Icefields Parkway & Jasper NP (Alberta, CAN) sowie Mt Robson Provincial Park (BC, CAN)

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In Banff drohte das Wetter wieder zu kippen, also nichts wie los gen Norden, wo die Prognose für das Wochenende vielversprechend klang. Am besten geht das über den Highway 1 (Trans-Canada-Highway). Da wir den jedoch schon kannten, nahmen wir den alten Highway direkt daneben, jedoch schön versteckt im Wald auf der anderen Seite des Bow Rivers. Und als würde uns der Bow Valley Parkway dafür belohnen wollen, begegnete uns dort der erste Bär, der in der herbstlichen Sonne genüsslich eine Beere nach der anderen verspeiste. Allerdings war er zu weit weg, als dass ich euch nun ein tolles Foto präsentieren könnte. (Da wären wir wieder beim Teleobjektiv für die Kamera…) Eine Rangerin verscheuchte dann auch sehr schnell die immer größer werdende Gruppe von Passanten, sodass ein freier Blick eh nicht mehr möglich war.

Doch das war erst der Anfang unseres Wildlife-Tages. Denn sobald wir auf den Icefields Parkway (No. 93) abbogen – einer Etappe, auf die ich seit Monaten gewartet hatte – begegneten uns immer mehr Tiere der Rocky Mountains. Allen voran natürlich Eichhörnchen und besonders deren kleinste Vertreter, die Chipmunks. Am Peyto Lake erklommen wir eine kleine Anhöhe des Bow Summits, um unser Lunch ohne die weiter unten angeschwemmten Rentner-Busladungen (nicht abwertend gemeint, aber sie sind immer ziemlich anstrengend) genießen zu können. Was wir nicht auf dem Schirm hatten war ein kleiner, frecher Geselle, der immer zutraulicher wurde, um an die Krümel unserer Brote zu gelangen, bis er schließlich fast im Rucksack verschwand. Außerdem recht frech und unerschrocken sind die riesigen Raben am Straßenrand und auf den Parkplätzen.

Mit wieder etwas aufgetankten Akkus nach unserer großen Tour in die alpine Welt der Rockies kamen wir dann abends ganz entspannt in unserem ersten „Wilderness Hostel“ am Rampart Creek an. Die Bezeichnung bedeutet, man schläft in kleinen Hütten mit anderen, wo man bestenfalls eine Lampe hat. Eine weitere Hütte beherbergt den Aufenthaltsraum und die Küche mit Wassertank, Gasherd und Kühlschrank und die dritte ist die Bio-Toilette (Plumpsklo hieß das früher mal *hihi*). Wir mochten unseren Aufenthalt sehr, denn es ist wie Camping in komfortabel, da man ja ein Bett und eine dicke Decke hat. Der absolut geniale, wunderschöne Sternenhimmel ist dabei noch inklusive. Außerdem war der Hausherr eine wahre Bereicherung, weil er uns nach kurzem Abgleich, wie wir so drauf sind, sofort die besten Anlaufpunkte für den nächsten Tag auf der Karte zeigte.

Zu diesen gehörte der kurze Weg zu den Panther Falls, deren Einstieg wir niemals einfach so entdeckt hätten. Man konnte direkt an die Stelle laufen, an der das Wasser aus dem Fels schießt, und unter dem Vorhang sogar die ersten Eiszapfen wachsen sehen. Auch der beste Aussichtspunkt auf den Athabasca Glacier, der sich nach 2km auf dem Wanderpfad zum Mt Wilcox befand, gehörte dazu. Wir wussten hinterher auch, warum wir das als erstes gleich morgens machen sollten. Denn als wir den Parkplatz wieder verließen, flogen die Autos ein wie die Mücken. Man kann übrigens auch direkt an, oder – wenn man das Geld und die Muse dafür besitzt – auch auf den Athabasca-Gletscher. Doch das traf bei uns weniger zu. Wir schauten lieber so auf die verschiedenen Gletscherzungen des Columbia Icefields, wenn wir vorbeifuhren oder wandern waren.

Also fuhren wir lieber ein paar Kilometer zurück und starteten die nächste, recht einsame Wandertour, die uns empfohlen wurde: den Trail zum Nigel Pass. Auf dem Trail begegneten uns nur Vögel und vereinzelte Wanderer alle paar Kilometer. Die Route war wieder sehr abwechslungsreich und wir konnten sie bei bestem Wetter gehen. Nur auf der höchsten Stelle des Passes war es dann doch recht zugig und der in der Sonne wieder auftauende Boden machte das Vorankommen manchmal etwas schwieriger (=schlammiger). Nach 8km drehten wir daher um, sodass wir auf dem Rückweg noch genug Zeit hatten, mal wieder die Füße im eiskalten Nass waschen zu können.

