Québec City (CAN)

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Für die Weiterfahrt nach Québec City habe ich mich kurzer Hand bei amigoexpress.com (eine zweite Seite für Mitfahrgelegenheiten ist kangaride.com) angemeldet. Im Vergleich zu den Greyhound Bussen oder den regionalen Zugunternehmen spart man hier deutlich mehr als die Hälfte der Fahrtkosten und da dieses System in Deutschland als Fahrer immer super geklappt hat, nutze ich es hier nun als Fahrgast. Von der Endhaltestelle der Métro in Montréal aus ging es dann immer gen Osten, bis wir die Stadt, die der Region ihren Namen gibt, erreichten. Hier ist die Landschaft wieder etwas hügeliger und es gibt wieder wunderbar viel Wasser. Bei mehreren Spaziergängen durch die Stadt erfreute ich mich an den wunderschönen Gebäuden. Das größte davon, das Château Frontenac (heute ein 5-Sterne Hotel), ist aus Filmen bekannt und überragt den Rest der Altstadt. Aber auch ein Rundgang um die Citadelle, das Flanieren auf der Hafenpromenade und die vielen kleinen Gassen auf und am Fuß des Hügels von Vieux-Québec sind wirklich lohnenswert. Selbst das Bahnhofsgebäude hat Türmchen und Erker und ist absolut nicht mit unseren Bahnhöfen in Deutschland zu vergleichen. Die vielen kleinen Cafés und Restaurants laden ebenfalls zum Verweilen ein und da es sehr warm war und die Sonne den ganzen Tag vom Himmel lachte (leichter Sonnenbrand No. 2), konnte ich in manchen Parks den Kindern zuschauen, wie sie in Badeklamotten oder einfach nackt durch die Wasserfontänen rannten. Glück ist, wenn man dabei beobachtet, wie ein Vater seinen Sohn im Rollstuhl durch selbige fährt, beide voller Enthusiasmus und bereits pitschnass.

Viex-Québec

Ich schlafe nun zum ersten Mal bei jemandem Zuhause. Antonio, der mir über couchsurfing.com sogar ein eigenes Zimmer angeboten hat, ist aus Perú und ich übe hier schonmal Spanisch für Mittel- und Südamerika. Und ich muss noch viiieeel üben!!! Daher bin ich nun auch immer mit meinem Spanischbuch unterwegs und gönne mir kleinere Pausen vom Sightseeing, in denen ich mich durch die Wiederholung meiner einmal beherrschten Sprachlevel kämpfe. Abends haben wir oft mit einer Freundin gemeinsam gegessen und noch einen Film geschaut (auch das Staffelfinale „Game of Thrones“ in Englisch mit spanischen Untertiteln) oder Salsa geübt (haha). Dadurch wird Couchsurfen etwas schöner als das Übernachten in Hostels. Auf dass es noch öfter so gut klappt.

Ich werde auf meiner Reise sicher noch viele solche erste Mal haben. Eins davon war es auch ein Rad zu mieten und damit loszuziehen. Es ging zum Wasserfall Montmorency und auf die Île d‘Orléans. Insgesamt fuhr ich fast 50 Kilometer, unterbrochen nur durch die 484 Stufen, die ich zum oberen Ende des Wasserfalls aufgestiegen bin und mich im zunehmenden Touristrom wieder hinuntergequält habe. Am Fuß des Wasserfalls wurde ich ordentlich nass und es gab einen herrlichen Regenbogen. Fotografieren war unmöglich, da alles voller Wassertropfen war. Die Überquerung des Sankt-Lorenz-Stroms über eine riesige Brücke war abenteuerlich und der Anstieg danach echt gemein, aber so erlebte ich den Teil Kanadas, der mir bis dato am unwirklichsten scheint. Bei monatelangem Winter gedeihen hier die tollsten Äpfel, Erdbeeren und Co, die ich beim Picknick am mini Strand mit Blick auf Ville de Québec genießen konnte. Am Ende hat mir das Rad gute Dienste geleistet und ich bin überrascht, dass hier scheinbar nicht nur Helmpflicht für die Mieter gilt, sondern so gut wie jeder tatsächlich mit einem fährt. Top! Ich feiere auch die Fußgängerampeln mit Countdown, sodass man immer abschätzen kann, ob man es schafft, noch drüber zu huschen, oder lieber stehen bleibt. Die Radwege um und aus der Stadt sind zudem wie kleine Straßen angelegt und man kommt daher super schnell von A nach B. Also wer das mal machen will: RentaBikeNow for Store gegenüber des Gare du Palais ist vom Service her schwer zu empfehlen. (Ich wurde schon gefragt, ob ich Provision der im Blog erwähnten Firmen bekomme. Ich antworte jetzt mit „quasi“, denn mein Trinkgeld in dieser Form zu bezahlen könnte man als kleine win-win-Situation, die vielleicht noch mehr als dem bisherigen Preisnachlass und besseren Service ermöglicht, bezeichnen.)

