Yoho National Park (British Columbia, CAN)

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Gleich mal vorweg: Wir lieben das Gebiet des Yoho-Nationalparks! Der Name kommt aus der Sprache der Cree und ist ein Ausdruck des Staunens oder der Bewunderung. Das können wir total verstehen! 🙂 Untergekommen sind wir für drei Nächte im Dreamcatcher Hostel in Golden. Das lieben wir genauso. Die Besitzer sind ehemalige Backpacker, die hier ein kleines Backpackerparadies geschaffen haben. Der letzte Blog-Eintrag ist dort im gemütlichen Ess- und Wohnzimmer entstanden, in Socken, denn das ganze Haus ist „schuhfrei“, und mit den beiden Haushunden zu meinen Füßen (die die Schuhe ab und zu wegtragen, wenn man keinen Platz in den oberen Regalfächern gefunden hat). Währenddessen erregte Felix beim Hausherrn Aufmerksamkeit, weil er Fleischküchle gemacht hat, also nach örtlichem Verständnis Burger ohne Brot – crazy Germans! 😉

Den ersten Tagesausflug in Yoho verbrachten wir selbstverständlich mit wandern. Von den Takakkaw Falls (in Cree: „es ist großartig“) ging es sehr steil nach oben. Auf unserem Pfad direkt oberhalb der Baumgrenze hatten wir dann einen wunderbaren Blick zurück ins Tal und auf den zweithöchsten Wasserfall Westkanadas. Unser Weg führte uns zum Yoho Lake, einem wunderbar versteckt im Wald liegenden kleinen See, dessen Gletscherwasser angenehm erfrischend war. Die Sonne wärmte uns dort bei einem gemütlichen Vesper. Über den Yoho Pass überquerten wir dann den Bergrücken und wanderten mit der Sonne gen Westen. Mit Blick auf den nächsten Wasserfall stiegen wir über Wurzeln und Geröllfelder (Schneisen von einmal abgegangenen Lawinen hat man in den Rockies überall) ins Emerald Basin ab. Hier sah man ganz deutlich, wie sich das Schmelzwasser jedes Jahr einen neuen Weg durchs Kiesbett gräbt, denn der Wanderpfad war als kerzengerade Linie eingezeichnet, beinhaltete jedoch jede Menge Zickzackkurs und zu überquerende Bachläufe, manche mit, andere ohne helfende Holzplanken. An dieser Stelle ein Hoch auf die wasserdichten Bergstiefel, denen ich zum Glück den Vorzug beim Packen gab. Die Spiegelreflexkamera musste deshalb zu Hause bleiben, allerdings tut die kleine Systemkamera, die ich noch schnell per Amazon-Schnäppchen erwerben konnte, auch ihren Dienst. (Wenn mich allerdings jemand mit einem Teleobjektiv unterstützen mag, bitte melden!) Wir gönnten uns eine zweite Pause am Emerald Lake, wo wir es einem Brautpaar gleich taten und erst mal ein Foto vor traumhafter Kulisse schossen. Aber unseres entstand im See! Eiskalt, aber klar und türkisblau sind die meisten der Seen hier und fast jeder hat wohl schon einmal ein Foto davon gesehen. Wenn nicht… voilà:

Emerald Lake (Yoho National Park)

Die Wanderung war so möglich, weil wir uns wieder mit Alex zusammengetan haben. Wir haben morgens ein Auto am Emerald Lake geparkt, sind mit dem zweiten zu den Takakkaw Falls gefahren und von dort gestartet, um am Ende mit Auto Nr. 1 wieder zu Auto Nr. 2 zu kommen. Rundwege sind hier sehr kurz oder viel zu lang für einen Tag. Man muss also kreativ werden. 😉 Bevor wir uns wieder trennten, besuchten wir noch eben die Natural Bridge über den Kicking Horse River, einer Steinformation, durch die sich das Wasser einen kleinen Tunnel gegraben hat. Überquert hab ich die Steinbrücke jedoch nicht (Felix hat‘s mir verboten – Spießer!).

