Banff National Park (Alberta, CAN)

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In Banff, dem bekanntesten – und wohl auch überlaufendsten – Nationalpark Kanadas, verbrachten wir drei Tage wie sie unterschiedlicher nicht hätten sein können. Wir hatten einen Tag Sonne satt mit etwas Wind und vielen Menschen, einen üblen Regentag, an dem wir dann etwas langsamer unterwegs waren, und einen Tag mit… ach, seht nachher selbst.

Tag 1: Wir fuhren das volle Touri-Programm! Lake Louise und Moraine Lake sind die Anlaufstellen im Banff Nationalpark schlechthin. Weil sich Alex‘ Schuhe in unserem Auto versteckt hatten, verabredeten wir uns um 10 Uhr auf dem Parkplatz des Moraine Lakes für eine Übergabe, bevor sich die Wege erst einmal wieder trennen sollten. Wir wären da auch pünktlich angekommen, wenn nicht schon zu viele andere auf die Idee gekommen wären, das super gute Wetter zu nutzen. Die Straße war wegen überfülltem Parkplatz gesperrt und wir wurden auf einen 3km entfernten „Overflow“-Parkplatz umgeleitet. Von dort gingen Schulbusse als Shuttles zu beiden Seen, doch bis wir schließlich wirklich am Moraine Lake ankamen, vergingen fast 2 Stunden. Alex war längst weg und Felix trug dessen Schuhe daher munter den ganzen Tag im Rucksack mit sich herum.

Nach den typische Aussichtspunkten direkt am See, entflohen wir der Menschenmasse und stiegen den nur 4km langen, aber sehr steilen Pfad in und durch das Larch Valley auf, um den Blick auf die gelb verfärbten Bäume vor traumhafter Bergkulisse bei einem Vesper genießen zu können. Dazu mussten wir uns allerdings in einer Kuhle hinter zwei kleinen Bäumchen verstecken, weil der Wind ganz schön kräftig pfiff. Wenn sich ab Mitte September die Lärchen hier gelb verfärben, sprechen die Westkanadier von ihrem „Indian Summer“. Natürlich kann er, was die Bäume angeht, nicht mit dem echten im Osten mithalten, doch wir finden ihn wunderschön! 🙂

Larch Valley

Der zweite Shuttlebus brachte uns dann am späteren Nachmittag zum Lake Louise. Hier wollten wir ganz schnell wieder weg, denn obwohl der See wirklich schön ist, kann man ihn vor lauter Menschen fast nicht sehen. Auch das riesige Hotel, das direkt am Ufer steht, schadet dem Postkartenmotiv echt. Weil die Sonne mittlerweile von Westen direkt auf den See schien, zeigte er sich noch nicht einmal von seiner türkisesten Seite. Also Foto geschossen, zugeschaut, wie ein mutiger Kerl ins eiskalte Wasser sprang und zurück zum Shuttlebus, der dann zu unserer Freude direkt zum Parkplatz unseres Autos zurückfuhr.

Lake Louise

Tag 2: Es regnete und es hörte auch nicht wirklich auf. Daher schliefen wir aus und fuhren erst einmal ins Städtchen Canmore, wo wir Bagels frühstückten und bei Kaffee und heißer Schoko das freie WiFi nutzten. Doch weil man nicht den ganzen Tag im Café sitzen bleiben kann bzw. will, stiefelten wir dann schließlich in unsere Regenjacken gehüllt doch noch los. Wir nutzten das Wegenetz um die Stadt, überquerten den Bow River, quälten uns einen keinen Berg hinauf, um an einem Stausee entlang zu gehen und schlugen uns schließlich auf einem mini Trampelpfad ins Unterholz. Hier hätte ein Bär wahrscheinlich nicht schlecht geschaut, uns zu begegnen. 😉 Irgendwann wurde der Regen so stark, dass auch die Jacken nicht mehr ganz dicht halten wollten und so traten wir den Rückweg an. Einen zweiten Halt in Banff verschoben wir auf den nächsten Tag, denn das Primärziel war die heiße Dusche und danach wieder trockene Füße. Im Motelzimmer mussten wir jedoch erst einmal mit einem Heizlüfter einheizen, während draußen die ersten Flöckchen rieselten.

