take care of who was before you. 😉

And of course – how could I forget? – there‘s a drive thru everywhere: for food, ATMs and even churches to get married (as my brother told me just some weeks ago – still waiting for the adress *haha*).

Maren

- Lehrerin auf Abwegen - Der Sommer wird für mich von August 2017 bis August 2018 anhalten, weil ich ein sog. Sabbatjahr einschiebe, um endlich das Reiseziel Südamerika anzusteuern. Was sollte da näherliegen, als in Nordamerika anzufangen, um über Zentralamerika den Süden zu erreichen? ;)

6 Gedanken zu „Autofahren in Kanada / Driving a car in Canada

  1. Hei hei,
    ich lese jetzt schon über einen Monat deinen blog mit viel Neugier und genieße es jedesmal Neues zu erfahren (obwohl ich durchaus zum besten informierten Personenkreis gehöre). Diesmal habe ich eine kleine Anmerkung zwecks Wendemöglichkeit der Womo’s. Erinnerst du dich noch an Lom (Norwegen) – Feldweg zu einem Bauernhof – Sackgasse im Berg – mit langem Womo – Fahrerkabine überm Abrund und Heck im Gestrüpp!?
    Die Mam

    1. Hihi, ich glaub auch, dass du am besten informiert bist! 😉 Aber schön, dass mein zweiter Blog genauso gern gelesen wird wie der erste vor 10 Jahren. Nutzt ihr den „an Oma senden“-Button eigentlich fleißig?
      Und ja, ich erinnere mich sowas von an dieses Womo-Wendemanöver. Hab’s Felix hier schon erzählt. Hier fahren aber fast alle mit den kleinen Womos oder (Ich denk, das sind die Kanadier selbst oder US Amerikaner) mit halben Bussen inklusive PKW hinten noch angehängt. Davon hab ich leider kein Foto, aber das müsstest mal sehen.

  2. ähmm, also bei den „trucks“ handelt es sich nicht nur umgangssprachlich um solche, sondern die Dinger sind haben tatsächlich eine Marktzulassung als „Light Duty Trucks“ und eben nicht als „Passenger Cars“ .. hihi, sorry für die Pedanterie *grins* .. konnte mich berufsbedingt nicht zurückhalten.

    1. Klugscheißern ist erlaubt, mach ich ja selbst ständig. 😉
      Diese 5,7l RAMs und Co. brauchen zu Recht ne LKW-Zulassung. 😉 Aber wenn’s dann um speed limits geht, sind sie plötzlich doch keine trucks mehr!!! *haha*

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