Takakkaw Falls (Yoho National Park)
Yoho Lake (Yoho National Park)

Der zweite kurze Halt galt dann noch der Canadian Pacific Railway. Die Bahnlinie, die den Pazifik mit dem Atlantik verbindet (überwiegend für Güterverkehr) spielt hier überall eine große Rolle. Wir haben ja bereits an anderen Stellen bewundert, wie mit großen Steigungen, dickem Fels und reißenden Bergbächen umgegangen wurde und auch hier bei Field wurden die Ingenieure wieder kreativ. Abgeschaut bei den Schweizern haben sie die Spiral Tunnels. Dabei handelt es sich um zwei große Schleifen mit Tunneln durch die jeweilige Bergseite, die zusammen quasi eine liegende Acht ergeben und den Aufstieg der langen, schweren Güterzüge ermöglichen. Auch wenn die Züge mit 4 Dieselloks vor allem nachts direkt vor dem Zimmerfenster auch echt nerven können, war es doch lustig mit anzusehen, wie die letzte Lok im Tunnel am Bergrücken gegenüber verschwand, während die in der Mitte eingespannte gerade am oberen Ende wieder herauskam und die vorderen beiden Loks schon einen weiteren großen Bogen hinter sich gelassen gerade direkt an uns vorbeifahren.

Auf dem Rückweg nach Golden begegneten uns schließlich zum ersten Mal Dickhornschafe (bighorn sheep). Die in den Bergen lebenden, richtig schönen Tiere, stiefeln ab und zu am Highway entlang. Leider nie an einer Parkbucht, an der ich mal anhalten könnte, um ein Foto zu machen. Die anderen Tiere, die wir besuchten, waren Bisons. Diese leben jedoch auf einer Farm, doch den Zaun kann man sich ja wegdenken, oder? 😉

Buffalo Farm, Golden

Für den zweiten Tagesausflug in Yoho ließen wir die Wanderstiefel dann ausnahmsweise einmal weg. Wir nutzten die Verlängerung der Whitewater Rafting Saison der Glacier Raft Company und verbrachten einen Tag auf dem Kicking Horse River, den wir durch Wandern und Vorbeifahren schon oft gesehen haben. Der Vormittag begann gemütlich mit einer Einweisung ins Raften, zum Beispiel, was es mit den Einstufungen der „rapids“ auf sich hat. Wir starteten mit einem super Team mit den Stufen 1 und 2, deren gemütliches Dahintreiben es ermöglicht, sich mit dem kleinen Raftingboot, dem Paddeln (was wir Dank Drachenbooten ja schon beherrschen) und vor allem den Kommandos auseinanderzusetzen. Nach einem kurzen Halt an einem kleinen Wasserfall („Kanadas 211. größter“ *haha*) gab‘s an einem Uferabschnitt Steaks vom Grill samt Salat, warmen Getränken und Nachtisch. Am Nachmittag wurde es im Wasser dann etwas nasser, denn die Stufen 3 und 4 bedeuten, man muss erstens etwas mehr „arbeiten“ und man wird zweitens nicht nur, wenn man sich dazu aufraffen kann, in den Fluss zu springen, klatschnass. Dabei störte dann auch der einsetzende Regen nicht. Eigentlich sind immernoch alle einfach nur dankbar, dass der Rauch der Feuer dadurch die Luft nicht mehr belastet. Neben all dem Spaß lernten wir dann auch noch die örtlichen Besonderheiten des Flusses, Gesteins und Tierreiches kennen. Hat von euch denn schon jemand etwas vom Grizzly-Bieber gehört?

Nach dem Duschen und Umziehen (Seitenkommentar: Wir Europäer sind als viel zu freizügig verschrien bzw. im Umkehrschluss die Frage, wie prüde man eigentlich sein kann, sich nicht einmal in einer nach Geschlechtern getrennten Umkleide umziehen zu können, sondern – Männlein wie Weiblein – dafür die Toilettenkabine nutzt?) gab‘s dann noch das für alle Beteiligte verdiente Abschlussbier. Hundemüde verließen wir British Columbia für das nebenan gelegene Alberta mit den nächsten Nationalparks auf unserer Reise.