Mit einem kurzen Halt bei den Sunwapta Falls – ihr merkt langsam auch, dass hier überall Wasser aus den Bergen runterkommt, oder? Achtung… erreichten wir dann das zweite Wilderness Hostel an den Athabasca Falls. Auch hier hat es uns super gut gefallen, denn in einem Tal, durch das zwar eine Straße führt, das jedoch zwischen den 232km entfernten Städten an den beiden Enden keinen Handyempfang, Internet und Geräuschpegel besitzt, schläft es sich (auch ohne Heizung) wunderprächtig. Wir waren nun im Jasper National Park und bereit für die nächsten Wandertouren!

Die Wasserfälle beguckten wir dann bei einem Ufer-Spaziergang erst am nächsten Morgen und erfreuten uns am Schiefer, den man so toll übers Wasser springen lassen kann, sowie der Tatsache, dass man auch ohne Kinder Boote schwimmen lassen kann. 🙂 Wir fuhren dann mal wieder die Nebenstrecke, den alten Highway 93A. Unser Ziel waren die Mount Edith Cavell Meadows, ein Wandergebiet, das den Sunshine Meadows gleich sehr hoch und wohl wunderschön gelegen sein soll. Wir scheiterten jedoch an der fehlenden Genehmigung, die Passstraße zum Wanderparkplatz benutzen zu dürfen. Die hätten wir in Jasper wohl noch bekommen können, jedoch erst für den Nachmittag oder den nächsten Tag. Also fuhren wir weiter zum Hotspot Jaspers schlechthin – dem Whistlers Peak.

Wir machten auch hier alles wieder anders als der große Rest. Als Insassen von einem der nur sechs Autos, den den Wanderparkplatz an diesem Tag gefunden haben, machten wir uns an einen Aufstieg von über 1300 Höhenmetern. Der zweite Parkplatz befindet sich neben der Jasper SkyTram, der Seilbahn, die über 1000 davon zumindest bis kurz vor den Gipfel überbrückt. Die Beine waren schwer von den Touren zuvor, doch der Wechsel aus Wald und Farnen über Geröllfelder und die sehr karge Gipfelregion auf 2470m sorgte für die nötige Ablenkung. Problem war nur: die 1300 Höhenmeter mussten wir auch wieder runter.

Das Städtchen Jasper streiften wir anschließend nur und fuhren auf dem Yellowhead Highway (No.16) zum ersten Mal wieder gen Westen und zurück nach British Columbia, bis wir die nächste Siedlung und unser Domizil, das Bearberry Meadows Guest House in Tête Jaune Cache erreichten. Unterwegs erfreuten wir uns dann noch an der Tatsache, dass sich unsere Wildlife-Erfahrungen neben erneut vielen Eichhörnchen und einem weiteren Reh auch noch um einen Elch – und jetzt kommt der Witz – im Moose Lake (=Elch-See) bereicherten. Erfreut hat uns dann aber auch die heiße Dusche und das große Apartementzimmer im wunderschönen Blockhaus, denn auch wenn uns in der „Wildnis“ nichts fehlte, schätzten wir den Luxus nach drei Tagen in Wanderklamotten und mit kaltem Wasser aus Waschschüsseln sehr. 🙂

Diesen Luxus wollten wir dann eigentlich auch ausgiebiger nutzen, den angekündigten Regen einfach im Haus aussitzen und einfach mal die Beine hochlegen. Doch irgendwas hat uns dann doch hinaus getrieben. Der Regen blieb erst einmal aus und so stoppten wir kurz an den Rearguard Falls, um uns 10 Minuten wach zu laufen und starteten die nächste Wanderung im Mount Robson Provincial Park. Auf dem Berg Lake Trail ging es immer am Bach entlang zum Kinney Lake. Unterwegs war uns sogar ein ganz kurzer Blick auf den höchsten Gipfel der kanadischen Rocky Mountains zuteil. Den Mount Robson sieht man zusammengerechnet wohl weniger als 14 Tage im Jahr, also waren wir super glücklich den ganz knapp unter 4000m hohen Gipfel in einem Wolkenloch bestaunen zu können, bevor er wieder verschwand.

Unser Deal mit uns selbst war die Mitte des Sees zu erreichen und dann wieder umzukehren. Doch die Beine trugen uns weitere 5km bis hinauf ins Valley of a Thousand Falls und zwangen uns erst nach der vierten Flussüberquerung (auf einer Hängebrücke) und dem Gefühl, ein lohnendes Ziel erreicht zu haben (das Vesper) zum Umkehren. Kurz vor dem Parkplatz setzte dann der Regen ein und wir waren froh, unseren neuen und ungeplanten Rekord von 21km in 4,5 Stunden genau dann eingestellt zu haben. Und nun wollen wir wirklich mal eine Wanderpause einlegen. 😉

Maren

- Lehrerin auf Abwegen - Der Sommer wird für mich von August 2017 bis August 2018 anhalten, weil ich ein sog. Sabbatjahr einschiebe, um endlich das Reiseziel Südamerika anzusteuern. Was sollte da näherliegen, als in Nordamerika anzufangen, um über Zentralamerika den Süden zu erreichen? ;)

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