Tag 3: Richtig, es hat geschneit. Die Berge um uns herum waren alle weiß gezuckert, als wir morgens aus dem Bett krochen. Mitte September kommt das in der Regel zum ersten Mal in den Rocky Mountains vor. Der Schnee bleibt dann nicht wirklich liegen, aber so lange die Nächte nun klar sind, werden die Höhenlagen auch abseits der Gletscher tatsächlich schon etwas weiß bleiben. Mich hat‘s gefreut, Felix nicht gestört und so ignorierten wir den leichten Regen im Tal und fuhren erst mal in den Banff Nationalpark hinein. Unser Motel lag etwas außerhalb in Dead Man‘s Flats, das zu Canmore gehört, war das billigste weit und breit und trotzdem absolut nicht billig. Daran merkt man, dass der Banff Nationalpark so touristisch ist.

Erster Halt des Tages war der Minnewanka Lake, einer der vielen Stauseen, die zur Energiegewinnung beitragen. Danach hielten wir in der Kleinstadt Banff, denn der einsetzende Schneeregen und die doch recht frischen Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt verlangten nach härteren Maßnahmen. 😉 Ich habe tatsächlich das erste Gepäckstück entdeckt, das ich zu Hause vergessen habe: Eine lange Funktionshose, die unter der leichten Wanderhose für genug Wärme sorgt. Doch mein Glück beschwerte mir den letzten Tag SALE im Sportgeschäft und den Glücksfall eine so schöne „Unterbuxe“ zu finden, dass ich sie auch als Schlaf- oder Jogging“hose“ nutzen kann. Leggins sind ja grad extremst angesagt. 😉 Banff ist übrigens so voller Touristen, dass wir auch gleich wieder geflohen sind. Schon lustig, denn wir sind ja auch Touris, doch wir suchen ständig die abgelegeneren Pfade, um uns in der kanadischen Landschaft verlieren zu können.

Minnewanka Lake

Das gelang uns dann auch sehr gut bei unserem dritten Stopp des Tages im Sunshine Valley. Das Skigebiet liegt mitten im Nationalpark und ist in der Regel über eine Seilbahn zu erreichen. Natürlich ist sie viel zu teuer, wenn man nur etwas wandern gehen möchte, weswegen wir gleich von der Talstation losstiefelten. Der Pfad endete recht früh und wir mussten auf der Schotterpiste für den Lieferverkehr weitergehen. Das war nicht gerade schön, aber nach einem Vesper im Sunshine Village – hier ist im Winter sicherlich einiges los – wurden wir dann für den Aufstieg belohnt. Wir erreichten im sanften Schneefall die Sunshine Meadows und waren einfach nur noch hin und weg von der Landschaft und der absoluten Stille. Außer uns war niemand auf den Wanderpfaden unterwegs, was zum Einen sicher am Wetter und zum Anderen wohl daran lag, dass noch viele Pfade wegen der Waldbrände gesperrt waren. Die gesperrte Zone im wahrsten Sinne des Wortes links liegen lassend umrundeten wir das Skigebiet und stiegen über einen langgestreckten Pass wieder ins Tal ab. Auf 2300m konnte man noch recht weite Flächen überblicken. Später, allein im Wald, war mir schon manchmal etwas mulmig zu Mute, denn auch wenn aktuell keine Bären gesehen worden waren, vermutete ich hinter jeder Biegung einen auf mich zukommen. Also taten wir, was man als Abschreckung beim Wandern einfach immer tun soll – auch wenn man lieber die Stille genießen würde: man plappert vor sich hin, pfeift, singt und stapft etwas lauter mit den Stiefeln über den Waldboden, als man das eigentlich müsste. Nach 20 Kilometern und über 4 Stunden kleinem Abenteuer allein auf weiter Flur erreichten wir sicher und ohne Bär oder Puma das Auto. Auf der Fahrt zurück ins Motel konnten wir dann zum ersten Mal alle Berggipfel links und rechts des Highways sehen, weiß glitzernd vom Neuschnee und leuchtend in der Abendsonne.

Sunshine Meadows – my favorite so far!

 

— English Version —

We spent 3 days in Banff, which is Canada‘s most famous – and most crowded – National Park. Those were totally different from each other. We enjoyed a sunny day with lots of wind and people, we fought through a really bad rainy day and… but see for yourself later.