 

— English Version —

First: We love the whole area of Yoho National Park! In the language of the Cree Yoho is an expression of amazement and admiration. We totally understand that point! 🙂 We chose the Dreamcatcher Hostel in Golden as accomodation für 3 nights and this we love quite the same. The owners are former backpackers who offer a little backpacker paradise. My last entry was written in it‘s cozy living room, in socks, because the whole house is „shoe free“, and with the host‘s dogs lying to my feet. In the meantime Felix caught attention in the kitchen. He made meatballs like burgers but without any bread – crazy Germans! 😉

We spent our first day in Yoho with hiking. From Takakkaw Falls (in Cree: „it‘s awesome“) we climbed up the mountain until we reached the timberline. Following a path above this we had some great views of the valley and the falls. We went to Yoho Lake, a beautiful small lake in the woods, where we had our lunch. Via Yoho Pass we crossed the mountain range and over sticks and rocks (avalanche area) we climbed down to the Emerald Basin. There we could see how the melting water runs in new ways every year. In the map our path was marked as a straight line but ended up to be a zigzag path over and through water. Glad that I brought my waterproof hiking boots with me. For them my big camera had to stay back at home, but the small one I luckily got (amazon sale) is doing quite well. (If anybody feels like giving me a good telefoto lens, I would be very pleased!) We allowed ourselves a second break at Emerald Lake where we copied a bridal pair‘s photo shooting. But we did it in the water which was clear, as turquoise as you know from pictures and icy cold.

This hike was possible due to the fact that we teamed up with Alex again. We parked one car at Emerald Lake, drove over to Takakkaw falls, started our hike and used car No. 1 to go back to car No. 2. Loop trails are very short or way too long for one day hikes around here so you need to be creative. 😉 But before we split up our German team we watched the waters of Kicking Horse River running through the Natural Bridge. I was not allowed to walk over it (Felix told me so).

The second short stop was for one of the Canadian Pacific Railway‘s most famous spots: the Spiral Tunnels. On the route from the Pacific to the Atlantic the trains must climb the very steep Rocky Mountains. Next to the litte town Field the CPR build two big loops with tunnels so that it looks like a lying number eight. It was kind of funny to watch the last of the four diesel engines going into the tunnel while the one in the middle of the train comes out of it and the first two engines pass by where you stand after driving another big bend already.

On our way back to Golden we saw some bighorn sheep for the first time. Those animals living in the mountains walk up and down besides the highway but never close to some parking lot so sadly no pictures taken yet. The other animals we met were buffalos. They live on a ranch near Golden and you just need to ignore the fences. 😉

For the second day trip in Yoho we left our hiking boots behind and chose to stay on the water we already knew from passing by: the Kicking Horse River. We were lucky that the Glacier Raft Company extended their whitewater rafting season for some days. With some really cool guys we started the day with rapids of level 1 and 2 so that everybody could learn how to paddle and how to react to all the comands. We stopped by at some small waterfall („Canada‘s 211th highest“ *haha*) and had BBQ for lunch, including hot drinks and deserts. Afterwards we reached rapids of level 3 and 4 and it was real fun. The weather changed but the rain wasn‘t the only thing that kept us completely wet for the rest of the ride. 😉 Besides we learned a lot about the river, the landscape next to it and the wildlife, for example the Grizzly beaver. Have you ever heard of it?

After a hot shower and the „thanks for the great time“-beer we were very tired and left British Columbia for Alberta wich is supposed to present the most famous National Parks in Canada: Jasper & Banff.

Maren

- Lehrerin auf Abwegen - Der Sommer wird für mich von August 2017 bis August 2018 anhalten, weil ich ein sog. Sabbatjahr einschiebe, um endlich das Reiseziel Südamerika anzusteuern. Was sollte da näherliegen, als in Nordamerika anzufangen, um über Zentralamerika den Süden zu erreichen? ;)

2 Gedanken zu „Yoho National Park (British Columbia, CAN)

    1. Gern geschehen. Der zweite ist soeben online gegangen und erfreut dich hoffentlich genauso! 🙂
      Danke, wir ziehen morgen wieder weiter. Die Wildnis ruft!
      Liebe Grüße in die Heimat

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