höher als die Niagara Falls ;)
Chute-Montmorency
Île d’Orléans

Den Rest der Tage verbrachte ich wieder in der Stadt, die ich sehr mag. Generell sind kanadische Städte sehr trouristenfreundlich. Viele haben freies WLAN, überall gibt es kostenlose und vor allem saubere öffentliche Toiletten und es findet sich immer irgendwo ein Trinkwasserspender. Außerdem auffällig ist, dass die Städte sehr sauber sind und die Verwaltungen viel für die Leute, die hier leben oder zu Besuch sind tun, zum Beispiel ein artistischer Zirkus für umme im Alten Hafen Québecs, während dessen Vorstellung ich jedoch bitterlich gefroren habe, weil die Temperaturen innerhalb eines Tages von 25 auf 10 Grad sanken. Einen ersten kleine Durchhänger hatte ich dann auch und verbrachte einfach mal einen halben Tag im Hostel mit Telefonaten nach Hause (an dieser Stelle „happy birthday“ via Kanal Nr. 5) und langer Mittagspause. Ich denke, solche Tage werden ab und an kommen und dann muss man eben akzeptieren, dass man keine Lust hat rauszugehen und die Welt zu sehen, sondern sich faul verkriecht.

Nächster Schritt: Grenzübergang in die USA.

 

— English Version —

To reach Québec City I registered at amigoexpress.com (another page for private rides is kangaride.com). Compared to the Greyhound busses or regional railway companies it‘s very cheap and as it once worked perfectly in Germany as a driver I decided to try this as guest now. Driving to the east offers more and more hills and still lots of water. I was happy having lots of walks through town and see all those lovely buildings, streets and parks. First of all the Château Frontenac, known of some movies, is very impressive. But the romantic houses and streets of oldtown and the walls of the Citadelle as well are worth several hours or days of stay. Even the trainstation has little towers and oriels. And because of the sun shining all day long (got sunburned a litte for the 2nd time) kids were playing with the water fontains of some parks. A dad gave his son in a wheelchair some rides trough the water and they had so much fun that I immediatly started to laugh and be very happy as well.

I spend my nights at someone elses house for the first time of my trip. Antonio who offered me a spare room via couchsurfing.com is from Perú and I train my Spanish for Central and Southamerica already. And I have to do quite more! For that reason I always take my exercise book with me and try to get trough the revision of what I once commanded. Couchsurfing offers cool nights hanging around with the host and his friends, cooking, eating or whatching movies (or „Game of Thrones“ in English with Spanish subtitles). For this couchsurfing is a little more fun than staying in hostels.

But I will have more first times in live during my journey, for example to rent a bike. I rode to Montmorency Waterfall, walked up the 484 steps to the top and fought myself back down through more and more tourists. I continued crossing the Saint Lawrence River over a huge bridge and teased myself up the hills of the Isle of Orléans. There I spent lunchtime and wondered how on earth such wonderful apples, strawberries and stuff can grow with several months of winter every year. In the end I really enjoyed my trip not just because of the great bike paths and traffic lights with countdown but also for the superb service at RentaBikeNow for store. Take this advice for future plans. 😉

The rest of the days staying in Ville de Québec I again walked lots through the streets, had a look at the old fort under the Terrasse Dufferin and went to an artistic circus which is paid by the city authorities. I was very cold that night because the temperature fell for 15 degrees, but the show was incredible. All the cities here are very kind to tourists anyway. They have free wireless, lots of clean public toilettes for free and drinking water spots. The first little breakdown moment arrived as well these days. But I think it‘s okay to spend half a day talking with home and chilling in the hostel instead of going out and for some adventure. It might happen from time to time again.

Next step: Crossing the border to the USA.

Maren

- Lehrerin auf Abwegen - Der Sommer wird für mich von August 2017 bis August 2018 anhalten, weil ich ein sog. Sabbatjahr einschiebe, um endlich das Reiseziel Südamerika anzusteuern. Was sollte da näherliegen, als in Nordamerika anzufangen, um über Zentralamerika den Süden zu erreichen? ;)

4 Gedanken zu „Québec City (CAN)

  1. Muss man im Kommentar etwas geistreiches sagen, oder genügt ein schlichtes und von Herzen kommendes „Gute Reise weiterhin“? Ich bin fast ein bisschen neidisch. Aber das Ganze scheint ja auch körperlich recht fordernd zu sei. Dann räkle ich mich noch mal auf dem Sofa und bin doch nicht mehr so vom Fernweh beseelt 😉 Mach’s gut.
    LG Frank

    1. Hei. In den AGBs steht nix von Qualitätsansprüchen oder so. 😉 Danke dir, das heimische Sofa ist auch das, was ich am ehesten vermisse von den weltlichen Dingen. Aber man findet andere Ruheoasen für die Pausen vom Abenteuer. 🙂
      Liebe Grüße!

  2. wow .. also das Canada ein sympathisches „Fleckchen“ ist, war mir seit Michael Moore’s Filmbeweis, dass in Canada alle Haustüren offenstehen, klar.
    Aber dein Bericht toppt das bei weitem.

    1. Vor allem Montréal mag ich seeehr von den Leuten und dem städtischen Klima, das total multikulturell und offen ist und Québec City ist sehr schön, aber halt alles französisch.
      Alle Kanadier schwärmen aber vom „richtigen“ Kanada, nämlich Britisch Columbia. Zitat des Grenzbeamten (Landweg mach Kanada kostet nix außer paar Antworten zum Vorhaben): „Good choice!“ Da bin ich jetzt und freu mich mega auf die kommenden 3 Wochen!

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