Day 1: We took the whole touristic programme! Lake Louise and Moraine Lake are the two spots everybody stops by. Due to Alex‘ shoes which played hike and seek in our car we made an appointment for 10am at Moraine Lake. But we didn‘t get there in time, ‘cause the parking lot was already full and so the road was closed. We were sent to an overflow parking lot outside Lake Louise Village. A former school bus took us to some transfer spot and finally up to Moraine Lake. All in all it took nearly 2 hours, so Alex was already gone to some guided tour and Felix had to carry the shoes in his backpack the rest of the day.

After the typical view points next to the lake we escaped the masses in hiking up the short but very steep 4km to and through Larch Valley to enjoy the views of yellow trees in front of summits and glaciers. It was very windy so we had to hide in a hole next to some little trees to have our lunch. Although the larches cannot compete with the real Indian Summer, we really liked it up there.

The second shuttle bus took us to Lake Louise but we didn‘t stay for more than 15 minutes. There were so many people that we could hardly find a free spot to stand and look at the lake and the big resort right next to the waterside destroyed the picturesque view. So I took a foto and we went back to our car.

Day 2: It was raining and it didn‘t stop. For this we first drove to Canmore a little town where we had bagels for breakfast and enjoyed coffee and hot choc while using the free WiFi. But we didn‘t want to sit inside a café for the rest of the day, so we ignored the bad weather and went off for some smaller hike around town. Covered in raincoats we crossed Bow River and went up the hill straight into the woods. The path was so small a bear would have wondered to see us around there. 😉 After a while the rain got too heavy and we were completely soaked so we decided to go back, skip Banff town and drive back to the motel to have a hot shower and get dry feet afterwards. Our room was so cold that we needed some heater and jumped into bed just in time when the first snowflakes fell outside.

Day 3: Waking up in the morning my first look was out of the window and for real the mountain tops were all white. In the middle of September it is supposed to snow for the first time in the Rockies but it won‘t last long. I liked it, Felix didn‘t mind and so we started into our last day around here. First stop was the Minnewanka Lake which is used as water reservoir and generation of energy as lots of the lakes are for. After that we visited Banff town for some shopping. I recognized the first item I left back at home: some bottom trousers to keep warm under my light hiking pants. The temperatures got very low in the meantime so I was happy to find a store with lovely clothes and sale with 25% off everything. 🙂

To make the day an unforgettable one we decided to go up to the mountains and straight into the bit of snow. So we drove into Sunshine Valley and hiked up to Sunshine Village, a ski resort. Due to the weather conditions and because there were still lots of trails closed (wildfire and stuff) we met nobody on the trails of Sunshine Meadows. It was so quiet and peaceful out there, we could hardly believe in our luck. We hiked all the way around the summit, to Simpson Pass and down to the valley. Though I was afraid of running into a bear after every bend I enjoyed being out there more than 4 hours and 20kilometers. The way back to the motel was pleased with perfect clear sky so that we could see all the summits on both sides of the Highway 1 with snowy tops and glowing in the evening sun.

Maren

- Lehrerin auf Abwegen - Der Sommer wird für mich von August 2017 bis August 2018 anhalten, weil ich ein sog. Sabbatjahr einschiebe, um endlich das Reiseziel Südamerika anzusteuern. Was sollte da näherliegen, als in Nordamerika anzufangen, um über Zentralamerika den Süden zu erreichen? ;)

8 Gedanken zu „Banff National Park (Alberta, CAN)

      1. Hihi, hab’s gedanklich eingefügt. Sieht gut aus. ️

        Ja, ich dachte auch, dass es im September hier schon leer ist. Wie muss das erst im Juli sein? Aber haben heute ja einen halben Tag mit eben dieser Weite und Stille verbracht.

  1. Und ich dachte heut morgen noch, aufgrund des neuen Profilbildes, dass es bei Euch schön warm ist. Da sind wir ja mit unseren 15 Grad noch ganz gut dran

    1. Wir haben wechselnd Sonnenschein, Regen und Schnee, wobei die guten Tage weit überwiegen. Die Temperaturen schwanken zwischen kurzer Hose und 5 Schichten. 😉
      Dein Kommentar ist übrigens in den Spam-Ordner gerutscht. Aber wir haben es gemerkt und jetzt bist du offiziell genehmigt. 🙂

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